Bluthochdruck, Hitze

Bluthochdruck bei Hitze: Studie mit 4,2 Millionen Besuchen zeigt Blutdruckabfall

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen verbinden hohe Temperaturen mit Blutdruckabfällen und mehr Beschwerden; Fachleute raten zu Vorsicht bei Medikamenten und Kühlung.
Eine von Hitze ausgetrocknete, rissige Erdoberfläche in einer sommerlichen Landschaft unter gleißendem Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Hohe Temperaturen stellen das kardiovaskuläre System vor erhebliche Herausforderungen. Wie Fachgesellschaften wie die Deutsche Hochdruckliga und die Deutsche Herzstiftung betonen, kann Hitze den Blutdruck sowohl senken als auch ansteigen lassen.

Bei Personen, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, führt die hitzebedingte Gefäßerweiterung mitunter zu einem überproportionalen Blutdruckabfall. Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung weist darauf hin, dass bei einem systolischen Wert von unter 100 mmHg eine ärztliche Konsultation ratsam ist.

Eine eigenmächtige Dosisänderung sollte jedoch vermieden werden: Angela Thiel-Bodenstaff vom Uniklinikum Homburg mahnt, blutdrucksenkende Medikamente nicht eigenständig abzusetzen, sondern Anpassungen ausschließlich nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vorzunehmen.

Klinische Studien belegen Gefäßreaktionen bei hohen Temperaturen

Umfangreiche wissenschaftliche Auswertungen bestätigen diesen Zusammenhang. Eine im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Analyse von über 4,2 Millionen sommerlichen Klinikbesuchen zeigte, dass kurzfristige extreme Hitze mit leichten Rückgängen des systolischen und diastolischen Blutdrucks einhergeht.

Dieser Effekt trat bei Erwachsenen ab 65 Jahren sowie bei Personen mit Hypertonie – unabhängig davon, ob diese medikamentös behandelt wurden oder nicht – deutlich ausgeprägter auf als bei jüngeren oder normotonen Vergleichsgruppen.

Die stärksten Rückgänge wurden am Tag der Hitzeexposition sowie am Vortag gemessen, bevor sie wieder abnahmen. Die Studienautoren betonten allerdings, dass die langfristigen kardiovaskulären Folgen noch unklar seien und weiterer Forschung bedürfen.

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Zu ähnlichen Beobachtungen gelangte eine in BMC Geriatrics publizierte Querschnittsstudie, die zwischen Juni und August 2026 an einer Kardiologie-Ambulanz der Universitätsklinik Zonguldak in der Türkei mit 680 Patienten ab 65 Jahren (Durchschnittsalter 71,3 Jahre, 48,1 Prozent Frauen) durchgeführt wurde.

Dort litten 75,9 Prozent der Teilnehmenden an mindestens zwei hitzebedingten Symptomen, 52,1 Prozent erlebten eine Verschlechterung ihrer Symptome und 82,4 Prozent verfügten über eine unzureichende Kühlung. Eine Symptomverschlechterung war unter anderem statistisch mit Herzinsuffizienz, längerer Hitze-Exposition in Innenräumen und Gebrechlichkeit assoziiert.

Ergänzend belegt eine Studie im Fachjournal Heart, durchgeführt unter der Leitung von Dr. Alexandra Schneider am Institut für Epidemiologie II des Helmholtz Zentrums München, dass Temperaturextreme Herzversagen oder Schlaganfälle auslösen können. Hitze beeinflusse die Blutgerinnung, erhöhe die Viskosität des Blutes und steigere das Thromboserisiko, während Kälte den Blutdruck anhebe.

Herausforderungen in der Praxis und Arzneimittellagerung

Die Relevanz dieser Mechanismen spiegelt sich auch im Versorgungsalltag wider. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Aposcope im Auftrag der Apotheken Umschau unter rund 1.000 Apothekerinnen, Apothekern und pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) ergab, dass 66 Prozent in den vergangenen drei Jahren eine Zunahme hitzebedingter Beschwerden beobachteten – insbesondere Herz-Kreislauf-Probleme und Schwindel.

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Gut 90 Prozent der Befragten stuften das Risiko für medikationsbedingte Komplikationen bei älteren Menschen in der Sommerhitze als hoch ein, bei Herz-Kreislauf-Patienten waren es 85 Prozent. Rund 74 Prozent nannten Aufklärung über Hitzerisiken als vorrangige Maßnahme, und knapp 88 Prozent rechnen in den kommenden drei Jahren mit einem weiteren Anstieg Betroffener in Apotheken.

Zudem birgt die Handhabung der Präparate Risiken: Knapp 70 Prozent der Fachkräfte im Rahmen der Aposcope-Erhebung sehen im Versandhandel den riskantesten Transportweg für temperaturempfindliche Arzneimittel. Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe von der Universität Würzburg betont, dass Medikamente generell bei 15 bis 25 Grad aufbewahrt werden sollten, während kühlpflichtige Präparate zwingend in den Kühlschrank gehören.

Verhaltensmaßnahmen bei Hochdruckwetterlagen

Medizinische Leitlinien und Fachinstitutionen empfehlen klare Verhaltensregeln. Bei stabilen Hochdruckwetterlagen, bei denen absinkende Luftmassen und Windstille zu einer Kombination aus Hitze und hohem Luftdruck führen, spüren Hypertoniker oft eine zusätzliche Belastung.

Für Betroffene gilt grundsätzlich, direkte Hitze zu meiden und ein bis zwei Liter zusätzlich zu trinken – bei Herzschwäche muss die Flüssigkeitszufuhr jedoch individuell begrenzt bleiben. Auch Elektrolyte wie Kalium sind im Blick zu behalten.

Ähnliche Empfehlungen formuliert das kroatische Institut für öffentliche Gesundheit dr. Andrija Štampar für Tage mit Temperaturen über 30 Grad: Sonnenexposition zwischen 11 und 16 Uhr solle vermieden werden, Klimaanlagen sollten die Raumtemperatur um maximal 7 Grad gegenüber der Außentemperatur senken, und Warnzeichen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit erfordern sofortige Ruhe und vermehrte Kontrollen. Tritt eine akute Verschlechterung mit Brustschmerzen oder Atemnot ein, ist unverzüglich medizinische Hilfe hinzuzuziehen.

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