Blutdruck messen: Die 722-Methode liefert nach sieben Tagen verlässlichere Werte
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Messung des Blutdrucks in der Arztpraxis kommt es regelmäßig zu verfälschten Werten. Fachleute am Taipei Veterans General Hospital weisen darauf hin, dass der sogenannte Weißkitteleffekt erklärt, warum Messwerte im Behandlungszimmer häufig spürbar höher ausfallen als im heimischen Alltag.
Ein typisches Muster zeigt sich etwa bei Praxiswerten von 140 mmHg, während zu Hause zeitgleich Werte zwischen 120 und 130 mmHg vorliegen. Hauptursache für diese Differenz ist eine unbewusste Anspannung in medizinischer Umgebung.
Auch bei der Heimmessung kann bereits die erste Erfassung durch anfängliche Aufregung, eine fehlende Ruhezeit, eine gefüllte Blase oder eine falsche Sitzhaltung überhöht sein. Aus diesem Grund raten Experten dazu, vor jeder Messung eine fünfminütige Ruhepause einzuhalten und mehrere aufeinanderfolgende Messungen durchzuführen.
Strukturierte Heimkontrolle mit der 722-Methode
Eine Hypertonie-Diagnose darf nach Angaben von Medizinern am Taipei Veterans General Hospital keinesfalls anhand einer einzigen Momentaufnahme gestellt werden. Zur Absicherung wird die sogenannte 722-Methode empfohlen: Betroffene messen sieben Tage lang jeweils zweimal am Morgen und zweimal am Abend ihren Blutdruck und ermitteln aus diesen Werten einen Mittelwert.
Ergibt sich dabei ein häuslicher Mittelwert von mindestens 130/80 mmHg, ist eine weitergehende Abklärung durch Fachpersonal geboten. Bei Patienten mit geringem Risikoprofil werden zunächst dreimonatige Lebensstiländerungen bezüglich Ernährung und Bewegung empfohlen, bevor über eine medikamentöse Therapie entschieden wird.
Eine strengere Überwachung gilt hingegen für Risikogruppen mit Diabetes, koronarer Herzkrankheit, chronischer Nierenerkrankung oder einer früheren Schwangerschaftshypertonie.
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Spricht der Blutdruck trotz zweier oder mehr Antihypertensiva nicht ausreichend an, müssen weitere Auslöser wie Salzkonsum, hormonelle Ursachen, eine Überaktivität des Sympathikus oder Schlafapnoe abgeklärt werden; eine renale Denervation kommt nach sorgfältiger Prüfung in Betracht.
Zudem sollte der Ruhepuls bei gesunden Erwachsenen zwischen 50 und 80 Schlägen pro Minute liegen; Werte unter 50 bei älteren Personen erfordern bei auftretenden Symptomen eine Untersuchung.
Maskierte Hypertonie und häufige Anwendungsfehler
Die American Heart Association betont die Wichtigkeit, den Weißkitteleffekt klar von der sogenannten maskierten Hypertonie zu unterscheiden. Bei Letzterer liegen in der Praxis unauffällige Werte vor, während der Blutdruck im täglichen Umfeld dauerhaft erhöht ist.
Einzelne Extremwerte besitzen nach Einschätzung der Organisation wenig Aussagekraft; erst standardisierte Messreihen verdeutlichen, ob eine Veränderung temporär oder anhaltend ist. Medikamente dürfen keinesfalls aufgrund einzelner Abweichungen eigenmächtig abgesetzt oder dosiert werden.
Verfälschte Ergebnisse entstehen in der Praxis wie zu Hause häufig durch technische Anwendungsfehler: Eine zu kleine Manschette lässt die Messwerte künstlich ansteigen, während eine zu große Manschette zu niedrige Werte anzeigt.
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Weitere typische Fehlerquellen sind das Sprechen während des Messvorgangs, überkreuzte Beine oder ein nicht auf Herzhöhe gestützter Arm. Liegen sehr hohe Messwerte zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot oder neurologischen Ausfällen vor, handelt es sich um einen akuten medizinischen Notfall.
Richtwerte und weltweite Verbreitung
Nach europäischen Richtlinien gilt bei der Heimmessung ein 7-Tage-Mittelwert ab 135 mmHg systolisch oder 85 mmHg diastolisch als Anlass zur ärztlichen Abklärung. In der Arztpraxis greift die formale Hypertonie-Schwelle erst ab 140/90 mmHg; dieser Unterschied trägt dem Weißkitteleffekt direkt Rechnung.
Zu Beginn einer systematischen Blutdrucküberwachung empfiehlt sich eine Messung an beiden Armen, da der rechte Arm häufig systolisch 10 bis 20 mmHg höher liegt. Für spätere Protokolle sollte jeweils der Arm mit dem höheren Ausgangswert genutzt werden.
Die Relevanz präziser Messverfahren ist global hoch: Nach Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben weltweit rund 1,28 Milliarden Erwachsene im Alter von 30 bis 79 Jahren mit Hypertonie, wobei etwa die Hälfte der Betroffenen keine Kenntnis von der eigenen Erkrankung hat. Für die häusliche Überwachung raten Fachärzte zu validierten Oberarmgeräten, während Handgelenkgeräte eine höhere Anfälligkeit für Messungenauigkeiten aufweisen.
