Blutdruckwerte: USA und Europa ziehen die Grenze bei unterschiedlichen Werten
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Definition und therapeutische Bewertung des arteriellen Blutdrucks unterliegen fortlaufenden internationalen Diskussionen. Aktuelle Berichte vom Oktober 2026 fassen die maßgeblichen Normwerte zusammen und zeigen, wie kardiologische Fachverbände Blutdruckwerte und Risikoprofile einteilen.
Divergierende Schwellenwerte internationaler Verbände
In den Vereinigten Staaten unterscheidet die American Heart Association (AHA) sechs Kategorien. Als normal gilt ein systolischer Wert von unter 120 mmHg bei einem diastolischen Wert von unter 80 mmHg. Ein leicht erhöhter Blutdruck umfasst systolisch 120 bis 129 mmHg bei diastolisch unter 80 mmHg.
Bei Werten von 130 bis 139 mmHg systolisch oder 80 bei 89 mmHg diastolisch diagnostiziert der Verband eine Hypertonie der Stufe 1. Eine Hypertonie der Stufe 2 liegt ab 140 mmHg systolisch oder ab 90 mmHg diastolisch vor.
Steigen die Werte auf über 180 mmHg systolisch oder über 120 mmHg diastolisch, spricht die Fachgesellschaft von einer schweren Hypertonie beziehungsweise einem hypertensiven Notfall, dessen Einstufung vom Auftreten akuter Symptome abhängt.
In Europa setzt die ESC-Leitlinie von 2024 andere Akzente. Werte unter 120/70 mmHg gelten als nicht erhöht, während der Bereich von 120/70 bis 139/89 mmHg als erhöhter Blutdruck eingestuft wird. Ein Verdacht auf arterielle Hypertonie besteht hier erst ab 140/90 mmHg.
Ein Blutdruck von 130/80 mmHg führt nach europäischem Standard somit noch nicht zu einer Hypertonie-Diagnose, während in den USA bereits Stufe 1 erreicht ist. Weitere Kardiologen weisen darauf hin, dass ein Wert von 120/80 mmHg optimal bleibe und für Erwachsene ein Zielwert unter 130/80 mmHg gelte.
Die Russische Kardiologische Gesellschaft definiert Werte unter 120/80 mmHg als optimal, empfiehlt jedoch für Personen ab 65 Jahren ohne Gebrechlichkeit Zielbereiche von systolisch 130 bis 139 mmHg und diastolisch 70 bis 79 mmHg.
Einen aggressiveren Ansatz verfolgen die Polnische Gesellschaft für Arterielle Hypertonie (PTNT) und die Polnische Kardiologische Gesellschaft (PTK), deren Leitlinie eine medikamentöse Therapie bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko bereits ab 120 bis 140/90 mmHg empfiehlt.
Relevanz der Messumgebung und Diagnostik
Für eine gesicherte Diagnose ist das Messsetting entscheidend. Bei Messungen in der Praxis muss ein Wert ab 140/90 mmHg durch Folgeuntersuchungen bestätigt werden; ein Einzelwert von 150/90 mmHg reicht hierfür nicht aus. Bei häuslichen Selbstmessungen gilt ein Mittelwert ab 135/85 mmHg als abklärungsbedürftig.
Eine auf den wissenschaftlichen Tagungen der AHA vorgestellte Untersuchung von 758 älteren Erwachsenen mit einem Medianalter von 83 Jahren zeigte zudem, dass eine maskierte Hypertonie – bei der die Heimwerte höher liegen als die Praxiswerte – mit einem signifikant höheren Sturzrisiko einhergeht. Demgegenüber wiesen Probanden mit Weißkittelhypertonie ein geringeres Sturzrisiko auf.
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Prävalenz, Folgeschäden und Therapietreue
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen von erhöhtem Blutdruck betroffen. Gemäß der RKI-Studie GEDA weisen 30,9 Prozent der Frauen und 32,8 Prozent der Männer Bluthochdruck auf.
Markus van der Giet von der Charité und der Deutschen Hochdruckliga betonte, dass es oft über 20 Jahre dauere, bis Schäden sichtbar würden, und rund 30 Prozent der Fälle unentdeckt blieben. Zu den dokumentierten Spätfolgen zählen Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzinsuffizienz sowie kognitive Beeinträchtigungen.
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Kardiologen wie Matthias Junge, Renate Oberhoffer-Fritz und Ulf Landmesser heben die Bedeutung präventiver Lebensstiländerungen hervor, darunter Bewegung im Alltag, Stressreduktion, mediterrane Ernährung und Gewichtsreduktion.
Kommt eine Pharmakotherapie zum Einsatz, ist die Therapietreue ausschlaggebend: Eine Analyse der Universität Oxford von zwölf Studien mit über 115.000 Teilnehmenden ergab, dass eine Einnahmetreue von mindestens 80 Prozent die Häufigkeit schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse um 11 Prozent reduzierte.
Heribert Schunkert von der Deutschen Herzstiftung wies in diesem Kontext darauf hin, dass ein bis zwei versäumte Tabletten unkritisch seien, nach mehrtägigen Unterbrechungen jedoch keinesfalls die doppelte Dosis eingenommen werden dürfe.
