Bewegung und Gehirn: 79.551 Teilnehmende zeigen Effekte auf die Psyche
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 06:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neurowissenschaftler untersuchen verstärkt, wie sich chronische Belastungen und mentale Muster auf neuronale Strukturen auswirken und mit welchen Methoden ein gesundes Altern gefördert werden kann. Neben gezielten Entspannungstechniken stehen zunehmend auch körperliche Bewegung und veränderte Wahrnehmungsmuster im Fokus der Forschung.
Bewegung und seelische Gesundheit
Den engen Zusammenhang zwischen Lebensstil und Gehirnfunktion belegen großangelegte wissenschaftliche Auswertungen. Eine Meta-Meta-Analyse der James Cook University, die 63 Reviews mit 1.079 randomisierten kontrollierten Studien und insgesamt 79.551 Teilnehmenden bündelte, zeigte deutliche Effekte von körperlicher Aktivität auf die psychische Gesundheit.
Bei Depressionen ergab sich eine Effektstärke von -0,61, bei Angstzuständen von -0,47. Besonders wirksam zeigte sich Ausdauertraining bei Depressionen mit einer Effektstärke von -0,81.
Die Auswertung der James Cook University verdeutlichte zudem, dass Training in Gruppen stärkere antidepressive Wirkungen entfaltet als Einzeltraining. Während bei Depressionen eine moderate Intensität über Programme von 24 Wochen am effektivsten war, erwiesen sich bei Angstzuständen niedrigere Intensitäten und kürzere Einheiten von bis zu acht Wochen als hilfreich.
Die Forschenden führen die Effekte unter anderem darauf zurück, dass Bewegung Neurotrophine steigert und vor neurotoxischen Schäden schützt, womit die Wirkung an jene von Medikamenten oder Psychotherapie heranreicht.
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Alltagsnahe Methoden gegen Stressbelastung
Um den negativen Folgen von Alltagsstress entgegenzuwirken, setzen Fachleute auf niedrigschwellige Ansätze. Die Neurowissenschaftlerin Barbara Studer betont, dass Forschungswissen für den Alltag anwendbar sein müsse.
Ein wichtiges Instrument sei das bewusste Genießen alltäglicher Momente, im Fachbegriff als Savoring bezeichnet, das zur Entspannung beitragen kann. Zugleich plädiert sie dafür, bestehende Klischees über vermeintliche Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen wissenschaftlich differenziert zu betrachten.
Auch die Stressforschung stützt den Nutzen einfacher Interventionen. Eine frühere Metaanalyse von 45 randomisierten Studien wies nach, dass Meditation den Cortisolspiegel sowie Blutdruck und Herzfrequenz gegenüber Kontrollgruppen senken kann.
Eine kleinere kontrollierte Untersuchung zeigte zudem, dass regelmäßige langsame Zwerchfellatmung das Speichelcortisol verringern kann. Schlafmangel wiederum und die sogenannte HPA-Achse verstärken sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenseitig, während es für spezielle Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel zur Stressregulation an vergleichbaren Belegen fehlt.
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Strukturelle Veränderungen und neue Forschungsansätze
Dass sich das menschliche Gehirn über die Lebensspanne hinweg kontinuierlich anpasst, unterstreicht eine Studie des Amsterdam University Medical Center unter Leitung von Sophie van 't Hof und Elseline Hoekzema.
Anhand von MRT-Aufnahmen von 1.095 Mädchen und Frauen zeigte sich, dass die graue Substanz in der Großhirnrinde während der Pubertät und Schwangerschaft abnimmt, was auf eine feinere und effizientere Abstimmung der neuronalen Netzwerke hindeutet.
Im Übergang zur Menopause blieb das Gehirnvolumen hingegen stabil, was früheren Annahmen widerspricht, während das Volumen vor und nach dieser Phase absank.
Auf der Ebene komplexerer Netzwerkveränderungen liefern auch Untersuchungen zu veränderten Bewusstseinszuständen neue Einsichten. Eine fünfjährige Studie der Monash University unter Erstautor Devon Stoliker mit 62 gesunden Erwachsenen zeigte, dass unter Psilocybin sensorische Regionen an Dominanz verlieren und assoziative Regionen für Vorstellungskraft und Selbstbewusstsein an Einfluss gewinnen.
Die funktionelle Modularität ging zurück, wobei das Default-Mode-Netzwerk eine zentrale Rolle einnahm. Der leitende Autor Adeel Razi hob hervor, dass der äußere Kontext die neuronale Reaktion maßgeblich präge. Die Forschenden sehen in solchen Netzwerkbeobachtungen wichtige Grundlagen, um die Anpassungsfähigkeit und Regenerationsmechanismen des Gehirns besser zu verstehen.

