Blutdruck messen: Falsche Armhaltung verfälscht Werte um bis zu 6,5 mmHg
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deFür verlässliche Werte bei der häuslichen Blutdruckmessung müssen Patientinnen und Patienten strenge Vorgaben einhalten. Führende Gesundheitsorganisationen wie die American Heart Association, die US-Gesundheitsbehörde CDC und der britische National Health Service (NHS) betonen, dass technische und praktische Standards für die Selbstmessung unerlässlich sind. Fehler bei der Vorbereitung oder der Körperhaltung können die Ergebnisse erheblich verfälschen und Fehldiagnosen begünstigen.
Strikte Vorbereitung und die richtige Haltung
CDC und NHS verweisen darauf, dass bereits dreißig Minuten vor einer Messung auf bestimmte Verhaltensweisen verzichtet werden muss. In diesem Zeitfenster sollten Betroffene weder essen noch trinken, nicht rauchen, keinen Alkohol oder Koffein konsumieren und auf sportliche Aktivitäten verzichten.
Zudem sollte die Blase vor der Untersuchung entleert werden. Vor Beginn der Messung ist eine Ruhephase von mindestens fünf Minuten mit gestütztem Rücken vorgeschrieben. Während der Erfassung darf nicht gesprochen werden.
Auch die physische Positionierung beeinflusst das Ergebnis maßgeblich. Leitlinien der Organisationen verlangen, dass beide Füße flach auf dem Boden stehen, die Beine nicht gekreuzt werden und der Arm auf einem Tisch auf Herzhöhe aufliegt.
Dass Abweichungen gravierende Auswirkungen haben, belegt eine im Fachblatt JAMA Internal Medicine publizierte randomisierte Studie aus dem Jahr 2024 unter Leitung von Liu H. mit 133 Erwachsenen im Alter von 18 bis 80 Jahren aus Baltimore (mittleres Alter 57 Jahre, 41 Prozent Adipositas).
Lag der Arm während der Messung auf dem Schoß, erhöhte sich der systolische Druck im Schnitt um 3,9 mmHg und der diastolische um 4,0 mmHg gegenüber der Positionierung auf dem Tisch. Ein frei hängender Arm steigerte den systolischen Wert sogar um 6,5 mmHg und den diastolischen um 4,4 mmHg.
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Fehlerquellen und Geräteeinsatz
Die American Heart Association nennt neben dem Sprechen, unzureichender Ruhe und mangelnder Armstützung weitere kritische Fehlerquellen. Dazu gehört insbesondere die falsche Manschettengröße: Eine zu kleine Manschette überschätzt den Blutdruck, während eine zu große ihn unterschätzt.
Das Anlegen muss zwingend auf dem nackten Oberarm erfolgen, niemals über der Kleidung. Die Manschette sollte luftleer und mit der Mitte über der Arteria brachialis rund zwei Zentimeter über der Ellenbeuge platziert werden.
Bei der Erstmessung empfehlen klinische Anleitungen, an beiden Armen zu messen und künftig den Arm mit dem höheren Wert heranzuziehen. Grundsätzlich sind zwei Messungen im Abstand von mindestens einer Minute (die CDC nennt ein bis zwei Minuten) durchzuführen, aus denen der Mittelwert gebildet wird.
Erreicht der Blutdruck Werte ab 180/120 mmHg, rät die American Heart Association zu einer sofortigen ärztlichen Abklärung; bei zusätzlichen Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder neurologischen Symptomen handelt es sich um einen Notfall.
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Standardisierung nach internationalen Leitlinien
Für die Langzeitbeobachtung empfiehlt NHS England das Führen eines Blutdrucktagebuchs mit Messungen am Morgen und am Abend über einen vom Arzt festgelegten Zeitraum sowie die Nutzung validierter Geräte der British and Irish Hypertension Society.
Die Leitlinien 2026 der International Society of Hypertension (ISH), vorgestellt beim ISH-Kongress in Dubai und publiziert im Journal of Hypertension, heben die standardisierte Heimblutdruckmessung über sieben Tage (mit mindestens drei Tagen und insgesamt zwölf Messungen) als optimale Diagnosemethode hervor. Die ISH definiert dabei eine Diagnosegrenze ab 140/90 mmHg.
In der Versorgung unterscheidet die Fachgesellschaft zwischen einer essenziellen Versorgung mit dem Zielwert 140/90 mmHg für alle Patienten und einer optimalen Versorgung mit einem Ziel von unter 130/80 mmHg. Manschettenlose Geräte sieht die Fachgesellschaft derzeit lediglich als Screening-Werkzeug, nicht jedoch als Basis für klinische Behandlungsentscheidungen.
