Barrierefreies, Wohnen

Barrierefreies Wohnen: GdW beziffert Fehlbedarf auf 2,5 Millionen Wohnungen

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsprojekte erproben ressourcenschonende Bauweisen, während Verbände mehr barrierefreie Wohnungen und verlässliche Fördermittel verlangen.

Barrierefreies Bauen und nachhaltige Architektur im demografischen Wandel
Ein minimalistischer Holzbau in der Entstehungsphase, der die Struktur aus nachhaltigen Materialien und architektonische Details zeigt. Illustration mit AI erstellt.

In der aktuellen Fachdebatte gewinnen Architektur- und Designansätze an Bedeutung, die gezielt auf die Lebensqualität und die Anforderungen einer alternden Gesellschaft ausgerichtet sind. Verschiedene Foren und Projekte beleuchten derzeit, wie durch Bestandstransformation, ökologische Materialien und innovative Bautechniken Räume geschaffen werden können, die sowohl ökologische Nachhaltigkeit als auch langfristige soziale Teilhabe sichern.

Forschung und innovative Materialsysteme

Ein zentraler Baustein für langlebige Baukonzepte ist die Entwicklung ressourcenschonender Materialien. Die Forschungsplattform NextBauBW startete am 25. September 2026 erste Projekte, um die Kompetenzen von rund 40 Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg zu bündeln. Geplant sind Experimentalplattformen an der Universität Stuttgart und am KIT, die Sanierungs- und Umnutzungsverfahren in ungenutzten Bestandsgebäuden erproben.

Parallel dazu lieferte die Universität Stuttgart im Jahr 2026 Testergebnisse für den Demonstrator „UniversalTimberSlab“. Diese punktgestützte Holz-Beton-Verbunddecke konnte bei einer Höhe von 36 Zentimetern mit 20 Tonnen belastet werden, wobei die maximale Verformung bei 12 Millimetern lag.

Das System benötigt laut den Forschenden rund zwei Drittel weniger Stahlbeton als herkömmliche Decken und spart bis zu 70 Zentimeter Konstruktionshöhe ein. Ein Pilotprojekt in Oberkochen mit 1.400 Quadratmetern Fläche befindet sich bereits in Vorbereitung.

Auch additive Fertigungsverfahren erreichen die Praxisreife. Das Unternehmen WASP schloss 2026 das „Haus Itaca“ in der Emilia-Romagna ab. Das 3D-gedruckte Gebäude nutzt biobasierte Baustoffe und erfüllt laut Herstellerangaben europäische Bauvorschriften sowie Erdbebensicherheitsstandards.

Soziale Infrastruktur und nachhaltiger Quartiersbau

Neben technischen Innovationen rückt die soziale Dimension der Architektur in den Fokus. Die Iconic Awards 2026 zeichneten Projekte aus, die Architektur als soziale Infrastruktur begreifen, wie etwa das Dorfgemeinschaftshaus Flörsbachtal oder der Schiebetürenpavillon in Nuglar-St. Pantaleon. Diese Entwürfe setzen auf lokal angepasste und aneignungsfähige Räume.

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Nach Angaben des GdW fehlen in Deutschland bis zu 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen — und die für 2026 bereitgestellten 50 Millionen Euro im KfW-Programm 455-B waren laut Verbänden bereits Ende Juli ausgeschöpft. Wer seinen Bestand jetzt altersgerecht ertüchtigt, sollte Förderfähigkeit und Umbau-Prioritäten kennen, bevor die nächste Mittelrunde startet. Kostenlosen Förder-Leitfaden für barrierefreien Umbau anfordern

In der Stadtplanung werden vermehrt klimatische Aspekte mit Aufenthaltsqualität verknüpft. Der Architekt Gustav Düsing skizzierte eine Vision für das Jahr 2036, in der Leerstände in Innenstädten durch öffentliche Dachparks und „Middoors“ – klimatische Zwischenzonen – in Begegnungsorte transformiert werden. Ein praktisches Beispiel für großvolumigen Wohnungsbau liefert die GAG in Köln-Neubrück.

Ein Siegerentwurf für rund 750 Wohnungen sieht dort eine sogenannte „Adelheid-Fuge“ vor, die Kaltluft von Grünflächen in das Quartier leiten soll. In Salzburg-Maxglan begann zudem der Bau des Quartiers „4Klang“, das bis März 2028 fertiggestellt werden soll und auf autofreie Oberflächen sowie intensive Begrünung setzt.

Energieeffizienz und die Herausforderung der Barrierefreiheit

Ein wesentlicher Faktor für die langfristige Nutzbarkeit von Gebäuden ist deren energetische Unabhängigkeit. Die Wohnungsgenossenschaft Schwarzenberg plante für den 30. September 2026 die Grundsteinlegung für drei vollelektrische Mehrfamilienhäuser. Diese sollen rund 60 Prozent ihres Energiebedarfs durch Photovoltaikanlagen an Dach und Fassade decken. Ein Pauschalmietmodell soll dabei für zunächst fünf Jahre kalkulierbare Energiekosten von etwa 0,95 Euro pro Quadratmeter ermöglichen.

Trotz dieser Fortschritte weisen Fachverbände auf erhebliche Defizite bei der sozialen Anpassung des Gebäudebestands hin. Sieben Verbände forderten im Jahr 2026 den Neustart des KfW-Programms 455-B, da die bereitgestellten 50 Millionen Euro bereits Ende Juli ausgeschöpft waren.

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Etwa jede siebte Person in Deutschland ist dauerhaft mobilitätseingeschränkt — Tendenz steigend mit dem demografischen Wandel. Für Wohnungsunternehmen wird der barrierefreie Bestand damit zum Vermietungs- und Werterhaltungsfaktor, nicht nur zur Sozialpflicht. Der Leitfaden zeigt, welche Umbauten sich rechnen und welche steuerlichen Erleichterungen ab 2027 gefordert sind. Umbau-Prioritäten jetzt einordnen

Nach Angaben des GdW fehlen in Deutschland bis zu 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen. Da etwa jede siebte Person dauerhaft mobilitätseingeschränkt ist, fordern die Verbände verlässliche Bundesmittel ab 2027 sowie steuerliche Erleichterungen für den altersgerechten Umbau.

Zukünftige Fachveranstaltungen wie der Kongress „KONTUR 2027“ der Architektenkammer NRW am 11. März 2027 in Düsseldorf oder die Internationalen Fachtage für ökologische Pflege am 18. und 19. November 2026 in St. Pölten werden diese Themen weiter vertiefen. Im Fokus stehen dabei weiterhin die zirkuläre Bauweise und die Anpassung des urbanen Raums an den demografischen Wandel.

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