Autonomes Fahren: 17 EU-Staaten einigen sich auf gemeinsame Standards
12.06.2026 - 22:51:14 | boerse-global.de
Die Entwicklungen reichen von europäischen Harmonisierungsbemühungen bis zu lokalen Lizenzmodellen in US-Großstädten.
EU-Staaten einigen sich auf gemeinsame Standards
Am 11. Juni 2026 unterzeichneten Deutschland und 16 weitere EU-Mitgliedstaaten – darunter Österreich, Frankreich und die Niederlande – eine Absichtserklärung zur Vereinheitlichung der Standards für autonomes Fahren. Im Fokus steht die grenzüberschreitende Zulassung von Level-4-Anwendungen, insbesondere für Robotaxis und den Schwerlastverkehr.
Die rasanten Fortschritte bei autonomen Systemen und KI erfordern neue rechtliche Rahmenbedingungen für Unternehmen. Dieser kostenlose Leitfaden bietet einen kompakten Überblick über Pflichten und Fristen der aktuellen EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Parallel dazu macht auch die nationale Gesetzgebung Fortschritte. Portugal veröffentlichte am 12. Juni 2026 ein Dekret, das ab Juli Tests autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen erlaubt. Die Auflagen sind streng: Unternehmen müssen eine Versicherung mit dem vierfachen der üblichen Haftpflichtdeckung abschließen, strenge Cybersicherheitsmaßnahmen umsetzen und ein Tempolimit von 20 km/h unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit einhalten. Die menschlichen Aufsichtspersonen müssen zudem seit mindestens sechs Jahren im Besitz eines Führerscheins sein – ohne schwere Verkehrsverstöße in den vergangenen fünf Jahren.
In Belgien erteilte die Region Flandern am 10. Juni 2026 die Zulassung für Teslas Full Self-Driving (FSD) „Supervised". Vorausgegangen war eine 5.000 Kilometer lange Testphase sowie die Einführung eines verpflichtenden Tutorials und Quiz für Nutzer, wie es die UN-Regelung 171 vorschreibt. Belgien ist damit der fünfte EU-Staat, der die Software freigibt – nach Dänemark, den Niederlanden, Litauen und Estland. Tesla stellt seinen europäischen Service derweil auf ein monatliches Abonnement für 99 Euro um. Eine EU-weite Zulassung wird frühestens für Oktober 2026 erwartet.
US-Städte bereiten kommerziellen Robotaxi-Betrieb vor
In den Vereinigten Staaten arbeiten Kommunen an Verordnungen zur Steuerung autonomer Flotten. In Minneapolis brachte der Stadtrat am 11. Juni 2026 einen Vorschlag zur Regulierung autonomer Fahrzeuge ein – rechtzeitig vor dem erwarteten Waymo-Start im Herbst. Die Stadträtin Robin Wonsley betont die Notwendigkeit eines Lizenzrahmens, der die Vergütung bestehender Fahrdienstleister schützt und die öffentliche Sicherheit gewährleistet. Bis 2027 soll ein umfassendes Regelwerk stehen.
Auch in New Orleans diskutierte der Stadtrat Mitte Juni einen vierphasigen Gesetzgebungsprozess. Waymo betreibt dort derzeit zwölf Testfahrzeuge mit Sicherheitsfahrern, um Daten zu sammeln. Ein kommerzieller Start ist jedoch nicht vor 2027 zu erwarten. Lokale Beamte wiesen darauf hin, dass das Recht des Bundesstaates Louisiana derzeit nur gewerbliche autonome Fahrzeuge regelt – eine Lücke, die nun auf kommunaler Ebene geschlossen werden soll.
Auf Bundesebene machte der BUILD America 250 Act Ende Mai 2026 Fortschritte im US-Repräsentantenhaus. Das 580 Milliarden Dollar schwere Gesetzespaket enthält Regelungen für autonome Lastwagen: Das Verkehrsministerium soll Leistungsstandards entwickeln und den dauerhaften Einsatz von Warnleuchten anstelle traditioneller Warndreiecke für stehende autonome Fahrzeuge erlauben.
Der technologische Wandel erfasst nicht nur den Verkehr, sondern die gesamte Industrie durch massive Investitionen in Robotik und Vernetzung. Erfahren Sie im Gratis-Report, welche Unternehmen die nächste industrielle Revolution anführen und davon profitieren. Gewinner der neuen Industrierevolution entdecken
Pilotprojekte und Sicherheitsinfrastruktur wachsen
In der Schweiz erteilte das Bundesamt für Straßen (ASTRA) am 12. Juni 2026 eine Sondergenehmigung für Level-4-Betrieb im Osten des Landes. Das Projekt AmiGo – eine Partnerschaft zwischen Baidus Apollo Go und der Schweizer PostBus – startete bereits am 1. Juni 2026. Es umfasst ein 80 Quadratkilometer großes Gebiet in den Kantonen St. Gallen und Appenzell. Ein regulärer fahrerloser Betrieb wird für 2027 angestrebt. Apollo Go meldete für das erste Quartal 2026 weltweit 3,2 Millionen fahrerlose Fahrten.
Auch Indien hat seine technischen Standards an internationale Normen angepasst. Am 12. Juni 2026 strich die indische Regierung die Lizenzpflicht für Radarsensoren im 77-81 GHz-Band. Diese Entscheidung dürfte die Kosten senken und die Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) sowie autonomer Sicherheitsfunktionen wie Notbremsungen beschleunigen. Branchenanalysten erwarten Vorteile für internationale Zulieferer und einheimische Hersteller gleichermaßen – insbesondere angesichts der mehr als 177.000 Verkehrstoten in Indien im Jahr 2024.
Flankiert werden diese Entwicklungen von einem neuen US-Gesetzesvorschlag: Senator Gary Peters brachte im Juni 2026 den Vehicle Safety Equipment Testing Act ein. Das parteiübergreifend Gesetz soll es Komponentenherstellern erlauben, eigenständige Sicherheitstests durchzuführen – eine Aufgabe, die bislang den Fahrzeugherstellern vorbehalten war. Begleitet wird die Initiative von zusätzlichen Mitteln für das Office of Automation Safety der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA.
