Bewegung, Gehirn

Bewegung und Gehirn: WHO-Empfehlungen schützen vor Alzheimer

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 11:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden Freizeitaktivität und Muskelkraft mit geringerem Demenzrisiko sowie längerer Lebenszeit, während berufliche Belastung ungünstig ausfällt.

Bewegung im Alter: Studien zeigen Schutz vor Demenz
Ein friedlicher Waldweg im Herbstlicht, der durch herbstlich gefärbte Bäume führt und zur Bewegung in der Natur einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und medizinische Berichte verdeutlichen die zentrale Rolle von gezielter Bewegung für den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit in der zweiten Lebenshälfte.

Vor dem Hintergrund des weltweiten Welt-Alzheimertags am 21. September heben Fachleute hervor, dass kognitiver Verfall keineswegs ein unabwendbares Schicksal darstellt. Vielmehr zeigen großangelegte Erhebungen und neurologische Befunde, wie stark Lebensstilfaktoren das Risiko neurologischer Erkrankungen senken können.

Gezielte Aktivität reduziert das Demenzrisiko deutlich

In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, zudem werden jährlich rund 357.000 Neuerkrankungen registriert. Eine Auswertung in der Fachzeitschrift Lancet Public Health, die 74 Studien mit insgesamt 4.227.297 Teilnehmenden aus 30 Ländern über einen durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von zehn Jahren analysierte, untermauert das präventive Potenzial körperlicher Betätigung anhand von 64.009 erfassten Demenzfällen.

Dabei ergaben sich jedoch erhebliche Unterschiede je nach Art der Belastung: Während körperliche Aktivität in der Freizeit das Demenzrisiko um 24 Prozent senkte und Hausarbeit mit einer Risikoreduktion um 15 Prozent einherging, war körperliche Belastung im Beruf mit einem um 20 Prozent höheren und Pendeln mit einem um 10 Prozent höheren Demenzrisiko verbunden.

Werden die allgemeinen Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation erfüllt, sinkt das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung um 35 Prozent und das Risiko für vaskuläre Demenz um 38 Prozent.

Strukturelle Veränderungen im Gehirn und neurologische Einordnung

Welche biologischen Mechanismen diesen Effekten zugrunde liegen könnten, untersucht eine im Fachjournal npj Aging veröffentlichte Querschnittsstudie an 353 kognitiv gesunden Erwachsenen im Alter von 60 bis 94 Jahren, darunter 177 Frauen, bei einem Altersdurchschnitt von 72,77 Jahren.

Zwar zeigte sich dort keine direkte Assoziation der Fitness mit der globalen Kognition oder dem episodischen Gedächtnis, doch eine höhere Muskelkapazität ging mit einem geringeren Basalganglien-PVS-Volumen einher. Eine stärkere aerobe Fitness war zudem mit einem größeren Gesamtvolumen der grauen Substanz und einer dickeren Hirnrinde im medialen Temporallappen assoziiert.

Anzeige

Wer sich mit der Vorbeugung von Gedächtnisverlust beschäftigt, sollte neben körperlicher Aktivität auch gezielte geistige Impulse setzen. Dieser kostenlose Ratgeber liefert 11 praktische Alltagsübungen und wertvolle Ernährungstipps, um die mentale Fitness nachhaltig zu fördern. Gehirntraining-Ratgeber kostenlos herunterladen

Zum bevorstehenden Welt-Alzheimertag am 21. September betonte die Neurowissenschaftlerin Prof. Svenja Caspers vom Forschungszentrum Jülich und der Universität Düsseldorf, dass Demenzerkrankungen nicht unvermeidlich seien.

Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen unter anderem Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Rauchen, ein hoher Cholesterinspiegel, soziale Isolation sowie ein Mangel an Bildung und geistiger Aktivität. Durch gezielte Prävention lasse sich der Krankheitsausbruch hinauszögern; angestrebt werde eine datengetriebene Demenzprävention.

Der Neurologe Heinz Wiendl von der Universitätsklinik Freiburg wies anlässlich des Aktionstags darauf hin, dass eine frühe Diagnose neue Optionen für Therapien eröffne. Vergesslichkeit an sich sei im Alter normal. Zur wirksamen Prophylaxe empfahl er die Formel der vier L: Lernen, Laufen, Lachen und Lieben.

Anzeige

Da die geistige Leistungsfähigkeit eng mit unserer Wahrnehmung verknüpft ist, gewinnt die Prävention durch Sinnesschulung zunehmend an Bedeutung. Ein spezialisierter PDF-Report zeigt auf, wie einfache Hör-Übungen für zuhause das Gehirn aktiv halten und das Demenzrisiko senken können. Kostenlosen Report für geistige Fitness anfordern

Bedeutung von Muskelkraft und langfristiger Lebensqualität

Die körperliche Verfassung im Alter ist eng mit der allgemeinen Gesundheit verknüpft. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind weltweit rund 1,9 Milliarden Erwachsene übergewichtig, während der natürliche Muskelabbau bereits um das 30. Lebensjahr einsetzt. Durch sportliche Betätigung und eine proteinreiche Ernährung lässt sich dieser Prozess jedoch verlangsamen oder umkehren.

Dass der Erhalt von Kraftmesswerten auch mit der allgemeinen Lebenserwartung zusammenhängt, belegt eine Studie im Fachjournal JAMA Network Open. Unter 5.472 beobachteten Frauen im Alter von 63 bis 99 Jahren – mit einem Durchschnittsalter von 78,7 Jahren – führte eine um eine Standardabweichung höhere Griffkraft über eine Nachbeobachtungszeit von 8,3 Jahren und 1.964 registrierten Todesfällen zu einer um rund 12 Prozent geringeren Sterblichkeit.

Dieser Effekt blieb auch nach Bereinigung um Faktoren wie Aktivitätsniveau, Sitzzeit, Gehgeschwindigkeit und Entzündungsmarker bestehen. Ähnlich günstige Effekte zeigten sich bei kürzeren Aufstehzeiten vom Stuhl.

Wie eine Masterarbeit von Simone Gritsch an der SRH Fernhochschule im Bereich Prävention und Gesundheitspsychologie herausstellt, sind für Menschen in Altenheimen körperliche Betätigung und soziale Kontakte von herausragender Bedeutung, während für zu Hause lebende Senioren freudvolle Tätigkeiten im Vordergrund stehen.

Seit 1970 ist die Lebenserwartung in Deutschland von 70 auf 81 Jahre gestiegen, womit die Erhaltung von Mobilität und mentaler Frische zunehmend über die Qualität dieser hinzugewonnenen Lebensjahre entscheidet.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70130159 |