Bluthochdruck: 45% der Demenzfälle durch Prävention vermeidbar
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 07:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Regulierung des Blutdrucks rückt zunehmend in das Zentrum der neurologischen und geriatrischen Prävention. Nach Einschätzung der Geriatrin Rosa López Mongil stellt Bluthochdruck den schwerwiegendsten Risikofaktor für Demenzerkrankungen dar.
Eine konsequente Kontrolle der Werte sei bereits ab dem mittleren Lebensalter erforderlich. Neben dem Bluthochdruck zählen nach ihren Angaben Adipositas, Bewegungsmangel, Diabetes und Hypercholesterinämie zu den weiteren maßgeblichen Gefahren für die geistige Gesundheit.
Internationale Untersuchungen unterstreichen das Potenzial präventiver Maßnahmen: Laut der Lancet-Kommission von 2024 gelten bis zu 45 Prozent der Demenzfälle anhand von 14 identifizierten Risikofaktoren als potenziell verhinderbar. Dennoch vergeht bei neurodegenerativen Erkrankungen oft viel Zeit bis zur Klärung der Ursachen.
Nach Angaben von Rosa López Mongil wird die Alzheimer-Krankheit häufig erst nach einer Krankheitsdauer von bis zu zehn Jahren diagnostiziert. Blut-Biomarker seien zwar beispielsweise in Spanien bereits verfügbar, bislang jedoch auf die Forschung beschränkt.
Große Kohortenstudien belegen den Einfluss des Gefäßsystems
Die Bedeutung vaskulärer Faktoren für das Gehirn wird durch mehrere umfangreiche Langzeituntersuchungen untermauert. Eine im Fachjournal Neurology Open Access veröffentlichte Auswertung von Daten der ARIC-Studie an 12.409 Erwachsenen mit einem mittleren Ausgangsalter von 56,2 Jahren und einer medianen Nachbeobachtungszeit von 26,3 Jahren erfasste 3.008 Demenzfälle.
Die demenzfreie Lebenserwartung ab einem Alter von 55 Jahren lag bei Personen ohne Risikofaktoren bei 30,1 Jahren. Bei Personen mit der Kombination aus Rauchen, Hypertonie und Diabetes betrug sie hingegen 17,5 Jahre, was einer Differenz von 12,6 Jahren entspricht.
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Die Hazard Ratio lag bei 2,69 für Demenz sowie bei einem 5,61-fachen Risiko für einen Tod ohne Demenz. Die Autoren betonen, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, die keine Kausalität beweist.
Zu ähnlichen Ergebnissen bezüglich der Gefäßgesundheit kommt eine im Fachjournal Stroke publizierte Untersuchung der University of Miami unter der Leitung von Michelle R. Caunca mit über 1.200 Erwachsenen ab 50 Jahren. Dabei ging ein niedrigerer diastolischer Blutdruck mit weniger Läsionen der weißen Hirnsubstanz einher.
Werte unter 80 zeigten weniger Gewebeschäden in bestimmten Regionen des Gehirns, während Werte über 90 mit mehr Schäden verbunden waren. Auch hier handele es sich um einen statistischen Zusammenhang, nicht um einen Ursachenbeweis.
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Zudem zeigte eine über sieben Jahre durchgeführte Studie an fast 34.000 Erwachsenen ab 40 Jahren aus 326 Dörfern in China mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren konkrete Effekte einer Intervention: Laut der Organisation Alzheimer Nederland ging eine intensive Behandlung des Blutdrucks auf Gruppenebene mit einem um 15 Prozent geringeren Demenzrisiko sowie einem um 13 Prozent geringeren Risiko für kognitiven Abbau einher. Eine Überwachung der Blutdruckwerte sei demnach bereits ab der Lebensmitte relevant.
Kardiologische Grenzwerte und die Dimension der Demenzerkrankungen
Für die klinische Einordnung von Blutdruckwerten verweist Prof. Thomas Voigtländer von der Deutschen Herzstiftung darauf, dass Bluthochdruck vorliegt, wenn an zwei Tagen Praxiswerte über 135/85 mmHg oder an sieben Tagen Heimwerte darüber gemessen werden.
Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie stufen bereits Werte von systolisch über 129 mmHg und diastolisch über 75 mmHg als behandlungsbedürftig ein. Werte über 140/90 mmHg gelten als Bluthochdruck, während ein Wert von 120/70 mmHg als normal definiert wird.
Die gesellschaftliche Relevanz der Erkrankung ist hoch. Am Beispiel von Ungarn zeigen Schätzungen aus Experteninterviews der Nachrichtenagentur MTI, dass 200.000 bis 300.000 Menschen mit Demenz leben.
Etwa 10 Prozent der über 65-Jährigen sind dort betroffen; unter Einbeziehung von Angehörigen und Pflegekräften sind es fast eine Million Betroffene und damit rund ein Zehntel der Bevölkerung. Nach Angaben der Semmelweis-Universität entfallen 70 bis 80 Prozent aller Demenzfälle auf die Alzheimer-Krankheit.
