Baldrian, Metaanalyse

Baldrian: Metaanalyse mit 15.000 Patienten zeigt geringe Wirksamkeit

11.06.2026 - 18:21:17 | boerse-global.de

Eine große Metaanalyse zeigt nur geringe Wirksamkeit von Baldrian bei Schlafproblemen. Experten raten zu Verhaltenstherapie und besserer Schlafhygiene.

Baldrian-Studie 2026: Pflanzliches Mittel enttäuscht bei Schlafstörungen
Baldrian - Eine Hand hält getrocknete Baldrianwurzel, im Hintergrund unscharfes grünes Blattwerk, symbolisiert natürliche Schlafmittel. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Metaanalyse aus Juni 2026 zeigt: Der pflanzliche Wirkstoff ist kein Wundermittel.

Jeder dritte Erwachsene hat Schlafprobleme

Die Nachfrage nach natürlichen Alternativen steigt. Kein Wunder: Laut RKI-Daten leiden rund 35 Prozent der Erwachsenen in Deutschland unter Schlafstörungen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

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Besonders verbreitet sind Durchschlafstörungen mit 32 Prozent. Dahinter folgen Einschlafstörungen (16 Prozent) und kombinierte Probleme (13 Prozent). Als Hauptursachen nennen Experten gesellschaftlichen Stress, digitale Reizüberflutung und veränderte Lebensgewohnheiten.

Ein Blick nach Schleswig-Holstein verdeutlicht den Trend: Dort stiegen die Diagnosen bis 2024 um 67 Prozent auf 219.000 Fälle.

So wirkt Baldrian – und so nicht

Die Heilpflanze kommt vor allem bei Nervosität und zur Förderung der Schlafbereitschaft zum Einsatz. Die wirksamen Inhaltsstoffe stecken in der Wurzel. Erhältlich ist Baldrian als Tee, Tropfen, Tinktur oder Tablette.

Die aktuelle Studienlage empfiehlt:

  • Dosierung: 400 bis 600 Milligramm Baldrianextrakt
  • Zeitpunkt: 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen
  • Wirkungseintritt: Erst nach zwei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme

Doch genau hier liegt das Problem. Eine Metaanalyse mit 80 Studien und 15.000 Patienten zeigt: Baldrian bietet nur geringe Vorteile gegenüber Placebo. Eine beruhigende oder blutdrucksenkende Wirkung ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Diese Nebenwirkungen sind möglich

Auch pflanzliche Mittel sind nicht ohne Risiko. Mögliche Nebenwirkungen:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Paradoxe Reaktionen wie Schlaflosigkeit
  • Vorübergehende Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens
  • Benommenheit, Händezittern oder Engegefühl in der Brust

Die Symptome klingen meist innerhalb von 24 Stunden ab. Bestimmte Gruppen sollten ganz auf Baldrian verzichten:

  • Kinder unter 12 Jahren
  • Schwangere und Stillende
  • Menschen mit Herzinsuffizienz, Fieber oder akuten Infektionen

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Was wirklich gegen Schlafstörungen hilft

Angesichts der schwachen Evidenz für Baldrian rücken andere Ansätze in den Fokus. Fachleute empfehlen die kognitive Verhaltenstherapie als erste Wahl bei Insomnie. Besonders wirksam: die Bettzeit-Restriktion.

Zur Unterstützung raten Schlafforscher zu besserer Schlafhygiene. Dazu gehören Verzicht auf Alkohol und Koffein vor dem Schlafengehen. Kurze Ruhephasen von 10 bis 20 Minuten am Tag sind okay – aber nicht länger. Und: Alkohol mag das Einschlafen fördern, verschlechtert aber die Schlafqualität insgesamt.

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