Blutdruck, Winter

Blutdruck im Winter: Herz-Kreislauf-Risiko liegt rund 41 Prozent höher

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sinkende Temperaturen können den Blutdruck erhöhen; Fachgesellschaften empfehlen Schutz vor Kälte und regelmäßige Messungen.
Mit Raureif bedeckte herbstliche Wiese in einer nebligen Morgenstimmung. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Rückgang der Temperaturen im Herbst warnen medizinische Experten vor einer veränderten Belastung des Herz-Kreislauf-Systems. Wenn das Thermometer fällt, reagiert der menschliche Organismus mit einer Verengung der Blutgefäße. Dieser physiologische Prozess kann zu einem deutlichen und oft unbemerkten Anstieg des Blutdrucks führen.

Da die Hypertonie in vielen Fällen ohne spürbare Symptome verläuft, gilt der Herbst in der Kardiologie als ausgesprochene Hochrisikozeit für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Physiologische Mechanismen hinter dem Kältereiz

Der Zusammenhang zwischen sinkenden Temperaturen und steigenden Blutdruckwerten ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Untersuchungen zeigen, dass der systolische Blutdruck pro Temperaturabfall von 1 °C um etwa 1,3 mmHg ansteigt.

Niedrige Temperaturen aktivieren das sympathische Nervensystem, was zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin führt. In der Folge ziehen sich die peripheren Gefäße zusammen, und die Herzfrequenz erhöht sich.

Zudem kann Kälte das Blut dickflüssiger machen, insbesondere wenn durch vermindertes Durstgefühl ein Flüssigkeitsmangel entsteht. Bei extremen Witterungswechseln sind starke Schwankungen möglich: Werte können sich beispielsweise von 120/80 mmHg in den Sommermonaten auf 150 bis 180 mmHg im Winter erhöhen.

Nach Angaben von Fachärzten können tägliche Temperaturschwankungen von über 10 °C nicht nur Kopf- und Gelenkschmerzen auslösen, sondern durch abrupte Blutdrucksprünge auch das Ablösen von Gefäßablagerungen begünstigen, was die Entstehung von Thrombosen fördernurt.

Höheres Sterblichkeitsrisiko und kritische Morgenstunden

Die gesundheitlichen Folgen des saisonalen Blutdruckanstiegs sind gravierend. Einer Studie zufolge steigt bei Herz-Kreislauf-Patienten das Risiko für einen kardiovaskulären Tod um rund 21 Prozent pro Anstieg des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg.

Insgesamt liege das Risiko im Winter um etwa 41 Prozent höher als im Sommer. Auch die Japanische Hypertonie-Gesellschaft stuft die kalte Jahreszeit als Phase des höchsten kardiovaskulären Risikos ein; ältere Patienten tragen demnach ein etwa doppelt so hohes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

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Als besonders kritisch gilt das sogenannte morgendliche Blutdruck-Phänomen zwischen 4 und 8 Uhr, bei dem die Werte steil nach oben schnellen. Gefährlich sind zudem starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht oder zwischen geheizten Innenräumen und der Außenluft.

Warnzeichen und Verhaltensregeln zur Prävention

Mediziner raten dringend davon ab, erhöhte Blutdruckwerte einfach auszusitzen oder eigenmächtig Medikamente von Angehörigen einzunehmen. Auch von sogenannten Gefäßspül-Infusionen, die sich als wirkungslos erwiesen haben, oder intensivem Kältetraining wird abgeraten.

Vorboten ernster Komplikationen wie einer Hirnblutung oder eines Hirninfarkts können Schwindel, anhaltende Müdigkeit, starke Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Brustenge oder ein Kribbeln sein. Bei Frauen und Personen mit Diabetes äußern sich Notfälle häufiger durch untypische Beschwerden wie extreme Erschöpfung und Atemnot ohne Schmerz.

Um kardiovaskulären Zwischenfällen vorzubeugen, empfehlen Fachgesellschaften wie die europäische und japanische Hypertonie-Gesellschaft klare Verhaltensregeln:
- Temperatur und Kleidung: Wohnräume sollten auf mindestens 18 Grad beheizt werden, idealerweise zwischen 18 und 22 Grad.

Bei Kälte empfiehlt es sich, insbesondere Nacken, Brust und Füße warmzuhalten.
- Morgenroutine: Nicht abrupt aus dem Bett aufstehen, sondern sich zunächst im Bett bewegen, etwas anziehen und rund drei Minuten verstreichen lassen.

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Blutdruckmessungen sollten morgens innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufwachen, nach dem Toilettengang und nach fünfminütiger Ruhe im Sitzen erfolgen.
- Körperliche Aktivität: Sportliche Einheiten sollten im Freien erst nach Sonnenaufgang beziehungsweise nach 10 Uhr verlegt werden.

Plötzliche Spitzenbelastungen bei Kälte, etwa das Tragen schwerer Lasten, sind zu meiden.
- Ernährung: Täglich sechs bis acht Gläser Wasser trinken, den Salzkonsum auf unter 6 Gramm pro Tag begrenzen sowie vermehrt Kalium und Omega-3-Fettsäuren konsumieren. Dagegen birgt fettreiche Kost das Risiko zusätzlicher Gefäßbelastungen.
- Therapietreue: Verordnete Antihypertensiva müssen strikt und regelmäßig nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden. Dosisanpassungen dürfen keinesfalls in Eigenregie erfolgen.

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