Biologisches Altern: Generation 1990er altert 92% schneller
23.06.2026 - 20:03:46 | boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt: Besonders Darmkrebs nimmt bei den unter 40-Jährigen rasant zu. Gleichzeitig altern jüngere Generationen biologisch schneller.
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Darmkrebs: Bis zu 3,9 Prozent mehr Fälle pro Jahr
Eine am 23. Juni im International Journal of Cancer veröffentlichte Studie belegt den Trend. Forscher werteten Daten von 2003 bis 2023 aus – sie decken rund 46 Prozent der deutschen Bevölkerung ab. Insgesamt identifizierten sie 27.568 Krebsfälle bei 20- bis 49-Jährigen.
Besonders krass ist die Entwicklung bei den 20- bis 29-Jährigen. Bei Männern steigen die Neuerkrankungen jährlich um 3,3 Prozent, bei Frauen sogar um 3,9 Prozent. In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen fällt der Zuwachs mit 2,2 Prozent (Männer) und 2,0 Prozent (Frauen) etwas geringer aus. Über alle 20- bis 39-Jährigen hinweg liegt das Plus bei knapp einem Prozent pro Jahr.
Trotz des Anstiegs bleibt das Niveau in Deutschland deutlich unter dem der USA, betont das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Da nur rund fünf Prozent aller Darmkrebs-Neudiagnosen auf unter 50-Jährige entfallen, empfehlen Experten derzeit keine Senkung des gesetzlichen Screening-Alters von 50 Jahren. Die Sterblichkeit in der jungen Gruppe blieb zudem stabil.
Biologisches Altern: Jüngere Generationen werden schneller alt
Eine mögliche Erklärung liefert eine Studie vom 22. Juni in Nature Medicine. Forscher der Washington University untersuchten das beschleunigte biologische Altern – das systemische Alter des Körpers liegt dabei über dem chronologischen Alter.
Die Ergebnisse sind alarmierend: In Großbritannien altern Menschen der Geburtsjahrgänge 1965 bis 1974 biologisch 23 Prozent schneller als die Generation 1950 bis 1954. In den USA ist der Effekt noch extremer. Dort liegt das biologische Altern der zwischen 1990 und 1999 Geborenen um 92 Prozent höher als bei der Generation 1965 bis 1969.
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Dieses beschleunigte Altern erhöht das Risiko für frühe solide Tumore um 8 bis 15 Prozent – besonders betroffen sind Lunge, Magen-Darm-Trakt und Gebärmutter. Die Alterung des Immunsystems begünstigt vor allem Lungenkrebs, während die Alterung des Fettgewebes eng mit Darmkrebs zusammenhängt.
Lebensstil und Geburtsfaktoren: Adipositas und das Alter der Väter
Als Hauptursache für die steigenden Fallzahlen gilt Übergewicht. Doch eine Untersuchung der Yale University, ebenfalls im Juni 2026 im Fachjournal Cancer veröffentlicht, zeigt: Auch pränatale Faktoren spielen eine Rolle.
Die Analyse von 1.221 Fällen frühzeitigen Darmkrebs in Kalifornien ergab: Ist der Vater bei der Empfängnis 35 Jahre oder älter, steigt das Risiko des Kindes, vor 50 an Darmkrebs zu erkranken, um 56 Prozent. Bei Frauen besteht zudem ein Zusammenhang mit dem Geburtsgewicht: Pro 500 Gramm mehr Gewicht bei der Geburt steigt das spätere Darmkrebsrisiko um zehn Prozent. Männer haben grundsätzlich ein 34 Prozent höheres Risiko für frühe Krebserkrankungen als Frauen.
Deutschland: Schlusslicht bei Krebs-Prävention
Was die politischen Rahmenbedingungen angeht, hat Deutschland Nachholbedarf. Ein Vergleich von 18 Nationen zur Präventionspolitik sieht die Bundesrepublik auf Platz 17. Fachleute betonen: Neben der individuellen Vorsorge wird vor allem die Bekämpfung von Risikofaktoren wie Übergewicht und ungesundem Lebensstil bereits in jungen Jahren immer wichtiger.
