Bluthochdruck ab 60: Unbehandelt steigt das Demenzrisiko um 42 Prozent
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zusammenhang zwischen einer nicht therapierten Hypertonie und dem Risiko für kognitive Beeinträchtigungen rückt verstärkt in den Fokus der medizinischen Forschung. Aktuelle Auswertungen belegen, dass Bluthochdruck ein wesentlicher Treiber für die Entstehung von Demenz und Alzheimer ist.
Experten betonen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit regelmäßiger kognitiver Vorsorgeuntersuchungen sowie einer konsequenten medikamentösen Einstellung der Blutdruckwerte.
Erhöhtes Demenzrisiko durch mangelnde Therapie
Eine internationale Untersuchung, die Daten aus insgesamt 14 Studien – darunter die brasilianische SPAH-Studie – analysierte, liefert konkrete Zahlen zum Gefahrenpotenzial.
Bei Personen ab einem Lebensalter von 60 Jahren, deren Bluthochdruck unbehandelt blieb, wurde ein um 42 % höheres Demenzrisiko festgestellt als bei Menschen ohne Hypertonie. Im Vergleich zu Patienten, die eine entsprechende medikamentöse Therapie erhielten, lag das Risiko bei den Unbehandelten immer noch um 26 % höher.
Zudem deuten Daten darauf hin, dass die Wahl der Medikation einen Einfluss auf den kognitiven Erhalt haben kann. Laut Veröffentlichungen in JAMA Network Open war die Behandlung mit BRA-Präparaten sowie Kalziumkanalblockern bei älteren Patienten mit einem um 24 % geringeren kognitiven Abbau verbunden als der Einsatz anderer Wirkstoffklassen.
Herausforderungen bei Diagnose und Therapietreue
Trotz der bekannten Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und Demenz bleibt die Identifikation und Behandlung der Hypertonie lückenhaft. In Brasilien stieg der Anteil der Erwachsenen mit ärztlich diagnostiziertem Bluthochdruck laut Vigitel-Daten von 22,6 % im Jahr 2006 auf 29,7 % im Jahr 2024, was einem relativen Anstieg von 31,4 % entspricht.
Die brasilianische Hypertonie-Leitlinie 2025 weist zudem darauf hin, dass bei 40 % bis 60 % der kardiovaskulären Patienten eine geringe Therapietreue festzustellen ist.
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Auch in Europa zeigen Messaktionen erhebliche Defizite auf. Bei einer Untersuchung in Österreich im Jahr 2017 waren 40 % der getesteten Personen zuvor nicht als hyperton erkannt worden. Von den bereits diagnostizierten und behandelten Patienten erreichten 60 % nicht den angestrebten Zielbereich. Ein Experte wies zudem darauf hin, dass weltweit etwa 17 % aller Todesfälle auf die Folgen von Bluthochdruck zurückzuführen seien.
Wirtschaftliche Folgen und Präventionspotenzial
In Deutschland leben derzeit mehr als 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, wobei Alzheimer die häufigste Form darstellt. Prognosen des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) gehen davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,7 Millionen ansteigen könnte.
Die wirtschaftliche Belastung ist bereits heute massiv: Im Jahr 2023 betrugen die direkten medizinischen Kosten rund 38 Milliarden Euro, während die unbezahlte Pflege durch Angehörige mit weiteren 45 Milliarden Euro beziffert wurde.
Die Lancet-Kommission identifizierte insgesamt 14 beeinflussbare Risikofaktoren für Demenz. Neben Bluthochdruck zählen dazu unter anderem Diabetes, Bewegungsmangel, Übergewicht, Hörverlust und sozialer Rückzug.
Berechnungen zufolge könnten bis zu 45 % der Demenzfälle potenziell verhindert oder zumindest hinausgezögert werden, wenn diese Faktoren konsequent adressiert würden. Eine Demenzforscherin unterstrich zudem, dass soziale Kontakte generell eine protektive Wirkung entfalten könnten.
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Empfehlungen für die Vorsorge und Messung
Fachleute raten zu einer regelmäßigen Kontrolle des Blutdrucks ab dem 40. Lebensjahr, idealerweise jedoch schon früher. Für die Heimmessung wird empfohlen, zwei Messungen im Abstand von zwei Minuten durchzuführen und den Mittelwert zu bilden. Dieser sollte 135/85 mmHg nicht überschreiten. In der Arztpraxis gilt bei Erwachsenen ein Wert von unter 120/80 mmHg als optimal, während eine Hypertonie ab 140/90 mmHg diagnostiziert wird.
Besondere Aufmerksamkeit gilt auch jüngeren Altersgruppen. Rund 3 % der Kinder in Deutschland leiden unter Bluthochdruck; bei stark übergewichtigen Jugendlichen liegt dieser Anteil sogar bei etwa 25 %. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt daher Blutdruckkontrollen bereits ab einem Alter von drei Jahren.
Bei Erwachsenen sollten wiederkehrende Probleme bei Alltagsaufgaben oder Hinweise aus dem sozialen Umfeld auf Gedächtnisprobleme umgehend ärztlich abgeklärt werden, um mögliche kognitive Einschränkungen frühzeitig zu erkennen.
