Automatisierung, Jobs

Automatisierung: 100.000 Jobs fallen 2026 in Deutschland weg

01.07.2026 - 09:40:15 | boerse-global.de

Fachkräftemangel und hohe Kosten treiben die Automatisierung an. Experten fordern mehr Forschung zu autonomen Systemen für den Standort Deutschland.

Autonome Systeme: Revolution für Deutschlands Wirtschaft in Gefahr
Automatisierung - Roboterarme in einer Hightech-Fabrik, Symbol für Automatisierung und deren Auswirkungen auf deutsche Industrie und Wirtschaft. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Autonome Systeme könnten die deutsche Wirtschaft revolutionieren – doch die Forschung hinkt hinterher.

Peter Liggesmeyer vom Fraunhofer IESE schlägt Alarm: Die Bundesrepublik brauche dringend eine systematische Erforschung autonomer Systeme. Vor einem Expertengremium mit den Branchengrößen Kagermann und Wahlster betonte er, dass Automatisierung sowohl die größte Herausforderung als auch die größte Chance für den Standort Deutschland darstelle. Besonders im Gesundheitswesen seien enorme Fortschritte möglich: Die Kosten für individualisierte Medikamente könnten durch moderne Automatisierung von 250.000 auf 25.000 Euro sinken.

Der Vorstoß kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Deutsche Unternehmen stehen unter doppeltem Druck: Jährlich fehlen 300.000 Fachkräfte, gleichzeitig verändert die Automatisierung massiv die Arbeitswelt. Analysten zufolge könnte der gezielte Einsatz Künstlicher Intelligenz ein Wertschöpfungspotenzial von rund 300 Milliarden Euro für die Volkswirtschaft heben.

Deutsche Jobs besonders von KI bedroht

Eine aktuelle OpenAI-Analyse vom heutigen Mittwoch zeigt: Deutsche Arbeitsplätze gehören in Europa zu den am stärksten von KI-Veränderungen betroffenen. Demnach sind zwölf Prozent aller EU-Beschäftigungsverhältnisse in wachsenden KI-Berufen angesiedelt, während 14 Prozent der Stellen ein hohes Automatisierungspotenzial aufweisen. Deutschland liegt gemeinsam mit Italien und Griechenland bei der Automatisierungsanfälligkeit vorn.

Eine Horváth-Studie vom vergangenen Montag untermauert die Volatilität im Industriesektor. 60 Prozent der Unternehmen planen demnach einen Stellenabbau bis 2030 – Hauptgrund sind die hohen Personalkosten. Allein 2026 könnten in der Autoindustrie, im Maschinenbau und im Baugewerbe bis zu 100.000 Jobs wegfallen. BASF-Chef brachte es auf den Punkt: Die Arbeitskosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit inzwischen stärker als die Energiepreise.

Die Nutzung von KI steigt zwar, bleibt aber ungleich verteilt. Eine Studie von Strand Partners und AWS vom Dienstag ergab: 63 Prozent der deutschen Firmen setzen KI ein, aber nur 15 Prozent nutzen sie transformativ. Immerhin beschleunigt sich der Trend zu generativer KI: Über die Hälfte der Unternehmen plant deren Einführung bis Jahresende – ein deutlicher Sprung von 26 Prozent im Jahr 2024.

Regionale Pilotprojekte als Antwort

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Die Bundesländer reagieren mit konkreten Initiativen. Das sächsische Kabinett stellte gestern 150.000 Euro für ein KI-Modellprojekt in Südwestsachsen bereit. Ab August startet das sechsmonatige Vorhaben mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau und der Dualen Hochschule Sachsen. Ziel ist es, kleine und mittlere Unternehmen bei Datensouveränität und Reallaboren zu unterstützen – auch als Reaktion auf die drohende Schließung des VW-Werks in Zwickau.

Auch die Pflegebranche entdeckt die Automatisierung. Die Havelland-Kliniken kündigten am Montag ein Pilotprojekt in Wustermark an. Zum Einsatz kommen sollen der Pflegeroboter Navel („Willi“), Exoskelette mit bis zu 35 Kilo Entlastung fürs Personal sowie automatische Reinigungssysteme. Wichtig: Die Technik soll die Pflegekräfte entlasten, nicht ersetzen.

Im Energiebereich startete gestern das HIP-EMIL-Projekt am Umwelt-Campus Birkenfeld. Die Hochschule Trier, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und mehrere Partner entwickeln KI-gesteuertes Energiemanagement für Gebäude.

Investitionen wandern ab – Druck auf den Standort wächst

Die heimische Arbeitsmarktkrise beeinflusst zunehmend die globalen Investitionsstrategien deutscher Konzerne. Während kleinere Summen wie die 150.000 Euro für Sachsen im Land bleiben, fließen Milliarden in die USA.

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Siemens Energy investiert eine Milliarde Dollar in US-Produktionsstätten und schafft damit 1.500 Jobs. Mercedes-Benz lenkte sieben Milliarden Dollar nach Alabama. Boehringer Ingelheim kürzte seine Deutschland-Investitionen um 900 Millionen Euro und investiert stattdessen Milliarden in den US-Markt.

Die Industrie schrumpft weiter. ZF in Saarbrücken verlängert nach Auftragsrückgang 80 befristete Verträge nicht und streicht 100 Studentenstellen. Die Folgen sind messbar: Die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz erreichte im Juni mit 5,5 Prozent den höchsten Stand für diesen Monat seit 17 Jahren. Gleichzeitig bleiben 8.600 Ausbildungsplätze unbesetzt.

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