Berberin, Medikamente

Berberin und Medikamente: Drei Leberenzyme können gehemmt werden

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei MASLD fehlen Belege für Entgiftungskuren; Präparate können Therapien beeinträchtigen und Leberschäden oder Wechselwirkungen verursachen.
Ein heller, minimalistischer medizinischer Untersuchungsraum mit einem leeren Edelstahltablett in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die stoffwechselbedingte Fettlebererkrankung (MASLD) gehört weltweit zu den häufigsten Leberdiagnosen. Parallel dazu greifen viele Betroffene zu frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln oder pflanzlichen Extrakten, um das Organ vermeintlich zu entgiften.

Fachmediziner warnen jedoch vor unkontrollierter Selbstmedikation: Pflanzliche Wirkstoffe bieten selten verlässliche Heilerfolge und können die gezielte Therapie im Einzelfall sogar untergraben oder Leberschäden begünstigen.

Risiken von Kurkumin und unkontrollierter Selbstbehandlung

Auslöser der aktuellen fachlichen Diskussion ist unter anderem eine Warnung von Dr. Irsan Hasan von der Fachgesellschaft PPHI am Eka Hospital MT Haryono in Jakarta. Der Mediziner wies Ende Oktober 2026 in einem Medieninterview darauf hin, dass Patienten mit einer Fettleber keine pflanzlichen Mittel ohne vorherige ärztliche Rücksprache einnehmen sollten.

Zwar zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass Kurkumin den Leberwert SGPT verbessern kann, die ideale Dosierung ist bislang jedoch unklar und Belege für eine Reduktion der Leberfibrose reichen nicht aus.

Bei Patienten mit erhöhten SGPT-Werten rät Dr. Hasan ausdrücklich von Kurkumin ab. Der Wirkstoff regt den Appetit an und wirkt damit dem primären Behandlungsziel entgegen, das in einer Kalorienrestriktion und Gewichtsabnahme besteht. Eine MASLD liegt vor, sobald der Fettanteil 5 bis 10 Prozent des Lebergewichts übersteigt. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, drohen chronische Entzündungen, Fibrose und lebensgefährliche Verläufe.

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Fehlende Leitlinien-Empfehlungen für Mariendistel und Kuren

Auch europäische Leberexperten sehen den Nutzen pflanzlicher Präparate skeptisch. Hepatologe Dr. Ivo Graziadei vom LKH Hall (tirol kliniken) betonte in einem Beitrag, dass Mariendistel und andere pflanzliche Präparate in aktuellen Therapieempfehlungen nicht empfohlen werden. Für sogenannte Entgiftungskuren gebe es keinerlei wissenschaftliche Belege.

Laut Graziadei ist die stoffwechselbedingte Fettleber MASLD – begünstigt durch Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselstörungen – die häufigste Ursache von Lebererkrankungen und tritt als „lean MASLD“ auch bei Normalgewichtigen auf.

Alkohol sei nur bei etwa einem Drittel der Erkrankungen die Hauptursache. Maßgeblich für die Genesung sei der Lebensstil: Bereits eine Gewichtsreduktion von rund 5 Prozent senkt das Leberfett, mehr als 7 Prozent verbessern Leberentzündung und Vernarbung.

Eine randomisierte kontrollierte Studie von Wah Kheong et al. aus dem Jahr 2017 an 99 Patienten mit nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH) über 48 Wochen mit täglich dreimal 700 Milligramm Silimarin zeigte ebenfalls keinen signifikanten Unterschied im Krankheitsscore gegenüber Placebo, wenngleich sich Hinweise auf eine Verbesserung der Fibrose ergaben. Die US-Behörde NCCIH hält die Evidenz für Mariendistel bei Leberleiden für unzureichend; die Basistherapie bleibe Gewichtsmanagement und Bewegung.

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Toxische Leberschäden und medikamentöse Wechselwirkungen

Dass Kräutermischungen nicht risikofrei sind, betonen weitere Fachärzte. Die Gastroenterologin und Hepatologin Sizim Imankulova berichtete bei Radio Sputnik Kyrgyzstan von Patienten mit toxischer Hepatitis nach der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Kräutern, insbesondere im Zusammenhang mit raschem Abnehmen.

Während Arzneimittel streng geprüft seien, fehle es bei vielen Kräuterkombinationen an Nachweisen für Wirksamkeit und Sicherheit; zudem bestünden Gefahren durch Überdosierung oder falsche Mischungen.

Zusätzlich bergen pflanzliche Substanzen Risiken durch Wechselwirkungen. So hemmt etwa Berberin laut Daten der NIH-LiverTox-Datenbank die Leberenzyme CYP3A4, CYP2D6 und CYP2C9, über die 60 bis 70 Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente abgebaut werden, was insbesondere bei Statinen wie Simvastatin und Lovastatin zu Komplikationen führen kann. Fachleute mahnen daher bei bestehenden Leberleiden zur Abklärung vor jeder Einnahme.

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