Autonomes Fahren: Saudi-Arabien und Portugal schaffen Rechtsrahmen
14.06.2026 - 07:11:35 | boerse-global.de
Saudi-Arabien und Portugal führten umfassende Rechtsrahmen für selbstfahrende Fahrzeuge ein, während Belgien und die Schweiz erweiterte Tests und Software-Freigaben genehmigten.
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Saudi-Arabien und Portugal schaffen Rechtssicherheit
Am 13. Juni 2026 verabschiedete Saudi-Arabien eine formelle Rechtsstruktur für den Betrieb autonomer Fahrzeuge. Innenminister Prinz Abdulaziz bin Saud bin Naif genehmigte Änderungen der Verkehrsordnung, die die Haftung nach Automatisierungsgrad staffeln. Die neuen Regeln legen fest: Besitzer vollautonomer Fahrzeuge tragen die rechtliche Verantwortung für die Einhaltung der Verkehrsregeln. Bei Fahrzeugen, die menschliche Aufsicht erfordern, bleibt der Fahrer verantwortlich. Vollautonome Fahrzeuge sind zudem von der herkömmlichen Fahrerlaubnispflicht befreit. Für die Abmeldung selbstfahrender Einheiten sind spezielle Genehmigungen erforderlich.
In Portugal ebnet ein neues Dekret den Weg für regulierte Tests autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen ab Juli 2026. Das Gesetz erlaubt Herstellern und Forschungseinrichtungen Versuche in Lissabon, Porto und der Algarve. Die Sicherheitsauflagen sind streng: Die Versicherungssumme muss das Vierfache des gesetzlichen Minimums betragen, auf Teststrecken gilt eine Geschwindigkeitsreduktion von 20 km/h. Fahrer müssen seit mindestens sechs Jahren im Besitz einer Fahrerlaubnis sein und in den letzten fünf Jahren keine Verkehrsdelikte begangen haben. Die menschliche Aufsicht ist auf drei Stunden am Stück begrenzt, gefolgt von einer einstündigen Pause.
Belgien und Schweiz: Neue Stufen für Tesla und Baidu
Belgien ist der fünfte EU-Mitgliedstaat, der Teslas "Full Self-Driving (FSD) Supervised"-System auf öffentlichen Straßen zulässt. Die flämische Ministerin Annick De Ridder unterzeichnete die Genehmigung am 10. Juni 2026 – nach einer 5.000 Kilometer langen Testphase. Das System bleibt der Stufe 2 zugeordnet, der Fahrer trägt also die letztendliche Verantwortung. Vor der Aktivierung müssen Nutzer einen obligatorischen In-Car-Quiz absolvieren. Tesla ist in Europa auf ein monatliches Abonnementmodell für 99 Euro umgestiegen.
In der Schweiz erhielt Baidus Apollo Go eine Sondergenehmigung der Stufe 4 vom Bundesamt für Straßen (ASTRA). Das Joint Venture AmiGo mit der Schweizer Post startete am 1. Juni 2026 mit Tests auf offener Straße. Das Testgebiet umfasst 80 Quadratkilometer in den Kantonen St. Gallen und Appenzell. Aktuell sind noch Sicherheitsfahrer an Bord, doch für 2027 planen die Unternehmen einen regulären, fahrerlosen Betrieb mit einer Flotte von bis zu 25 Fahrzeugen. Apollo Go meldete für das erste Quartal 2026 insgesamt 3,2 Millionen fahrerlose Fahrten – die Gesamtzahl liegt bei über 22 Millionen seit Start.
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Indien vereinfacht Hardware-Standards
Die indische Regierung hat die Zulassung von Kollisionsvermeidungs- und Autonomietechnologien beschleunigt. Sie strich die Lizenzpflicht für bestimmte Funkfrequenzen. Die Befreiung gilt für Radarsensoren im 77-81 GHz-Band sowie für Fahrzeug-zu-Alles-Systeme (V2X) im 5,9 GHz-Band.
Damit gleicht Indien seine Standards an die der USA und der EU an. Hersteller wie Mercedes-Benz, BMW, Maruti Suzuki, Tata Motors und Mahindra können nun einheitliche Hardware verbauen. Hintergrund: Laut Regierungsdaten starben 2024 in Indien mehr als 177.000 Menschen bei Verkehrsunfällen.
Pilotprojekte in Singapur und Luxemburg
Auch internationale Pilotprogramme erreichen neue Meilensteine:
Singapur: ComfortDelGro hat seit dem 7. April 2026 mehr als 1.500 Fahrgäste in einem einladungsbasierten Test in Punggol befördert. Der Dienst nutzt Fahrzeuge von Pony.ai auf einer 12 Kilometer langen Route. Grab hat seit Januar 2026 über 5.000 Passagiere transportiert und plant einen Einheitspreis von umgerechnet rund 3,70 Euro pro Fahrt.
Luxemburg: Bolt, Pony.ai und Stellantis haben ein gemeinsames Mobilitätsprojekt gestartet. Der Pilot setzt auf einen mittelgroßen Van auf Basis der Stellantis-Plattform (Level 4 Ready) und Pony.ais siebter Generation autonomer Fahrtechnologie.
Die Entwicklungen zeigen einen klaren Trend: Weg von isolierten Technologiedemonstrationen, hin zu integrierten Regulierungsumgebungen und kommerzieller Reife.
