Bluthochdruck, Betroffenen

Bluthochdruck: 58,8 Prozent der Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Analyse von 1,4 Millionen Erwachsenen in England zeigt große Lücken bei Erkennung und Behandlung von Hypertonie.

Oxford-Studie: Viele Menschen mit Bluthochdruck bleiben unerkannt
Ein minimalistisch gestalteter, heller Untersuchungsraum in einer medizinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Eine im Fachjournal BMJ Public Health publizierte Untersuchung der University of Oxford und Oxford Population Health offenbart erhebliche Lücken bei der Diagnose und Behandlung von Bluthochdruck.

Anhand eines Datensatzes von 1,4 Millionen Erwachsenen in England aus dem Forschungsprogramm Our Future Health für den Zeitraum von 2022 bis 2025 analysierten die Wissenschaftler die Verbreitung der Hypertonie. Die am 23. September 2026 vorgelegte Analyse zeigt, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen bislang ohne Diagnose und Therapie bleibt.

Mehrheit der Betroffenen ohne Befund und Therapie

Den Ergebnissen zufolge erfüllten 37,2 Prozent der Studienteilnehmer die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation für Bluthochdruck, definiert durch einen systolischen Wert von mindestens 140 mmHg, einen diastolischen Wert von mindestens 90 mmHg oder die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente.

Unter den identifizierten Personen mit Hypertonie wussten 58,8 Prozent nichts von ihrer Erkrankung: Sie hatten weder eine entsprechende Diagnose erhalten noch nahmen sie blutdrucksenkende Arzneimittel ein.

Die Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit dem Alter deutlich zu. Während in der Altersgruppe von 18 bis 39 Jahren rund 15 Prozent der Probanden betroffen waren, lag der Anteil bei Personen ab 80 Jahren bei rund 71 Prozent.

Bei den über 80-Jährigen wiesen 73 Prozent der Männer und 69 Prozent der Frauen entsprechende Werte auf. Über alle Altersgruppen hinweg ergab sich eine altersadjustierte Prävalenz von rund 42 Prozent bei Männern gegenüber rund 29 Prozent bei Frauen.

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Bei Teilnehmern, die mindestens ein blutdrucksenkendes Präparat einnahmen, wiesen 50,2 Prozent weiterhin Werte von mindestens 140/90 mmHg auf.

Kritik an Diagnosepfaden und Risikofaktoren

Hauptautor Wenyu Liu wies darauf hin, dass bestehende Leitlinien des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE), die mehrere Messungen und Lebensstiländerungen vor einer medikamentösen Intervention vorsehen, zur Unterdiagnose beitragen könnten.

Die Einleitung einer Behandlung sollte sich stärker am individuellen kardiovaskulären Gesamtrisiko orientieren. Zudem hob Liu hervor, dass mehr als 15 Prozent der jungen Erwachsenen, die keinen Anspruch auf die regulären Vorsorge-Checks des staatlichen Gesundheitssystems NHS haben, bereits Bluthochdruck aufwiesen.

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Iain Turnbull von Our Future Health unterstrich die Notwendigkeit einer proaktiveren Früherkennung und einer Behandlung nach kardiovaskulärem Risikoprofil.

Bryan Williams von der British Heart Foundation betonte, dass Bluthochdruck der zentrale Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei und mit fast der Hälfte der Herzinfarkte und Schlaganfälle in Großbritannien in Verbindung stehe. Ohne eine effektivere Detektion drohten Zehntausende vermeidbare kardiovaskuläre Notfälle.

Methodische Einschränkungen der Erhebung

Die Studienautoren benannten zugleich methodische Grenzen ihrer Auswertung. Einzelne Messungen im Rahmen eines einmaligen Forschungsbesuchs spiegelten nicht zwingend den habituellen Blutdruck wider und reichten für sich genommen nicht aus, um eine dauerhafte Hypertonie klinisch zu sichern.

Zudem lag keine unabhängige Bestätigung der Angaben zur Medikamenteneinnahme vor, und die freiwillige Teilnehmerkohorte könnte sich in bestimmten Merkmalen von der Gesamtbevölkerung unterscheiden. Dennoch fordern die Forscher vor dem Hintergrund der Ergebnisse eine gezieltere Identifizierung von Risikopersonen.

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