Bärlauch sammeln: BfR warnt vor Verwechslung mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zubereitung selbst gesammelter Wildpflanzen erfreut sich in der heimischen Küche großer Beliebtheit. Doch die Suche in Wäldern und auf Wiesen birgt erhebliche gesundheitliche Gefahren: Behörden und Experten weisen eindringlich darauf hin, dass die Verwechslung von essbaren Wildpflanzen mit hochgiftigen Doppelgängern immer wieder zu schweren, mitunter tödlichen Vergiftungen führt.
Bärlauch und seine tödlichen Doppelgänger
Besonders im Fokus der Warnungen steht der beliebte Bärlauch (Allium ursinum). Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wird das Küchenkraut regelmäßig mit dem giftigen Maiglöckchen (Convallaria majalis) sowie der sehr giftigen Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) verwechselt.
Laut einer Dokumentation der Giftinformationszentren (GIZ) und des BfR führten solche Missgeschicke bereits wiederholt zu lebensbedrohlichen Zwischenfällen. Dr. Yuri Bruinen de Bruin, Leiter der Fachgruppe Nationales Vergiftungsregister, nennt die Verwechslungsgefahr mit diesen beiden Pflanzenarten als ausdrücklichen Anlass für entsprechende Warnhinweise.
Statistisch häufen sich derartige Vergiftungsfälle europaweit vor allem in den Monaten April und Mai. Betroffen sind neben Deutschland insbesondere Österreich, die Schweiz und Kroatien.
Zur Unterscheidung rät das BfR Sammlern unter anderem dazu, ein Blattstück zwischen den Fingern zu zerreiben: Tritt dabei kein typischer Knoblauchgeruch auf, sollte die Pflanze keinesfalls mitgenommen und die Hände sofort gründlich gewaschen werden.
Allerdings birgt auch dieser Geruchstest Risiken, da anhaftender Lauchgeruch an den Fingern von vorigen Blättern zu Fehlinterpretationen führen kann. Als sichere Alternative empfiehlt das Institut den Rückgriff auf Ware aus kontrolliertem Fachhandel oder den Selbstanbau.
Wer Bärlauch selbst sammelt, sollte die giftigen Doppelgänger Maiglöckchen und Herbstzeitlose sicher unterscheiden können — der Geruchstest allein reicht dafür nicht aus. Der kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen die sicheren Bestimmungsmerkmale, den Notfallplan bei Vergiftungsverdacht und die wichtigsten Sammelregeln. Kostenlosen Sammel-Guide anfordern
Auch Pilzsammler stehen vor Risiken
Ähnliche Gefahren bestehen beim Sammeln wild wachsender Pilze, die in der Küche traditionell eine vergleichbare Rolle spielen. Nach Angaben des Landesbetriebs Wald und Holz NRW ist die Verwechslung von Speisepilzen mit Giftpilzen, wie etwa dem tödlichen Knollenblätterpilz mit herkömmlichen Champignons, ein folgenschwerer Fehler. Spezielle Bestimmungs-Apps böten dabei keine ausreichende Verlässlichkeit. Fachleute raten bei der geringsten Unsicherheit strikt vom Sammeln ab.
In Deutschland sind laut Experten rund 150 Großpilzarten giftig und etwa zehn davon tödlich, während insgesamt rund 10.000 Arten existieren. Pilzsachverständige warnen davor, sich auf weitverbreitete Mythen wie angebliche Farbveränderungen bei Silberlöffeln oder Tierfraß als Beweis für Ungiftigkeit zu verlassen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte umgehend ein Giftnotruf oder ein Notarzt kontaktiert werden.
Rechtliche Grenzen und Umweltbelastungen
Neben der botanischen Bestimmung mahnen Institutionen zur Einhaltung rechtlicher Vorgaben. Das Sammeln in Naturschutzgebieten, Nationalparks oder Dickungen ist generell untersagt. In öffentlichen Wäldern gilt grundsätzlich die sogenannte Handstraußregel für den persönlichen Eigenbedarf. Größere Mengen oder der gewerbliche Weiterverkauf ohne Genehmigung stellen Ordnungswidrigkeiten dar und können empfindliche Bußgelder nach sich ziehen.
In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Sammeln generell untersagt, in öffentlichen Wäldern gilt die Handstraußregel für den Eigenbedarf — größere Mengen können empfindliche Bußgelder nach sich ziehen. Dieser Leitfaden fasst die rechtlichen Sammelregeln kompakt zusammen und zeigt, wie Sie Bärlauch sicher bestimmen. Sammelregeln kompakt sichern
Zudem wird vom Sammeln an verkehrsreichen Straßen oder Industriegebieten abgeraten, da wild wachsende Pflanzen und Pilze Schadstoffe und Schwermetalle anreichern können. Wer Wildkräuter und Pilze nutzen möchte, sollte daher fundierte Fachkenntnisse mitbringen, auf zertifizierte Bestimmungsliteratur setzen oder entsprechende Beratungsstellen aufsuchen.
