Aufmerksamkeit, Entzündung

Aufmerksamkeit und Entzündung: Bei 90 Prozent ging die Schwellung zurück

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 17:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei 57 Probanden verringerte konzentrierte Wahrnehmung Hautschwellungen; ob der Effekt auch bei chronischen Entzündungen gilt, bleibt offen.

Bar-Ilan-Studie: Gezielte Aufmerksamkeit beeinflusst Hautentzündungen
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit sanftem, natürlichem Licht, das auf eine saubere Holzoberfläche fällt. Illustration mit AI erstellt.

Die bewusste Steuerung der eigenen Aufmerksamkeit kann direkte Auswirkungen auf körperliche Immunprozesse haben. Eine Untersuchung der israelischen Bar-Ilan-Universität unter der Leitung von Liron Rozenkrantz zeigt, dass die gezielte Fokussierung auf eine gereizte Hautstelle die lokale Entzündungsreaktion messbar abschwächen kann.

Die in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour publizierte Forschungsarbeit liefert neue Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen dem zentralen Nervensystem und immunologischen Abläufen, wie torontosun.com am 30. September 2026 berichtete.

Messbare Effekte bei gezielter Wahrnehmung

Für die Versuchsreihe erzeugten die Forschenden der Bar-Ilan-Universität bei 57 Probanden eine kontrollierte Entzündungsreaktion am Unterarm, indem Histamin verabreicht und ein Nadelstich gesetzt wurde. Anschließend untersuchten sie, wie sich unterschiedliche mentale Zustände auf den Heilungsverlauf auswirkten.

Die Auswertung ergab signifikante Unterschiede zwischen Teilnehmenden, die ihre Aufmerksamkeit aktiv auf die Empfindungen der betroffenen Hautstelle richteten, und jenen, die abgelenkt wurden:

  • Bei Personen, die sich auf die Reizung konzentrierten, gingen Rötung und Schwellung deutlich stärker zurück.
  • Nach einem Zeitraum von 20 Minuten wiesen fast 90 % der fokussierten Teilnehmenden eine stabilisierte oder verringerte Schwellung auf.
  • In der Kontrollgruppe mit gezielter Ablenkung lag dieser Wert lediglich bei 46 %.
  • Umgekehrt führte Ablenkung bei 90 % der Probanden zu einer Verstärkung der Entzündung, wobei Schwellung und Rötung rund 50 % größer ausfielen.
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Neurologische Mechanismen und physiologische Marker

Die Forschenden untersuchten zudem die physiologischen Grundlagen dieses Phänomens. Bei den Probanden, die ihre Aufmerksamkeit auf die Entzündung richteten, dokumentierte das Team eine erhöhte Herzratenvariabilität sowie eine gesteigerte Aktivität des Vagusnervs. Dies deutet darauf hin, dass parasympathische Signalwege an der Regulierung der Hautreaktion beteiligt sind.

In weiteren Testläufen setzten die Wissenschaftler der Bar-Ilan-Universität das Lokalanästhetikum Lidocain ein. Unter Betäubung fiel der positive Effekt der fokussierten Aufmerksamkeit auf das Juckreizempfinden zwar geringer aus, schnitt im Vergleich zur bloßen Ablenkung jedoch weiterhin besser ab.

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Rezeption und methodische Grenzen

Fachkollegen ordnen die Befunde als relevanten Beitrag zur Psychoneuroimmunologie ein. Jonathan Kipnis von der Washington University in St. Louis und Kevin Tracey von den Feinstein Institutes kommentierten die Ergebnisse im Rahmen der Berichterstattung.

Gleichzeitig weist das Forschungsteam der Bar-Ilan-Universität auf methodische Einschränkungen hin: In der Versuchsreihe wurden weder Entzündungszellen noch spezifische Entzündungsmoleküle direkt im Gewebe gemessen.

Zudem handelte es sich um eine künstlich hervorgerufene, kurzfristige Hautreaktion ohne die Beteiligung von Krankheitserregern. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, inwieweit sich diese Mechanismen auf chronische oder erregerbedingte Entzündungsprozesse übertragen lassen.

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de | wissenschaft | 70205148 |