Blutdruck, Alzheimer

Blutdruck und Alzheimer: Zu niedriger Druck verdreifacht Risiko

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 10:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studienauswertung verbindet niedrigen und hohen Blutdruck mit mehr Alzheimer-Fällen, Schlaganfällen und schnellerer Hirnalterung.

Blutdruck und Demenz: Extreme Werte erhöhen Alzheimer-Risiko
Ein leeres Glasgefäß steht auf einem weißen Labortisch in einem medizinischen Forschungsumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Zu niedriger wie zu hoher Blutdruck steht offenbar in engem Zusammenhang mit dem Risiko, an Alzheimer oder anderen Formen der Demenz zu erkranken. Das legt eine Auswertung von Forschenden der Michigan Technological University nahe, die Daten aus einer britischen und einer US-amerikanischen Kohorte aus den Jahren 2006 und 2015 analysierten und ihre Ergebnisse im Journal der American Heart Association veröffentlichten.

Die Studie zeigt, dass ein Blutdruck unter 90/60 mmHg das Alzheimer-Risiko in der britischen Kohorte verdreifacht und in der US-Kohorte fast verdoppelt. Auch Bluthochdruck ab 140/90 mmHg blieb nicht folgenlos: Er erhöhte das Risiko demnach auf das 1,6-Fache.

Niedriger Blutdruck auch mit Schlaganfallrisiko verknüpft

Neben dem Alzheimer-Risiko fanden die Forschenden auch einen Zusammenhang mit Schlaganfällen: In der britischen Kohorte stieg das Schlaganfallrisiko bei niedrigem Blutdruck um 50 Prozent, in der US-Kohorte um 85 Prozent.

Die britische Kohorte hatte ein Durchschnittsalter von 57 Jahren und bestand zu 54 Prozent aus Frauen, die US-Kohorte war im Schnitt 58 Jahre alt und zu 60 Prozent weiblich besetzt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht nur zu hoher, sondern auch zu niedriger Blutdruck als Risikofaktor für neurodegenerative und vaskuläre Erkrankungen im Alter ernst genommen werden sollte.

Molekulare Mechanismen: APOE ?4 und die Blut-Hirn-Schranke

Parallel dazu liefert eine im Fachjournal Nature Aging veröffentlichte Studie Hinweise darauf, wie genetische Faktoren und Gefäßveränderungen zusammenspielen.

Demnach erhöht die Genvariante APOE ?4 die Menge des Proteins Fibronektin in der Blut-Hirn-Schranke – bei Mäusen mit der humanen APOE-?4-Variante war der Fibronektin-Spiegel fast doppelt so hoch wie bei Tieren mit der Variante APOE ?3. Ein Überschuss an Fibronektin führt der Studie zufolge über Integrine und die fokale Adhäsionskinase zu einer Leckage der Barriere; zudem seien die Signalwege von VEGF, HBEGF und IGF1 gestört. Etwa jeder fünfte Mensch trägt mindestens eine Kopie der Genvariante APOE ?4, die als bekannter genetischer Risikofaktor für Alzheimer gilt.

Einen weiteren genetischen Mechanismus beschreibt eine im Juli 2026 im Fachjournal Biogerontology veröffentlichte Studie: Bluthochdruck verursache demnach eine beschleunigte Hirnalterung, gemessen an der sogenannten Brain Age Gap. Als zentraler Vermittler wurde das Gen TRIM47 identifiziert.

Insgesamt fanden die Autoren 15 Gene, die zwischen Bluthochdruck und Hirnalterung geteilt werden, von denen zehn anhand von Daten aus der UK Biobank, dem Million Veteran Program und der finnischen FinnGen-Datenbank validiert werden konnten.

Blutdruck als einer von mehreren beeinflussbaren Faktoren

Die Lancet Commission benannte 2024 insgesamt 14 modifizierbare Risikofaktoren für Demenz und schätzte, dass weltweit rund 45 Prozent der Demenzfälle verzögert oder verhindert werden könnten. Zu den genannten Faktoren zählen neben Bluthochdruck auch unbehandelte Schwerhörigkeit und Sehverlust, wobei Hörgeräte laut der Kommission entsprechende Defizite ausgleichen können.

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Weitere Studien deuten auf zusätzliche Stellschrauben hin: Eine 2024 im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Untersuchung fand, dass Sport das Demenzrisiko um bis zu 40 Prozent senken kann, während eine 2025 von der American Society for Nutrition präsentierte Studie der sogenannten MIND-Diät ein um 25 Prozent geringeres Demenzrisiko zuschrieb.

Was als normaler Blutdruck gilt

Die europäische Kardiologengesellschaft ESC definierte 2024 in ihrer Leitlinie einen Praxisblutdruck ab 140/90 mmHg als Bluthochdruck, Werte zwischen 120–139/70–89 mmHg gelten als erhöht. Als Behandlungsziel nennt die Leitlinie einen Bereich von 120–129/70–79 mmHg bei guter Verträglichkeit.

Die ESC weist zudem auf Phänomene wie Weißkittelhypertonie und maskierte Hypertonie hin, die eine 24-Stunden-Messung zur Bestätigung nahelegen; sehr hohe Werte mit Organsymptomen gelten als Notfall, der den Rettungsdienst erfordert.

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt einen systolischen Zielwert unter 130 mmHg. Die STEP-Studie an 60- bis 80-jährigen Chinesen ergab, dass systolische Werte zwischen 110 und 130 mmHg mit einer geringeren Gesamtmortalität einhergehen.

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Nach Auswertungen der SPRINT-Studie liegen altersübliche Blutdruckwerte demnach bei 20- bis 24-Jährigen bei etwa 120/79 mmHg, bei 40- bis 44-Jährigen bei rund 125/83 mmHg und bei 60- bis 64-Jährigen bei etwa 134/87 mmHg.

Auch bei Kindern gibt es laut Deutscher Hochdruckliga und Barmer Referenzwerte: Ab drei Jahren gelten für Jungen rund 110/70 mmHg und für Mädchen rund 109/71 mmHg als üblich, ab 16 Jahren die Erwachsenengrenze von 140/90 mmHg. Rund 3 Prozent der Kinder in Deutschland haben demnach Bluthochdruck, bei adipösen Teenagern liegt der Anteil bei 25 Prozent, bei normalgewichtigen bei 1,4 Prozent.

Häufig ohne spürbare Symptome

Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass Bluthochdruck oft symptomlos verläuft. Mögliche Anzeichen können Kopfschmerzen, besonders morgens, Schwindel, Ohrensausen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Nasenbluten, innere Unruhe, Kurzatmigkeit, Sehstörungen oder Hitzewallungen sein.

Unbehandelt drohen als Folgeschäden Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenversagen. Angesichts der beschriebenen Zusammenhänge mit Alzheimer und beschleunigter Hirnalterung gewinnt die regelmäßige Blutdruckkontrolle damit auch als Baustein der Demenzprävention an Bedeutung.

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