Bluthochdruck: 91.000 Patientendaten zeigen den Nutzen regelmäßiger Einnahme
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie portugiesische Hochdruckgesellschaft Sociedade Portuguesa de Hipertensão hat gemeinsam mit Servier Portugal eine Aufklärungskampagne zur Überwachung von Blutdruck und Cholesterin initiiert.
Im Zentrum der Initiative steht der Grundsatz, dass das Fehlen spürbarer Symptome keineswegs mit Risikofreiheit gleichzusetzen ist. Bluthochdruck entwickelt sich oft über Jahre hinweg unbemerkt, da typische Warnsignale häufig ausbleiben oder unspezifisch sind.
Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga sind allein in Deutschland schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen betroffen, von denen etwa jeder Fünfte keine Kenntnis von den eigenen erhöhten Werten hat. Weltweit hat sich die Zahl der Hypertonie-Fälle seit 1990 verdoppelt.
Grenzwerte und Zielvorgaben der Fachgesellschaften
Die etablierte Diagnoseschwelle für eine Hypertonie liegt bei Messungen in der Praxis weiterhin bei 140/90 mmHg. Dies bekräftigte die Sociedade Portuguesa de Hipertensão unter Verweis auf die Richtlinien der ESH aus dem Jahr 2023 sowie der ESC aus dem Jahr 2024. Auch deutsche Fachgesellschaften sowie die International Society of Hypertension definieren Bluthochdruck ab diesem Schwellenwert.
Bei den Therapiezielen empfehlen die ESC-Leitlinien für die Mehrheit der behandelten Erwachsenen einen systolischen Zielwert von 120 bis 129 mmHg, sofern dieser vertragen wird, begleitet von diastolischen Werten zwischen 70 und 79 mmHg.
US-Fachgesellschaften setzen die Zielmarke bei unter 130/80 mmHg an. Die Richtlinien der International Society of Hypertension unterscheiden zwischen einer Basisversorgung mit dem Ziel von unter 140/90 mmHg für alle Patienten und einer optimalen Versorgung mit Werten unter 130/80 mmHg.
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Neben dem Blutdruck rückt auch das Lipidmanagement in den Fokus: Nach den von der portugiesischen Gesellschaft zitierten ESH-Vorgaben liegen die LDL-Cholesterin-Ziele bei hohem Risiko unter 70 mg/dL und bei sehr hohem Risiko unter 55 mg/dL.
Standards für die Heimmessung im Alltag
Da Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit oder Kurzatmigkeit keine verlässliche Diagnose ermöglichen, bildet die apparative Messung das einzig sichere Instrument zur Erkennung.
Für strukturierte Heimmessungen empfiehlt die Sociedade Portuguesa de Hipertensão jeweils zwei Messungen am Morgen und am Abend über einen Zeitraum von mindestens drei, vorzugsweise sieben Tagen. Ein ermittelter Mittelwert von 135/85 mmHg oder höher gilt hierbei als diagnostische Schwelle.
Treten bei Messungen akute Werte von 180 mmHg systolisch oder 110 mmHg diastolisch auf, rät die Fachgesellschaft zu einer Kontrollmessung und bei anhaltender Erhöhung zum Einholen ärztlicher Hilfe. Zeigen sich Symptome eines Schlaganfalls, muss umgehend der Notruf gewählt werden.
Für eine korrekte Durchführung betonen Experten die Einhaltung standardisierter Bedingungen: Die Messung sollte nach einer fünfminütigen Ruhephase im Sitzen mit einer Manschette auf Herzhöhe erfolgen, während 30 Minuten vor der Erfassung auf körperliche Anstrengung, Nikotin und Alkohol zu verzichten ist.
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Bedeutung von Therapietreue und Einnahmeschemata
Fachgesellschaften sprechen eine ausdrückliche Warnung vor eigenmächtigen Dosisanpassungen oder dem Absetzen verordneter Medikamente aus. Die Auswirkung konsequenter Therapietreue verdeutlicht eine auf dem ESC-Kongress 2026 präsentierte Analyse von Qianqian Yang von der Universität Oxford.
Die Auswertung von mehr als 91.000 Patientendaten aus neun randomisierten klinischen Studien zeigte, dass bei einer Einnahmetreue von mindestens 80 Prozent der verordneten Präparate elf Prozent weniger schwere kardiovaskuläre Ereignisse auftraten als in Vergleichsgruppen.
Der systolische Blutdruck sank bei hoher Therapietreue im Schnitt um 5,2 mmHg, verglichen mit 3,0 mmHg bei geringer Adhärenz. Da die Therapietreue über fünf Jahre hinweg von 88 Prozent auf 79 Prozent abfiel, empfehlen Fachleute vereinfachte Einnahmepläne und Kombinationspräparate.
Bezüglich des Einnahmezeitpunkts verweist die Deutsche Hochdruckliga auf Daten der britischen TIME-Studie sowie kanadische Studienergebnisse, wonach die Einnahme am Morgen oder am Abend keinen relevanten Unterschied hinsichtlich des Risikos für Herzinfarkte, Schlaganfälle oder die Gesamtsterblichkeit bewirkt. Ausschlaggebend sei primär die verlässliche, tägliche Einnahme zu einem gleichbleibenden Zeitpunkt.
