Bauchfett, Herz-Risiko

Bauchfett: 15–50% höheres Herz-Risiko trotz Normalgewicht

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viszerales Fett erhöht Herz-Kreislauf-Risiko selbst bei normalem BMI. Experten fordern ganzheitliche Prävention und neue Messmethoden.

Bauchfett-Gefahr: Neue Studien zeigen Risiken auch bei Normalgewicht
Eine Person praktiziert morgens Yoga in einem hellen Wohnzimmer, um einen gesunden Lebensstil zu symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die gesundheitlichen Risiken von Bauchfett rücken zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung und Präventionsarbeit. Aktuelle Veröffentlichungen und Studien aus dem August 2026 unterstreichen, dass die Fettverteilung im Körper eine entscheidende Rolle für das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt, unabhängig vom klassischen Body-Mass-Index (BMI). Experten plädieren für ganzheitliche Ansätze, die über einfache Kalorienrestriktion hinausgehen.

Ganzheitliche Konzepte zur Reduktion von Bauchfett

Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport, hat in seinem im August 2026 thematisierten Werk „Anti-Bauchfett-Formel“ fünf zentrale Säulen identifiziert, um viszerales Fett effektiv zu bekämpfen.

Der Präventionsexperte empfiehlt eine umfassende Ernährungsumstellung, die insbesondere auf die Reduktion von Zucker und raffinierten Kohlenhydraten setzt. Stattdessen sollten proteinreiche Lebensmittel und gesunde Fette bevorzugt werden.

Neben der Ernährung stellt regelmäßige Bewegung einen wesentlichen Faktor dar. Froböse rät zu einer Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining sowie hochintensivem Intervalltraining (HIIT).

Ergänzt wird dieses Programm durch aktives Stressmanagement, etwa durch Meditation, Yoga und ausreichend Schlaf. Ein weitgehender Verzicht auf Alkohol sowie die Abkehr von kurzfristigen Diäten zugunsten langfristiger Lebensstiländerungen seien für einen dauerhaften Erfolg unerlässlich.

Die Bedeutung von Krafttraining und Energiebilanz

Ergänzend zu diesen Ansätzen weisen Fitness-Fachleute wie die Coachin Jessica Bock darauf hin, dass reines Ausdauertraining für die gezielte Körperformung oft nicht ausreicht. Krafttraining sei essenziell, um den Energieverbrauch im Ruhezustand zu erhöhen. Ein häufiger Fehler sei zudem eine zu geringe Nahrungsaufnahme, die den Muskelaufbau bremsen könne.

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Bock betont, dass die Sorge vor einer übermäßigen Muskulatur unbegründet sei und der Aufbau von Muskelmasse auch im höheren Lebensalter erfolgreich umgesetzt werden könne. Dabei gelte die Waage nur bedingt als Indikator für Gesundheit oder Fitness, da sie die Körperzusammensetzung nicht abbilde.

Diese Einschätzung teilen auch Mediziner des Provinz-Krankenhauses Fujian. Sie betonen, dass die Kontrolle der Ernährung für die Gewichtsabnahme eine wichtigere Rolle spiele als Bewegung allein. Als Zielmarke für einen sicheren Gewichtsverlust nennen die Ärzte eine Reduktion von einem bis vier Kilogramm pro Monat.

Medizinische Risiken bei Normalgewicht

Die klinische Relevanz von Bauchfett wird durch eine großangelegte Langzeitstudie mit 259.000 Erwachsenen untermauert, die über einen Zeitraum von durchschnittlich 20 Jahren beobachtet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass ein erhöhter Anteil an Bauchfett das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern signifikant steigert – selbst wenn der BMI im Normalbereich liegt.

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Laut der Untersuchung wiesen fünf Prozent der Probanden mit Normalgewicht einen erhöhten Bauchumfang auf, während 18 Prozent ein erhöhtes Taille-Hüft-Verhältnis zeigten. Bei diesen Personen wurde ein um 15 bis 50 Prozent höheres Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeit festgestellt.

Professor Ulf Landmesser von der Charité Berlin empfiehlt daher, in der medizinischen Praxis neben dem BMI grundsätzlich auch den Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis zu messen, um das gesundheitliche Risiko präziser einschätzen zu können.

Biochemische Marker und viszerales Fett

Ein tieferes Verständnis der Prozesse im Körper liefert eine Studie der Harvard Medical School mit 196 Teilnehmern. Die Forscher stellten fest, dass die Konzentration des Retinol-bindenden Proteins (RBP4) im Blut eng mit der Menge an viszeralem Fett und einer bestehenden Insulinresistenz korreliert.

Den Ergebnissen zufolge ist die RBP4-Konzentration in viszeralem Fettgewebe höher als im subkutanen Fett unter der Haut. Ein erhöhter RBP4-Spiegel kann somit als Indikator für einen hohen Anteil an tiefsitzendem Bauchfett dienen.

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