Berberin, Medikamente

Berberin und Medikamente: Midazolam-Spiegel steigt in einer Studie um 40 Prozent

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Berberin mit niedrigeren HbA1c-Werten, dokumentieren aber auch Magen-Darm-Beschwerden und Arzneimittelinteraktionen.
Gelbe Berberitzenwurzeln und Rindenstücke auf einem steinernen Untergrund. Illustration mit AI erstellt.

Auswertungen von Doppelblindstudien untersuchen die Wirksamkeit des Pflanzenstoffs Berberin zur Senkung des Blutzuckerspiegels bei Typ-2-Diabetes. Während klinische Untersuchungen auf eine Reduktion des Langzeitblutzuckerwerts HbA1c und Verbesserungen der Insulinsensitivität hindeuten, verweisen wissenschaftliche Berichte gleichermaßen auf gastrointestinale Nebenwirkungen sowie relevante Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.

Klinische Studien zur Senkung des Langzeitblutzuckers

In der placebokontrollierten PREMOTE-Studie, die an 20 Krankenhäusern in China mit 409 Erwachsenen mit neu aufgetretenem Typ-2-Diabetes über einen Zeitraum von zwölf Wochen durchgeführt wurde, zeigte sich ein messbarer Effekt auf den Blutzuckerspiegel. Die Teilnehmenden erhielten entweder zweimal täglich 0,6 g vor den Mahlzeiten oder dreimal täglich 0,5 g des Wirkstoffs.

In der Berberin-Gruppe sank der HbA1c-Wert um 0,99 Prozentpunkte auf einen Endwert von 6,71 %, während die Placebo-Gruppe einen Rückgang um 0,59 Prozentpunkte auf 7,23 % verzeichnete. Dies entsprach einer Differenz von 0,40 Prozentpunkten zugunsten der Behandlungsgruppe.

Eine kleinere, offene Vergleichsstudie aus Shanghai aus dem Jahr 2008 mit 36 randomisierten und 31 abschließenden Teilnehmern über 13 Wochen untersuchte Berberin im direkten Vergleich zum Standardmedikament Metformin. Dabei sank der HbA1c-Wert in der Berberin-Gruppe von 9,47 % auf 7,48 %, während in der Metformin-Gruppe ein Rückgang von 9,15 % auf 7,72 % beobachtet wurde.

Eine umfassendere Metaanalyse aus dem Jahr 2023, die 20 placebokontrollierte Studien mit 1.761 Personen umfasste, bestätigte den Trend: In den sieben Studien mit HbA1c-Messung und insgesamt 756 Probanden wurde ein Rückgang um 4,48 mmol/mol festgestellt, was etwa 0,4 Prozentpunkten entspricht.

Untersuchungen zu Wirkstoffderivaten und Gewichtsreduktion

Neben reinem Berberin stehen auch Weiterentwicklungen im Fokus klinischer Prüfungen. In einer US-Studie an zwölf Leberkliniken mit 100 Patienten mit Typ-2-Diabetes und Fettleber, von denen 94 bereits eine Diabetesmedikation erhielten, wurde der Wirkstoffkandidat HTD1801 über 18 Wochen getestet. Das Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren.

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In der hohen Dosisgruppe sank der HbA1c-Wert um 0,6 Prozentpunkte, während in der Placebo-Gruppe ein Anstieg um 0,1 Prozentpunkte registriert wurde (Differenz 0,5). Zudem verringerte sich der Leberfettanteil um 4,8 Prozentpunkte gegenüber 2,0 Prozentpunkten unter Placebo, begleitet von einem Gewichtsverlust von 3,5 kg gegenüber 1,1 kg.

Eine chinesische Phase-III-Studie zu HTD1801 mit 407 Personen über 24 Wochen wies einen HbA1c-Rückgang von 1,3 Prozentpunkten in der Behandlungsgruppe gegenüber 0,6 Prozentpunkten in der Placebo-Gruppe aus.

Hinsichtlich einer reinen Gewichtsreduktion fällt die Evidenz zu Standard-Berberin jedoch uneinheitlich aus. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 über 23 Studien ermittelte eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von lediglich 0,88 kg.

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In der BRAVO-Studie in China, an der elf Krankenhäuser und 337 Erwachsene mit Adipositas und Fettleber ohne Diabetes über sechs Monate teilnahmen, verzeichnete die Berberin-Gruppe eine Abnahme von 1,8 kg und die Placebo-Gruppe von 1,9 kg, womit kein signifikanter Unterschied bestand.

Begleitwirkungen und Risiken durch Wechselwirkungen

Trotz der blutzuckersenkenden Effekte und Hinweisen auf günstige Einflüsse auf Fettstoffwechselmarker wie LDL-Cholesterin und Triglyceride birgt die Einnahme Risiken. In der Shanghai-Studie traten bei 34,5 % der Probanden gastrointestinale Beschwerden auf, woraufhin 24 % die Dosis reduzierten. In der US-Studie zu HTD1801 klagten 26 % der Patienten in der Hochdosisgruppe über Diarrhö.

Zudem hemmt das Alkaloid körpereigene Leberenzyme, was zu signifikanten Interaktionen führen kann. In einer Untersuchung mit gesunden Männern, die über zwei Wochen dreimal täglich 300 mg einnahmen, stieg der Blutspiegel des Arzneistoffs Midazolam um 40 %. Vor dem Hintergrund der uneinheitlichen Evidenzqualität raten Fachleute vor einer Einnahme zu einer ärztlichen Konsultation.

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de | wissenschaft | 70345309 |