Blutdruck, Aspirin

Blutdruck und Aspirin: ASS senkt Werte nicht und kann sie leicht erhöhen

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Analyse mit 91.339 Teilnehmenden verbindet konsequente Medikamenteneinnahme mit stärkerer Blutdrucksenkung und weniger schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen.
Ein steriler Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einer Untersuchungsliege und medizinischen Instrumenten. Illustration mit AI erstellt.

Die Annahme, dass Acetylsalicylsäure (ASS) zur Senkung eines erhöhten Blutdrucks beitragen könne, erweist sich in der kardiologischen Praxis als Irrtum. Marcus van der Giet von der Charité Berlin, der zugleich Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga ist, betont in einem Bericht, dass Aspirin keinerlei blutdrucksenkende Wirkung entfaltet.

Im Gegenteil: Der Wirkstoff blockiert gefäßerweiternde Botenstoffe im Körper. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme von ASS sowie von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac den Blutdruck geringfügig anheben kann.

Weltweit hat sich die Zahl der von Bluthochdruck betroffenen Menschen seit 1990 verdoppelt. Gemäß den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ist der Einsatz von ASS primär nach einem erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall sinnvoll. Eine vorbeugende Verabreichung bei gesunden Menschen zur Primärprävention wird aufgrund der Risiken, zu denen insbesondere Magenbeschwerden und Blutungen zählen, nicht empfohlen.

Gefahren eigenmächtiger Medikamentengaben

Falsche Annahmen bei der Hypertoniebehandlung betreffen nicht nur die Wahl der Wirkstoffe, sondern auch die Art der Verabreichung. Der Mediziner Myasnikov warnt ausdrücklich davor, blutdrucksenkende Präparate zu Hause eigenmächtig unter die Zunge zu legen.

Solche Sublingual-Medikamente führen zu einem schlagartigen Abfall des Gefäßdrucks, wodurch die Durchblutung lebenswichtiger Organe wie Herz, Gehirn und Nieren binnen kürzester Zeit drastisch vermindert wird. Ein unkontrollierter Einsatz kann Herzinfarkte, Schlaganfälle oder tödliche Komplikationen auslösen und darf ausschließlich unter klinischer Aufsicht erfolgen.

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Auch im Fall einer Überdosierung von Antihypertensiva drohen ernste Folgen. Sinkt der Blutdruck unter 90/60 mmHg oder fällt der Puls unter 50 bis 60 Schläge pro Minute, kombiniert mit Symptomen wie Schwindel, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit, liegt laut Berichten von Gesundheitsportalen ein Notfall vor, der sofortige Hilfe erfordert.

Mangelnde Therapietreue als Behandlungsrisiko

Ein zentrales Problem der langfristigen Blutdruckkontrolle bleibt das eigenmächtige Absetzen verordneter Medikamente. Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung bezeichnet dieses Verhalten als fatalen Trugschluss. Häufig beruhen scheinbar normale Messwerte allein auf der Wirkung der verordneten Präparate.

Die Therapietreue liegt ihren Angaben zufolge bei unter 50 Prozent. Bei Werten von etwa 100 mmHg im oberen Bereich könne die Dosierung zu hoch sein, während bei Werten unter 90 mmHg mit gleichzeitigem Schwindel eine ärztliche Dosisanpassung notwendig sei. Zur präzisen Abklärung wird eine 24-Stunden-Langzeitmessung empfohlen.

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Eine beim ESC Congress 2026 vorgestellte Analyse von 91.339 Teilnehmenden aus neun klinischen Studien verdeutlicht die Bedeutung der Einnahmedisziplin: Bei hoher Therapietreue von mindestens 80 Prozent sank der systolische Blutdruck um 5,2 mmHg gegenüber der Kontrollgruppe, bei geringer Adhärenz lediglich um 3,0 mmHg. Zudem verringerte sich die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte bei konsequenter Einnahme um 11 Prozent.

Nach Angaben der American Heart Association gilt in den USA bereits ein Wort ab 130/80 mmHg als Hypertonie, von der fast die Hälfte der dortigen Erwachsenen betroffen ist. Ein nachhaltiges Ausschleichen von Medikamenten ist laut Tiefenbacher meist nur über signifikante Lebensstiländerungen erreichbar: Pro abgenommenem Kilogramm Körpergewicht sinkt der obere Blutdruckwert typischerweise um etwa 1 bis 2 mmHg.

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