Bluthochdruck: Bericht fordert, Kalium und Natrium gemeinsam zu betrachten
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von Bluthochdruck konzentrierten sich über Jahre hinweg vor allem auf die Senkung des Salzkonsums. Ein im American Journal of Clinical Nutrition erschienener Bericht unter Beteiligung von Naomi Fukagawa von der University of Vermont legt nun dar, dass dieser Ansatz unvollständig bleibt.
Eine ausschließliche Fokussierung auf die Reduktion von Natrium greife zu kurz. Kalium bilde die andere Hälfte der Gleichung bei der Regulierung des Blutdrucks. Eine kombinierte Strategie aus gesteigerter Kaliumzufuhr und verringertem Natriumkonsum könne die Werte wirksamer senken als die Natriumreduktion allein.
Laut Angaben im Fachbericht betrifft Bluthochdruck weltweit mehr als 1,28 Milliarden Erwachsene und gilt als zentraler Risikofaktor für Herzinfarkte sowie Schlaganfälle.
Trotz zahlreicher Aufklärungskampagnen verbleibt die Natriumaufnahme in vielen Regionen über den offiziellen Richtwerten, während die Zufuhr von Kalium sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern weit unter dem optimalen Niveau liegt. Fukagawa betonte, dass Nahrungsinhaltsstoffe gemeinsam wirken und ein ganzheitlicher ernährungsmedizinischer Ansatz erforderlich sei.
Zusammenspiel im Flüssigkeitshaushalt und den Gefäßen
Im Organismus erfüllen Natrium und Kalium grundlegende Funktionen für den Flüssigkeitshaushalt, die Nervenreizleitung sowie die Muskelaktivität. Wie der Bericht im American Journal of Clinical Nutrition aufzeigt, unterstützt Kalium die Nieren aktiv dabei, überschüssiges Natrium auszuscheiden.
Zugleich fördert der Mineralstoff eine Erweiterung der Blutgefäße, was den Druck im Gefäßsystem unmittelbar verringert. Die Autoren fordern daher eine Anpassung von Leitlinien, um Natrium und Kalium künftig zusammenhängend zu betrachten. Unterstützt wurde die Arbeit durch das Sodium in Food and Health Implications Committee der Organisation IAFNS.
Zur Deckung des Bedarfs verweist der Bericht auf natürliche Quellen wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Milchprodukte, darunter insbesondere Bananen, Kartoffeln, Bohnen, Blattgemüse und Joghurt. Der sogenannte DASH-Ernährungsplan führt hierfür unter anderem Früchte wie Trauben, Aprikosen, Brombeeren, Orangen und Grapefruit sowie Gemüse wie Spinat, Tomaten, Brokkoli und Karotten an.
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Richtwerte und der Einsatz von Salzersatz
Die American Heart Association nennt als ideale tägliche Aufnahme zur Vorbeugung und Therapie von Bluthochdruck eine Menge von 3500 bis 5000 Milligramm Kalium. Für gesunde Erwachsene wird der Basisbedarf für Männer teils mit etwa 3000 Milligramm pro Tag und für Frauen mit 2600 Milligramm pro Tag beziffert, abhängig von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und Medikation.
Als praktische Maßnahme gelten kaliumbasierte Salzersatzstoffe, die den Natriumgehalt im Essen senken und zugleich die Kaliumaufnahme erhöhen. Diese weisen jedoch mitunter einen metallischen Beigeschmack auf. Zudem erfordert ihr Einsatz Vorsicht: Bei vorliegenden Nierenerkrankungen oder bei der Einnahme bestimmter Präparate ist eine Hyperkaliämie möglich.
Ein solches Überangebot an Kalium kann im Zusammenhang mit metabolischen Erkrankungen sowie unter Medikation mit kaliumsparenden Diuretika wie Amilorid und Spironolacton oder Schleifendiuretika wie Furosemid und Chlorothiazid auftreten. Bei Nierenproblemen ist daher eine ärztliche Aufsicht zwingend vorgeschrieben.
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Internationale Initiativen und klinische Leitlinien
Dass die kombinierte Betrachtung beider Mineralstoffe zunehmend die klinische Praxis prägt, zeigen auch weltweite Entwicklungen. Auf der National Stroke Conference in Hanoi verabschiedeten vier vietnamesische Medizin- und Ernährungsverbände eine gemeinsame Konsenserklärung. Diese umfasst Vorgaben zur Salzreduktion, eine Erhöhung der Kaliumzufuhr, die Salzjodierung und Kennzeichnungen auf Verpackungsvorderseiten.
Hintergrund ist eine durchschnittliche Salzaufnahme in Vietnam, die nahezu das Doppelte der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation beträgt. Prof. Bruce Neal vom George Institute erläuterte vor Ort, dass kaliumangereichertes Salz den Blutdruck wirksam senke sowie Schlaganfall- und Sterberisiken minimiere.
Parallel dazu rücken nephrologische Aspekte bei der Blutdrucktherapie weiter in den Fokus. Die KDOQI-Arbeitsgruppe widmete sich in einem Kommentar in den American Journal of Kidney Diseases den Hypertonie-Empfehlungen für die Stadien 1 bis 5 chronischer Nierenerkrankungen ohne Dialysebedarf. Dabei wurden das Ziel eines Blutdrucks von unter 130 zu 80 Millimeter Quecksilbersäule, universelle Screenings auf Albuminurie sowie das Management von Elektrolytstörungen und potenziellen Wechselwirkungen bekräftigt.
