Bewegung und Immunsystem: Studie findet epigenetische Veränderungen in Abwehrzellen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige körperliche Aktivität hinterlässt offenbar tiefe Spuren im Immunsystem – und zwar nicht nur vorübergehend, sondern auf epigenetischer Ebene. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurde, wie technologynetworks.com berichtete. Die Untersuchung liefert neue Hinweise darauf, wie Bewegung Zellen langfristig verändern kann, ohne dass die eigentliche DNA-Sequenz betroffen ist.
Aufbau der Untersuchung
Für die Studie wurden 86 junge, gesunde Erwachsene aus einer chinesischen Kohorte untersucht. Die Teilnehmenden wurden in zwei Gruppen unterteilt: 40 Sportler, die mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver körperlicher Aktivität pro Woche absolvierten, sowie 46 sedentäre Personen ohne entsprechendes Bewegungspensum. Die Forschenden analysierten mehr als 1,3 Millionen Zellen, um Unterschiede zwischen beiden Gruppen sichtbar zu machen.
Veränderte Stoffwechselprofile
Bei den sportlich aktiven Teilnehmenden zeigten sich laut der Studie erhöhte Werte bestimmter Fettverbrennungsmoleküle – konkret O-Adipoylcarnitin und 3-Hydroxybutyrat – sowie ein höherer Gehalt des Antioxidans Betain.
Gleichzeitig wiesen sie niedrigere Triglyceridwerte auf als die sedentäre Vergleichsgruppe. Diese Befunde passen zu der bekannten Rolle von Bewegung im Energiestoffwechsel, liefern aber zusätzlich einen biochemischen Fingerabdruck, der sich mit den beobachteten Immunveränderungen in Verbindung bringen lässt.
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Epigenetische Umprogrammierung der Immunzellen
Der zentrale Befund der Studie betrifft jedoch nicht den Stoffwechsel, sondern die Immunzellen selbst. Monozyten und B-Zellen der sportlichen Probanden zeigten eine erhöhte Chromatin-Zugänglichkeit für antigenpräsentierende Proteins – ein Hinweis darauf, dass diese Zellen effizienter auf Erreger reagieren könnten.
Killer-T-Zellen und natürliche Killerzellen (NK-Zellen) wiesen zudem eine epigenetische Voraktivierung auf, was bedeutet, dass sie im Ruhezustand bereits stärker auf eine schnelle Immunantwort vorbereitet sind.
Parallel dazu war das entzündungsfördernde Zytokin IL-6 bei den Sportlern herunterreguliert – ein Befund, der zur Vorstellung passt, dass regelmäßige Bewegung chronisch-niedrigschwellige Entzündungsprozesse dämpfen kann.
Bedeutung für die Forschung zu Entzündung und Immunfunktion
Diese Kombination aus verbesserter Antigenpräsentation, voraktivierten Abwehrzellen und reduzierter Entzündungssignalgebung deutet darauf hin, dass Sport das Immunsystem nicht nur kurzfristig stimuliert, sondern strukturell so verändert, dass es effizienter und zugleich weniger entzündungsanfällig arbeitet.
Für die Forschung zu chronischen Entzündungserkrankungen könnte dies relevant sein, da IL-6 als einer der zentralen Entzündungsmarker bei zahlreichen Krankheitsbildern gilt.
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Einschränkungen der Studie
Die Autoren weisen selbst auf mehrere Limitationen hin. Die Angaben zum Bewegungsverhalten der Teilnehmenden beruhten auf Selbstauskunft, was Verzerrungen nicht ausschließt.
Zudem wurden ausschließlich junge, nicht-adipöse Erwachsene untersucht, sodass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf ältere Menschen oder Personen mit anderen gesundheitlichen Voraussetzungen übertragen lassen. Hinzu kommt das Querschnittsdesign der Studie: Da die Daten nur zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben wurden, lässt sich keine eindeutige Aussage darüber treffen, ob die beobachteten epigenetischen Unterschiede tatsächlich eine Folge des Sportverhaltens sind oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen. Längsschnittstudien, die Teilnehmende über einen längeren Zeitraum begleiten, wären nötig, um die beobachteten Zusammenhänge kausal einzuordnen.
