Autonomes Fahren: BYD übernimmt unbegrenzte Haftung für City-NOA
31.05.2026 - 04:02:05 | boerse-global.deKonzernchef Wang Chuanfu kündigte an, dass sein Unternehmen künftig für alle Unfallschäden aufkommt, die während der Nutzung des City-NOA-Systems (City Navigation on Autopilot) entstehen. Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der Teslas Fahrassistenzsysteme nach einem tödlichen Unfall in Florida und neuen Zweifeln an der Zuverlässigkeit der Sicherheitsdaten massiv unter Druck geraten.
BYD setzt auf Herstellerhaftung als Verkaufsargument
Am 28. Mai stellte BYD in Shenzhen seine „Dare to Act"-Strategie vor. Kernstück ist eine weltweit einmalige Doppeldeckung für intelligentes Parken und innerstädtische Navigation. Die einjährige Haftungsgarantie gilt sowohl für Neufahrzeuge als auch für Bestandskunden, die das Update auf die „God's Eye 5.0"-Software erhalten. BYD verspricht, sämtliche wirtschaftlichen Schäden zu übernehmen – von Reparaturen bis zu Schadensersatzforderungen Dritter – sofern der Fahrer das System regelkonform genutzt hat.
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Die Deckungssumme ist unbegrenzt, und die Versicherungsprämien der Kunden bleiben unberührt. Um diesen Vorstoß in höhere Automatisierungsstufen zu finanzieren, hat BYD eigenen Angaben zufolge bereits über 100 Milliarden Yuan (rund 13 Milliarden Euro) in Forschung und Entwicklung gesteckt. Derzeit sind 3,15 Millionen BYD-Fahrzeuge mit Assistenzsystemen unterwegs, die täglich 200 Millionen Kilometer an Fahrdaten generieren.
Parallel dazu hat BYD die massenproduktion seines hauseigenen Xuanji-A3-Chips gestartet. Die 4-Nanometer-Technologie liefert in einer Drei-Chip-Konfiguration über 2.100 TOPS Rechenleistung und senkt den Energieverbrauch um 20 Prozent. Das High-End-System „God's Eye B" mit Lidar-Sensor ist für umgerechnet rund 1.600 Euro über die gesamte Modellpalette erhältlich – ein Preis, der die Konkurrenz in China deutlich unterbietet.
Tödlicher Unfall in Florida belastet Tesla
Die Debatte um die Sicherheit autonomer Systeme erhielt neue Nahrung durch einen tödlichen Unfall am 26. Mai. Ein 87-jähriger Fahrer starb, als sein Tesla Model Y im Autopilot-Modus in Wesley Chapel, Florida, von der Straße abkam. Das Fahrzeug prallte gegen einen Stromkasten und versank in einem Teich. Eine 75-jährige Beifahrerin überlebte mit leichten Verletzungen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht nun, ob Teslas Systeme bei schlechten Lichtverhältnissen Sichtprobleme haben – eine Untersuchung, die über 3,2 Millionen Fahrzeuge betrifft.
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Zweifel an Teslas Sicherheitsversprechen
Ein am 28. Mai veröffentlichter Bericht belastet Tesla zusätzlich. Ehemalige Datenlabeler und Ingenieure berichten von erheblichen Schwächen des „Full Self-Driving"-Systems (FSD). Die Software habe regelmäßig bei grundlegenden Manövern versagt – etwa an Schulbussen, Einsatzfahrzeugen oder in Baustellen. Besonders brisant: Es existierte ein internes „Trauma-Team", das Beinahe-Unfälle mit Fußgängern und Kindern auswertete.
Die Kritik richtet sich auch gegen Teslas Sicherheitsstatistiken. Während das Unternehmen im Juli 2025 behauptete, das System sei zehnmal sicherer als menschliche Fahrer, weisen ehemalige Mitarbeiter auf Manipulationen bei der Unfallerfassung hin. Tesla verwende ein Fünf-Sekunden-Fenster, um Unfälle der Software zuzurechnen – der US-Bundesstandard liegt bei 30 Sekunden. Sieben der befragten ehemaligen Datenlabeler gaben an, das System selbst nicht zu nutzen.
Rechtsstreit in Peking und neuer Wettbewerb
Auch juristisch steht Tesla unter Druck. In Peking begann Ende Mai die erste Verhandlung in einem Betrugsprozess. Zehn Tesla-Kunden fordern umgerechnet rund 540.000 Euro Schadensersatz. Sie fühlen sich getäuscht, weil sie zwischen 2019 und 2021 FSD-Pakete kauften, ihre Fahrzeuge mit älterer Hardware (HW3.0) aber von den neuesten Software-Updates ausgeschlossen wurden.
Während Tesla weiterhin betont, dass der Fahrer die Verantwortung trägt, geht BYD mit seiner Haftungszusage einen völlig anderen Weg. Teslas Assistenzpaket kostet in China umgerechnet rund 8.800 Euro – BYD setzt dagegen auf günstigere Hardware und übernimmt das Risiko. Der Wettbewerb um autonomes Fahren wird damit nicht mehr nur technisch entschieden, sondern zunehmend über das Vertrauen der Kunden und finanzielle Absicherung.
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