Autonomes, Fahren

Autonomes Fahren: Singapur und Abu Dhabi starten Level-4-Betrieb

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 06:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Singapur und Abu Dhabi starten Level-4-Flotten, Europa erteilt neue FSD-Zulassungen. China treibt günstige smarte Mobilität voran.

Globale Durchbrüche beim autonomen Fahren im Juli 2026
Futuristische Stadtsilhouette in der Dämmerung mit autonomen Fahrzeugen und digitalen Datenströmen, die fortschrittliche Technologie und globale Vernetzung symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während Singapur und Abu Dhabi ihre Level-4-Flotten in den Regelbetrieb überführen, drängen Hersteller in Europa auf neue Zulassungen – und in China entbrennt ein erbitterter Wettkampf um die smarte Massenmobilität.

Singapur bringt den ROii-Shuttle auf die Straße

Am heutigen Montag stellte das Unternehmen Autonomous A2Z auf einem Technologiegipfel in Singapur seinen Level-4-Robo-Shuttle ROii vor. Das Fahrzeug soll zunächst für Mitarbeiter eines lokalen Partners im Einsatz sein. Bereits Anfang 2026 hatte die Firma die Marke von einer Million autonom gefahrener Kilometer geknackt.

Besonders eindrucksvoll: Während der Präsentation steuerten die Ingenieure ein Fahrzeug im südkoreanischen K-City aus der Ferne – von einer Station in Singapur aus. Die Botschaft der Firmenspitze ist klar: Die Level-4-Technologie sei reif für den echten Straßenverkehr.

Abu Dhabi baut zentrale Kontrollzentrale

Parallel dazu hat Abu Dhabi seine Aufsicht über autonome Transportsysteme massiv ausgebaut. Am 10. und 11. Juli weihte das Integrated Transport Centre eine zentrale Leitstelle für autonome Fahrzeuge ein. Über die Plattform AViTOMS können Behörden Geschwindigkeiten, Routen und Positionen der Fahrzeuge in Echtzeit überwachen.

Flankiert wird die Infrastruktur von strategischen Partnerschaften – unter anderem mit dem Ölkonzern ADNOC für smarte Mobilitätslösungen. Sogar 3D-gedruckte Bushaltestellen sind Teil des Programms.

Vietnam setzt auf Kameras statt Laser

Einen anderen Weg geht Vietnam: Seit Juli 2026 testet VinFast gemeinsam mit dem israelischen Partner Autobrains ein rein kamerabasiertes System in Hanoi. Statt auf teure Lidar- oder Radarsensoren zu setzen, nutzt die Technologie sieben Kameras und Satellitenbilder. In den Modellen VF 8 und VF 9 läuft das System zunächst auf Level 2++. Die Entwickler peilen jedoch Level 4 für künftige Generationen an.

Europa: FSD-Zulassungen und neue Teststrecken

In Europa nimmt die regulatorische Landschaft langsam Fahrt auf. Teslas Supervised Full Self-Driving (FSD) erhielt in mehreren Ländern grünes Licht: in den Niederlanden am 10. April, gefolgt von Litauen (20. Mai), Estland (29. Mai), Dänemark (9. Juni) und Belgien (10. Juni). 22 EU-Staaten haben noch nicht zugelassen. Die niederländische Zulassungsbehörde RDW berichtete jedoch von 24 Millionen unfallfreien Testkilometern. Die deutsche KBA prüft das System noch.

Waymo hat im Juli die Waymo Germany GmbH in München gegründet. Und in Belgien startete die Firma Aidoptation am 12. Juli Tests eines Level-3-Notfallsystems auf den Autobahnen E313 und E314. Getestet auf einem Maserati GranTurismo Folgore: Das System leitet bei über 120 km/h eigenständig Ausweichmanöver ein – ohne Zutun des Fahrers.

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China: Smarte Mobilität für den Massenmarkt

In China stand auf der Changchun International Auto Expo (11. bis 13. Juli) die Integration smarter Fahrfunktionen in günstigere Modelle im Fokus. Hersteller wie Leapmotor und BYD bieten fortschrittliche Assistenzsysteme bereits in Fahrzeugen ab umgerechnet 10.000 bis 12.500 Euro an. Branchenanalysten beziffern den Level-2-Marktanteil in China für Januar und Februar 2026 auf 69,15 Prozent.

Tesla treibt derweil die Vollzulassung seines FSD-Systems in China voran. Der Finanzvorstand peilt einen Start im dritten Quartal 2026 an. Seit heute rekrutiert das Unternehmen in neun chinesischen Großstädten – darunter Peking, Shanghai und Shenzhen – Testtechniker und Ingenieure für smartes Fahren. Im Februar 2026 hatte Tesla bereits sein KI-Trainingszentrum in Shanghai in Betrieb genommen.

Huawei fordert Tesla zum Duell heraus

Der Konkurrenzkampf wird härter: Ein hochrangiger Huawei-Manager schlug heute einen öffentlichen Vergleichstest zwischen Huaweis Smart-Driving-System und Teslas FSD auf komplexen chinesischen Straßen vor. Huawei rechnet damit, bis Ende 2026 mehr als 80 Fahrzeugmodelle mit seinem Advanced Driving System (ADS) auszurüsten.

Auch Volkswagen mischt mit: Die ID. UNYX 09-Limousine, gemeinsam mit Xpeng entwickelt, soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 mit großer KI-gestützter Fahrassistenz auf den Markt kommen.

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Milliardenmarkt für Fernsteuerung und günstigere Hardware

Die Infrastruktur für autonome Flotten verspricht enormes Wachstum. Marktforscher schätzen, dass der Markt für Teleoperation-Dienste von umgerechnet rund 500 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 17 Milliarden Euro im Jahr 2036 anwachsen wird. Robotaxis sollen 2026 rund 41 Prozent des Marktes für ferngesteuerte Unterstützungsdienste ausmachen.

Gleichzeitig fallen die Hardwarekosten: Lidar-Sensoren von Herstellern wie Hesai kosten inzwischen nur noch rund 180 Euro pro Stück. Hesai lieferte im ersten Quartal 2026 rund 353.441 ADAS-Lidar-Einheiten aus – ein Plus von 141,9 Prozent im Jahresvergleich. Der Hersteller erzielte in diesem Zeitraum erstmals einen positiven operativen Gewinn.

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