Bluthochdruck, ARB+CCB-Kombination

Bluthochdruck: ARB+CCB-Kombination zeigt beste Verträglichkeit

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Metaanalyse zeigt Vorteile der ARB-CCB-Kombination, während Betablocker häufiger abgesetzt werden und Frauen in Studien unterrepräsentiert sind.

Bluthochdruck-Therapie: Welche Wirkstoffe besser verträglich sind
Ein minimalistisch eingerichteter, heller medizinischer Untersuchungsraum mit einem sauberen Instrumententablett. Illustration mit AI erstellt.

Die langfristige Behandlung von Bluthochdruck steht in der medizinischen Praxis vor einer zentralen Herausforderung: Häufig führen Nebenwirkungen dazu, dass Patienten ihre notwendige Medikation vorzeitig absetzen.

Kardiologe Philipp Stawowy vom Deutschen Herzzentrum Charité (DHZC) weist darauf hin, dass die Verträglichkeit der Präparate entscheidend für den Erfolg der Therapie ist, da ein eigenmächtiger Abbruch die gesundheitlichen Risiken für die Betroffenen deutlich erhöht.

Herausforderungen durch Betablocker und veränderte Leitlinien

Laut Einschätzung von Philipp Stawowy führen insbesondere Betablocker im Vergleich zu anderen Wirkstoffklassen überdurchschnittlich häufig zu einem Therapieabbruch. Patienten berichten in diesem Zusammenhang oft von Symptomen wie Erschöpfung und ausgeprägter Müdigkeit; zudem werden mögliche Depressionen als Folge der Einnahme beobachtet.

Diese klinischen Beobachtungen decken sich mit der aktuellen europäischen Leitlinie zur Behandlung von Hypertonie. Diese empfiehlt Betablocker nicht mehr als Mittel der ersten Wahl für die initiale Therapie.

Moderne Blutdrucksenker seien hingegen in aller Regel sehr gut verträglich. Das therapeutische Ziel bei der Anwendung dieser neueren Präparate besteht darin, den Blutdruck kontrolliert über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen abzusenken, um den Organismus schrittweise zu entlasten.

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Studienergebnisse zur Verträglichkeit verschiedener Wirkstoffklassen

Umfangreiche Daten zur Verträglichkeit lieferte eine Netzwerk-Metaanalyse, die im Mai 2026 im Fachjournal JAMA veröffentlicht wurde. Die Untersuchung wertete insgesamt 716 randomisierte Doppelblind-Studien mit 159.362 Teilnehmern aus. Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Behandlungsansätzen auf.

Demnach erweist sich die Kombination aus Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) und Kalziumkanalblockern (CCB) als am besten verträglich. Im direkten Vergleich ergaben sich folgende statistische Werte:
- Eine ARB-Monotherapie wies gegenüber einem Placebo eine Odds Ratio (OR) von 0,73 und eine absolute Risikodifferenz von -0,8 % auf.
- Die Kombination aus ARB und CCB erreichte eine OR von 0,61 bei einer Risikodifferenz von -1,2 %.
- Eine alleinige Therapie mit Kalziumkanalblockern (CCB-Monotherapie) zeigte hingegen eine OR von 1,43 und eine Risikodifferenz von +1,2 %.
- Im direkten Vergleich der Kombination ARB+CCB gegenüber der CCB-Monotherapie lag die OR bei 0,43 mit einer Risikodifferenz von -2,4 %.

Defizite in der geschlechtsspezifischen Behandlung und Forschung

Ein weiteres Problem in der Hypertonie-Behandlung ist die mangelnde Datenlage zu geschlechtsspezifischen Unterschieden. Eine Analyse von über 2000 Studien zur Hypertonie verdeutlichte, dass Frauen lediglich einen Anteil von maximal 38 % an den Untersuchungsgruppen haben.

Dabei ist der Bedarf an spezifischen Erkenntnissen hoch: Forschungsergebnisse von Maas et al., die 2021 im European Heart Journal veröffentlicht wurden, belegen, dass bis zu 50 % der Frauen bereits vor Erreichen des 60. Lebensjahres einen Bluthochdruck entwickeln. Dennoch wird die Erkrankung bei Frauen statistisch schlechter erkannt und weniger konsequent behandelt als bei Männern.

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Strategien zur Verbesserung der Patientenadhärenz

Um die Therapietreue zu verbessern und unentdeckte Fälle von Bluthochdruck zu reduzieren, gewinnen neue Versorgungsansätze an Bedeutung. Das sogenannte Single-Pill-Therapiekonzept, bei dem zwei bis drei verschiedene Wirkstoffe in einer einzigen Tablette kombiniert werden, kann die regelmäßige Einnahme für Patienten erheblich vereinfachen.

Zudem wird empfohlen, den Blutdruck regelmäßig sowohl in der ärztlichen Praxis als auch eigenständig zu Hause zu messen, um eine stabile Einstellung der Werte zu gewährleisten und die Risiken eines Therapieabbruchs zu minimieren.

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