BAföG-Reform scheitert: 63% Studierende arbeiten 15 Stunden wöchentlich
03.06.2026 - 16:09:37 | boerse-global.de
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) rechnet Anfang Juni 2026 mit einem Scheitern der im Koalitionsvertrag vereinbarten Anpassungen. Als Grund nannte sie fehlende Unterstützung in der eigenen Fraktion. Ein „Vollkaskostudium“ lehne sie ab – Studierende könnten stattdessen durch Jobs ihren Lebensunterhalt verdienen.
Streit um 67 Millionen Euro
SPD-Vize Wiebke Esdar widerspricht deutlich. Sie stellte die Kosten von 67 Millionen Euro für die Reform den Ausgaben für den Tankrabatt gegenüber – der lag bei 1,6 Milliarden Euro. Die ursprünglichen Pläne sahen vor: Die Wohnkostenpauschale sollte von 380 auf 440 Euro steigen, der Grundbedarf zum Wintersemester 2026/27 an das Niveau der Grundsicherung angepasst werden.
„Das ist eine Frage der Prioritäten“, so Esdar.
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Studierende arbeiten bereits 15 Stunden pro Woche
Die Debatte bekommt durch neue Zahlen zusätzliche Brisanz. Laut Deutschem Studierendenwerk (DSW) gehen bereits 63 Prozent der Studierenden einer Nebentätigkeit nach. Die durchschnittliche Arbeitszeit: 15 Stunden pro Woche.
DSW-Chef Matthias Anbuhl warnt: Ein Verzicht auf die Erhöhung sei angesichts steigender Lebenshaltungskosten und Fachkräftemangel problematisch. Auch HRK-Präsident Walter Rosenthal spricht von einem bildungspolitisch falschen Signal.
Kritik gibt es zudem an der Vermögensgrenze von 15.000 Euro. Studierendenvertreter halten sie für nicht mehr zeitgemäß. Für den 8. Juni 2026 ist eine Kundgebung vor dem Konrad-Adenauer-Haus angekündigt.
Private Hochschulen unter Druck
Parallel zur Förderdebatte rückt die Qualität der Lehre in den Fokus. Eine Analyse des Instituts für Hochschulforschung und der HLB vom Juni 2026 zeigt strukturelle Probleme bei privaten Hochschulen. Kritisiert werden eine eingeschränkte Wissenschaftsfreiheit und weisungsgebundene Lehre.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei den Betreuungsrelationen: An staatlichen Hochschulen kommen auf eine Professur 48 Studierende. An kostensparsamen privaten Hochschulen sind es 121. Auch bei Akkreditierungsverfahren bemängeln die Analysten mangelnde Transparenz.
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Mehr als nur das Abitur
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) betont derweil: Das Abitur sei nicht der einzige Weg zum Erfolg. Sie verweist auf die Qualifizierungsoffensive Berufliche Bildung. Meister- und Bachelorabschlüsse stehen auf derselben Stufe des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR).
Wer zusätzliche finanzielle Unterstützung sucht, kann auf das Deutschlandstipendium setzen. Für 2026/2027 läuft etwa an der ISM die Bewerbungsfrist vom 15. Juni bis zum 15. Juli. Das Stipendium bringt 300 Euro monatlich für ein Jahr – hälftig von Bund und privaten Geldgebern finanziert. Und es wird nicht aufs BAföG angerechnet.
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