Bluthochdruck, Erkrankung

Bluthochdruck: Bei 30 Prozent bleibt die Erkrankung unentdeckt

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Hohe Einnahmetreue ging mit stärkerer Blutdrucksenkung und weniger schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen einher; resistente Fälle erfordern weitere Ansätze.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer medizinischen Einrichtung mit sanftem Tageslicht und sterilen Oberflächen. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und kardiologische Auswertungen rücken eine zentrale Herausforderung im Umgang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Fokus: Blutdruckwerte dauerhaft unter der Schwelle von 140/90 mmHg zu stabilisieren, erweist sich in der Praxis häufig als schwierig. Mangelnde Kontrolle und ausgeprägte Blutdruckschwankungen erhöhen das Risiko für schwere Folgeerkrankungen erheblich.

Hohe Dunkelziffer und verzögerte Spätfolgen

Bluthochdruck zählt zu den bedeutendsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Als wesentliche Ursachen gelten genetische Veranlagung, Alter und Geschlecht, aber auch verhaltensbezogene Faktoren wie ungesunde Ernährung, ein zu hoher Salzkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht, chronischer Stress sowie der Konsum von Alkohol und Tabak.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland etwa 20 bis 30 Millionen Menschen von erhöhtem Blutdruck betroffen; weltweit hat sich die Zahl der Erkrankten seit 1990 verdoppelt. Eine Erhebung im Rahmen der GEDA-Studie des Robert Koch-Instituts ergab, dass in Deutschland 30,9 % der Frauen und 32,8 % der Männer betroffen sind.

Weltweit wird die Zahl der Hypertonie-Patienten im Alter von 30 bis 79 Jahren auf rund 1,4 Milliarden Menschen geschätzt. Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga bleibt die Erkrankung zudem in rund 30 % der Fälle unentdeckt.

Das Tückische an der Erkrankung ist ihr schleichender Verlauf. Nach Einschätzung von Fachmedizinern der Berliner Charité und der Deutschen Hochdruckliga schädigt unbehandelter Bluthochdruck Organe oft erst nach mehr als 20 Jahren.

Die Nationale VersorgungsLeitlinie führt als wesentliche Spätfolgen Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit, Netzhaut- und Nierenschäden, periphere arterielle Verschlusskrankheit sowie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz an; darüber hinaus gilt ein dauerhaft erhöhter Blutdruck als Risikofaktor für Demenzerkrankungen.

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Während einer Schwangerschaft drohen laut MSD Manual zudem Komplikationen wie Herzversagen, Niereninsuffizienz, Plazentaablösung, ein verringertes fetales Wachstum sowie Totgeburten.

Therapietreue entscheidet über den Behandlungserfolg

Ein Hauptgrund für unzureichend eingestellte Werte liegt in der nachlassenden Therapietreue. Analysen der Universität Oxford, die im Rahmen des Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vorgestellt wurden, veranschaulichen diesen Zusammenhang.

Eine Auswertung von neun Studien mit 91.339 individuellen Patientendaten zeigte, dass eine Therapietreue von mindestens 80 % mit einer um 11 % geringeren Inzidenz schwerer kardiovaskulärer Ereignisse einhergeht.

Patienten mit hoher Adhärenz erreichten zudem eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 5,2 mmHg im Vergleich zu 3,0 mmHg bei geringerer Einnahmetreue, bei der keine signifikante Ereignisreduktion nachweisbar war. Zugleich sank der Anteil der Patienten mit einer Adhärenz von mindestens 80 % vom ersten Jahr (88 %) bis zum fünften Behandlungsjahr auf 79 %.

Fachvertreter der Deutschen Herzstiftung weisen darauf hin, dass ein bis zwei vergessene Tabletten im Regelfall unkritisch seien, mehr als zwei Tage ohne Medikation jedoch vermieden werden sollten. Nach zwei ausgelassenen Tagen dürfe keinesfalls die doppelte Dosis eingenommen werden.

Resistente Hypertonie und erweiterte Behandlungswege

Erreichen Betroffene trotz der Verordnung von drei Präparaten unterschiedlicher Wirkstoffklassen in adäquater Dosierung ihren Zielwert nicht oder benötigen sie mindestens vier Substanzen, liegt eine resistente Hypertonie vor.

Fachpublikationen verweisen in diesem Zusammenhang auf das Phänomen der Pseudo-Resistenz: In 20 bis 40 % der Verdachtsfälle liegen lediglich Messfehler oder ein sogenannter Weißkittel-Effekt vor; in 20 bis 50 % der Fälle ist mangelnde Therapietreue die Ursache.

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Zu den physiologischen Treibern einer echten Resistenz zählen Natrium- und Flüssigkeitsretention sowie gesteigerte Aldosteron- und Sympathikusaktivität. Neben Lebensstilmaßnahmen wie Salzreduktion, Gewichtsabnahme und CPAP-Therapie bei Schlafapnoe kommen medikamentöse und interventionelle Ansätze zum Einsatz.

Auf Fachtagungen diskutierte Optionen umfassen neben Spironolacton und Eplerenon neuere Wirkstoffe wie den dualen Endothelin-Rezeptor-Antagonisten Aprocitentan oder den Aldosteronsynthase-Inhibitor Baxdrostat. Auch interventionelle Verfahren wie die renale Denervation senken den systolischen Druck um bis zu 10 mmHg.

Wie intensiv der Blutdruck gesenkt werden sollte, verdeutlichte bereits die SPRINT-Studie an 9.361 Hochrisikopatienten: Eine strikte Zielwerteinstellung unter 120 mm Hg senkte kardiovaskuläre Ereignisse und die Gesamtmortalität signifikant gegenüber einem Zielwert unter 140 mm Hg, ging jedoch mit einer Zunahme von Nebenwirkungen wie Hypotonie und akutem Nierenversagen einher.

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