Blutdruck im Winter: 722-Schema zeigt, wie Betroffene richtig messen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 07:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit sinkenden Außentemperaturen im Herbst und Winter weisen Mediziner und Fachgesellschaften verstärkt auf das Risiko saisonaler Blutdruckschwankungen hin. Niedrigere Temperaturen können zu einem spürbaren Anstieg der Werte führen und kardiovaskuläre sowie zerebrovaskuläre Ereignisse begünstigen.
Fachleute mahnen Betroffene daher zu einer strukturierten häuslichen Überwachung und warnen eindringlich davor, verordnete Medikamente ohne ärztliche Rücksprache eigenmächtig anzupassen.
Physiologische Reaktionen auf Kälte und Temperaturwechsel
Niedrige Temperaturen verengen die peripheren Blutgefäße und regen das sympathische Nervensystem an. In der Folge können sowohl der systolische als auch der diastolische Blutdruck steigen. Epidemiologische Untersuchungen belegen in den kälteren Monaten regelmäßig höhere mittlere systolische Werte als im Sommer.
Nach Angaben der Mayo Clinic kann bereits der plötzliche Schritt in kalte Morgenluft einen raschen Druckanstieg bewirken, während Wärme die Gefäße wieder entspannt und die Werte senkt. Eine Analyse für England und Wales zeigt zudem, dass das kurzfristige Herzinfarktrisiko bereits pro einem Grad Celsius Rückgang der Tagesmitteltemperatur zunimmt.
Als besonders kälteempfindlich gelten Menschen ab einem Alter von 65 Jahren sowie Personen mit Vorerkrankungen wie Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen oder nach einem Schlaganfall. Verstärkt wird dieser Effekt in der kalten Jahreszeit häufig durch verringerte Bewegung, Gewichtszunahme, salzreichere Mahlzeiten sowie Schlafmangel infolge kürzerer Tage.
Strukturierte Vorgaben für die häusliche Blutdruckmessung
Ein einzelner Messwert besitzt nur eine begrenzte Aussagekraft, da er durch Faktoren wie Nervosität, Schmerzen, Kaffeekonsum, körperliche Aktivität oder Messfehler verfälscht werden kann.
Mediziner betonen daher, dass auf Basis einzelner Ausreißer keinesfalls Dosierungen verändert oder Präparate abgesetzt werden dürfen. Laut europäischen Leitlinien gilt bei der Heimmessung ein mittlerer Wert von mindestens 135/85 mmHg als Schwellenwert für die Diagnose einer Hypertonie.
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Für die Heimmessung empfehlen Experten standardisierte Abläufe wie das sogenannte „722“-Schema: Über sieben Tage hinweg wird jeweils morgens und abends gemessen, wobei pro Zeitpunkt zwei Messungen durchgeführt und protokolliert werden. Bei stabilem Verlauf genügt alternativ eine Überwachung an zwei bis drei Tagen pro Woche.
Die Messung erfolgt morgens nach dem Aufstehen vor der Einnahme von Medikamenten sowie abends vor dem Schlafengehen. Vor Beginn sollten Patienten fünf Minuten ruhig sitzen und darauf achten, dass sich der Arm auf Herzhöhe befindet. Zwischen zwei bis drei Messungen wird ein Abstand von ein bis zwei Minuten empfohlen, aus denen anschließend der Mittelwert gebildet wird.
Empfehlungen zu Lebensstil und Warnsignalen
Neben einer verlässlichen Messroutine raten Fachleute zu Anpassungen der Lebensgewohnheiten. Die tägliche Salzaufnahme sollte höchstens fünf Gramm betragen, wobei insbesondere auf verstecktes Natrium in Fertigsaucen geachtet werden sollte.
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Sportliche Betätigung sollte bevorzugt drinnen oder nach 10 Uhr morgens beziehungsweise nachmittags stattfinden, idealerweise drei- bis fünfmal pro Woche für jeweils etwa 30 Minuten. Zudem sollten sich Betroffene warm kleiden und sich vor schwerer körperlicher Arbeit im Innenbereich aufwärmen.
Sollten die gemessenen Werte 180/120 mmHg erreichen oder überschreiten, ist nach einer Kontrollmessung umgehend medizinisches Personal zu kontaktieren.
Treten akute Warnsymptome wie anhaltende starke Brustschmerzen, Atemnot, kalter Schweiß, Ohnmacht, plötzliche Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen auf, muss unverzüglich der Rettungsdienst über den Notruf 112 oder 999 gerufen werden. Ältere Patienten sollten eine verordnete Therapie keinesfalls eigenmächtig ändern oder beenden.
