Autonomes, Fahren

Autonomes Fahren: 13,5 Milliarden Euro Klage-Risiko für Tesla

06.06.2026 - 14:42:48 | boerse-global.de

Tesla reagiert auf Hardware-Grenzen und bringt eine abgespeckte FSD-Version für ältere Fahrzeuge. Sicherheitsbedenken und rechtliche Risiken begleiten den Schritt.

Tesla: Spezielle „v14 Lite“-Software für ältere Hardware 3
Autonomes - A car interior with a steering wheel and a central display showing a complex, abstract map overlay, symbolizing autonomous driving technology. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der US-Elektroautobauer reagiert auf die technischen Grenzen seiner älteren Fahrzeuggeneration und will im Juni eine spezielle „v14 Lite"-Version seiner Vollautonomie-Software ausliefern.

Der Schritt ist eine direkte Folge der Erkenntnis, dass die ältere Hardware 3 (HW3) schlicht nicht leistungsfähig genug ist. Sie verfügt nur über ein Achtel der Speicherbandbreite der neueren Hardware 4 (AI4). Damit ist vollständig autonomes Fahren ohne menschliche Aufsicht auf HW3-Basis nicht möglich – ein Eingeständnis, das die Unternehmensführung bereits Anfang des Jahres machte.

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Optimierte Software für alte Rechner

Die neue „v14 Lite"-Version wurde speziell für die begrenzte Rechenleistung und die niedrigere Kameraauflösung der HW3-Systeme entwickelt. Sie arbeitet mit optimierten neuronalen Netzen und verspricht verbesserte Reaktionszeiten. Allerdings bleibt die Software eine „überwachte" Lösung: Der Fahrer muss jederzeit eingreifen können.

Um rechtlichen Problemen vorzubeugen, hat das Unternehmen offenbar bereits bestehende FSD-Kaufverträge aus dem Jahr 2016 nachträglich um den Begriff „überwacht" ergänzt. Die Zahl der Klagen im Zusammenhang mit übertriebenen Autonomie-Versprechen steigt.

Für HW3-Besitzer gibt es mehrere Optionen: Hardware-Nachrüstungen oder vergünstigte Inzahlungnahme von Fahrzeugen mit AI4. Die jüngsten Frühjahrs-Updates brachten zudem Funktionen wie „Start from Park", „Auto Shift" und verbesserte Geschwindigkeitsprofile. Eine neue „Streaks"-Funktion, die die zurückgelegte Strecke ohne Eingriff des Fahrers misst, steht jedoch in der Kritik. Sie könnte riskantes Fahrverhalten fördern, weil sie manuelle Übernahmen bestraft.

Sicherheitsbedenken und rechtliche Hürden

Die Ausweitung des FSD-Einsatzes erfolgt zu einem Zeitpunkt massiver Zweifel an der Zuverlässigkeit der Technologie. Eine Untersuchung vom 28. Mai 2026 ergab, dass sieben von neun ehemaligen Daten-Labelern, die das System trainiert haben, der Software selbst nicht vertrauen würden. Unabhängige Forscher vermuten zudem, dass die internen Sicherheitsstatistiken geschönt sind. Demnach sei die Technologie nur etwa dreimal sicherer als ein menschlicher Fahrer – nicht sieben- bis zehnmal, wie zuvor behauptet.

Der regulatorische Druck wächst. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA führt derzeit vier aktive Untersuchungen zu Tesla, die rund 2,9 Millionen Fahrzeuge betreffen. In Kalifornien wurde die Verwendung der Bezeichnung „Autopilot" nach einem Millionen-Urteil verboten. Rechtsanwälte schätzen die gesamte Klage-Exposition des Unternehmens im Zusammenhang mit Autonomie-Versprechen auf umgerechnet rund 13,5 Milliarden Euro.

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Robotaxi-Dienst und KI-Integration

Trotz aller Probleme baut Tesla sein autonomes Angebot aus. Anfang Juni wurde der unbemannte Robotaxi-Dienst auf das gesamte Stadtgebiet von Austin, Texas, ausgeweitet – mit einer Flotte von rund 28 Fahrzeugen. Erst kürzlich gelang eine 11.650 Kilometer lange FSD-Fahrt quer durch 48 US-Bundesstaaten ohne manuellen Eingriff.

Auch die KI-Integration schreitet voran. Auf einer Automobilmesse auf den Philippinen wurde eine neue sechssitzige Version des Model Y vorgestellt, die den generativen Assistenten Grok AI von xAI integriert. Ein am 4. Juni 2026 eingereichtes Patent beschreibt zudem ein „blinkendes" Kamerasystem mit einem kugelförmigen Wischer und Flüssigkeitsspender, das die menschliche Augenlidfunktion nachahmt und so die Bildqualität für die Robotaxi-Flotte sicherstellen soll.

Wettbewerb und globale Expansion

Der Wettbewerb im autonomen Fahren verschärft sich. Der chinesische Hersteller Xpeng gibt jährlich rund 460 Millionen Euro für KI-Training aus und will bis Ende August 2026 mit Teslas Software gleichziehen. Zudem hat Xpeng einen Lizenzdeal mit Volkswagen für 2027 abgeschlossen.

Teslas eigene Ausgaben für Forschung und Entwicklung beliefen sich im ersten Quartal 2026 auf 1,8 Milliarden Euro, die Investitionsausgaben stiegen um 67 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Der überwachte FSD-Modus ist derzeit in zehn Ländern aktiv, darunter die USA, China und Teile Europas. In Japan, Indien und Saudi-Arabien steht die regulatorische Zulassung noch aus.

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