Blutdruck zu Hause messen: Sieben Regeln für verlässliche Werte
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deFür eine aussagekräftige Überwachung des Blutdrucks in den eigenen vier Wänden ist die korrekte Methodik entscheidend. Prof. Dr. Berkay Ekici von der Ufuk Üniversitesi definiert dazu sieben grundlegende Vorgaben: Vor der Messung sollten Betroffene fünf Minuten ruhig sitzen und mindestens 30 Minuten zuvor auf Kaffee, Nikotin und Sport verzichten.
Während des Vorgangs ist der Rücken anzulehnen, die Füße stehen flach auf dem Boden und die Manschette liegt auf dem nackten Oberarm auf Herzhöhe. Zudem darf während der Untersuchung nicht gesprochen werden. Ekici empfiehlt zwei aufeinanderfolgende Messungen in einem Abstand von einer Minute.
Die Europäische Kardiologie-Leitlinie 2024 stuft einen häuslichen Mittelwert von 135/85 mm Hg oder höher als abklärungsbedürftig ein. Bei Werten ab 180/120 mm Hg in Kombination mit Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot, Seh- oder Sprachstörungen ist umgehend der Notruf 112 zu wählen. Fachleute betonen zudem, dass ein einzelner Wert keine Diagnose darstellt und verschriebene Medikamente keinesfalls eigenmächtig angepasst werden dürfen.
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Vorbereitung, Haltung und Störfaktoren
Die chinesische Norm WS/T872—2025 empfiehlt für die Heimanwendung elektronische Oberarmgeräte. Auch hier gelten 30 Minuten Karenzzeit für Kaffee, starken Tee, Nikotin und körperliche Anstrengung sowie das Entleeren der Blase vorab. Nach fünf Minuten Ruhe soll die Manschettenunterkante 2,5 Zentimeter über der Ellenbeuge anliegen, wobei ein bis zwei Fingerbreit Spielraum bleiben müssen.
Gefordert werden zwei bis drei Messungen im Ein-Minuten-Abstand, aus deren letzten beiden Werten der Mittelwert gebildet wird. Als Messzeitpunkte nennt die Norm den Morgen nach dem Wasserlassen vor Medikamenteneinnahme und Frühstück sowie den Abend vor dem Schlafengehen. Das Gerät sollte alle sechs Monate kalibriert werden.
Rettungssanitäter Viliam Dobiáš von Life Star Emergency und MUDr. Anna Vachulová von der Slowakischen Hypertonie-Gesellschaft sowie dem Nationalen Herz-Kreislauf-Institut Bratislava warnen vor Panik bei Einzelergebnissen, da der Blutdruck minütlich schwanke. Zu den wesentlichen Störfaktoren zählen Stress, Bewegung, falsche Armhaltung oder das Anhalten der Luft. Vachulová rät zudem von Handgelenkgeräten für den Heimgebrauch ab.
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Manschettengröße und Grenzen neuer Technologien
Die Deutsche Hochdruckliga hebt hervor, dass die Manschettengröße auf den realen Oberarmumfang abgestimmt sein muss, gemessen in der Mitte zwischen Schulter und Ellenbogen. Ein Umfang von 38 Zentimetern erfordere eine Manschette von 22 bis 42 Zentimetern; Modelle mit 22 bis 32 Zentimetern seien zu klein.
Zu enge Manschetten führen zu falsch hohen, zu weite zu falsch niedrigen Messwerten. Bei mehr als 42 Zentimetern Umfang ist ein größeres, vom Hersteller freigegebenes Modell erforderlich. B.Well stellt hierfür eine universelle Manschette von 22 bis 42 Zentimetern bereit.
Prof. Dr. Markus van der Giet von der Charité Berlin warnt vor unkritischem Vertrauen in Smartwatches. Optische Sensoren von Herstellern wie Apple, Samsung und Google liefern nach seiner Einschätzung keine verlässlichen Daten, weshalb er von manschettenlosen Messungen abrät.
Samsung und Hilo erfordern alle 28 Tage eine Kalibrierung per Oberarmmanschette, bleiben jedoch bei Aktivität fehleranfällig. Einzig Modelle mit integriertem Luftschlauch wie die Huawei Watch D3 für etwa 449 Euro böten echte Messungen, ersetzen aber ebenfalls keine ärztliche 24-Stunden-Untersuchung.
Van der Giet rät ab einem Alter von 30 Jahren zu regelmäßigen Kontrollen sowie bei diagnostiziertem Bluthochdruck zu mindestens einer jährlichen 24-Stunden-Messung durch medizinisches Fachpersonal.
