Ausbildungsstress: 50,6 Prozent fühlen sich psychisch stark belastet
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen und Expertenberichte der letzten Monate verdeutlichen eine zunehmende psychische Belastung im akademischen Umfeld. Ein zentraler Faktor für die Entstehung von Burnout bei Studierenden ist laut Erkenntnissen eines Psychologen der Universitas Muhammadiyah Yogyakarta eine mangelnde Selbstorganisation beim Ausgleich zwischen akademischen Verpflichtungen und außeruniversitären Anforderungen. Die daraus resultierenden Überlastungserscheinungen manifestieren sich oft in einer Reihe spezifischer Warnsignale.
Symptomatik und individuelle Risikofaktoren
Die Anzeichen für ein drohendes Burnout sind vielfältig. Fachleute beobachten häufig eine anhaltende körperliche Erschöpfung, eine instabile oder gereizte Stimmungslage sowie erhebliche Frustration.
Zudem führen der Verlust der Lernmotivation und sinkende Konzentrationsfähigkeit dazu, dass die akademische Leistung und die allgemeine psychische Gesundheit langfristig beeinträchtigt werden können. Die Psychologin Eva Asselmann beschreibt diesen Zustand der Überforderung zudem durch ein Gefühl des Getriebenseins und Schlafstörungen.
Untersuchungen an portugiesischen Hochschulen mit 563 Teilnehmenden durch die Organisation Ispa zeigten, dass auch die Persönlichkeitsstruktur eine Rolle spielt. Demnach gehen unsichere Bindungsmuster mit einer höheren Anfälligkeit für Burnout einher.
In dieser Erhebung wiesen Frauen höhere Werte bei persönlichem und akademischem Burnout auf. Jüngere Studierende zeigten sich zudem vulnerabler und verfügten über eine geringere Resilienz als ältere Kommilitonen.
Stressfaktoren beim Bildungsübergang und in der Ausbildung
Die Belastung beginnt oft bereits vor dem Studium. Eine Studie der Universität Freiburg begleitete 162 Kinder beim Wechsel von der Primar- in die Sekundarschule. Nach dem Übertritt stieg das Risiko für Schul-Burn-out signifikant an, wobei insbesondere Schüler in der höchsten Leistungsstufe betroffen waren.
Stress durch Arbeitsbelastung und körperliche Beschwerden hingen eng mit dieser Entwicklung zusammen. Unterstützung durch Lehrpersonen erwies sich jedoch als stabilisierender Faktor für das Wohlbefinden. An der Kantonsschule Schaffhausen wird zudem die Probezeit für Erstklässler als besonders fordernd beschrieben, was den frühen Fokus auf Stressbewältigung schärft.
Auch in der beruflichen Bildung ist die Lage angespannt. Der DGB-Ausbildungsreport 2026, für den 13.227 Auszubildende befragt wurden, belegt, dass sich 50,6 % der Befragten in den am stärksten besetzten dualen Berufen psychisch belastet fühlen.
Als Ursachen werden finanzielle Sorgen, Zeitdruck, Personalmangel und hohe Verantwortung genannt. Besonders kritisch wird bewertet, dass 41,7 % der Belasteten niemanden für klärende Gespräche haben und nur knapp ein Drittel Unterstützung im Betrieb findet.
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Gesellschaftliche Trends und Präventionsansätze
Breite Umfragen spiegeln ein allgemeines Ansteigen des Stressempfindens wider. Laut einer KKH-Umfrage unter 1.000 Personen ab 18 Jahren fühlen sich 54 % heute gestresster als noch vor ein bis zwei Jahren.
In einer Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse aus dem Mai 2025 gaben 66 % der 1.407 Befragten an, häufig oder manchmal gestresst zu sein – im Jahr 2013 lag dieser Wert noch bei 57 %. Hohe Eigenansprüche (61 %) und Belastungen durch Bildung oder Beruf (58 %) gelten als Haupttreiber.
Zur Stressbewältigung setzen viele Betroffene auf soziale Kontakte und Naturerlebnisse. In der Forsa-Umfrage nannten 83 % Spaziergänge und 78 % Hobbys oder Treffen mit Freunden als Strategie. Die Ispa-Studie bestätigt, dass die Teilnahme an kulturellen, sozialen oder sportlichen Aktivitäten vor persönlichem Burnout schützen kann.
Die Wissenschaft sucht zudem nach strukturellen Lösungen. Die Universität Valencia untersuchte einen Interventionsansatz für Lehrkräfte, der Burn-out- und Depressionssymptome sowie den Cortisolspiegel signifikant senkte.
Dieses Programm verbesserte das Konfliktmanagement und die Selbstwirksamkeit nachhaltig. Für den täglichen Umgang empfiehlt Eva Asselmann zudem kleine Schritte wie den Verzicht auf das Smartphone in den ersten zehn Minuten des Tages und die bewusste Auswahl einer einzigen wichtigen Tagesaufgabe.
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Rechtliche Konsequenzen und Informationsbelastung
Der Druck in Prüfungssituationen kann zu riskantem Verhalten führen, wie ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen vom 24. August 2026 zeigt. Das Gericht bestätigte den Ausschluss eines Studenten von der Wiederholungsprüfung, nachdem dieser ein eingeschaltetes Smartphone in einer Klausur mitführte und zu nutzen versuchte.
Durch die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz sieht das Gericht ein erhöhtes Täuschungspotenzial, was den endgültigen Ausschluss vom Studium in solchen Fällen rechtfertigen kann.
Zusätzlich zur akademischen Belastung trägt die Informationsflut zur Erschöpfung bei. Der Reuters Institute Digital News Report 2025 stellte fest, dass fast drei Viertel der 18- bis 24-Jährigen gelegentlich Nachrichten meiden, um ihre Stimmung zu schützen. Medienforscher wie Tong-Jin Smith sehen in konstruktivem Journalismus eine Möglichkeit, dieser Erschöpfung durch das Aufzeigen von Perspektiven entgegenzuwirken.
