Atherosklerose: Studie in Nature sieht zentrale Kriterien einer Autoimmunerkrankung
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Forschungsarbeit liefert neue Einblicke in die Entstehung von Gefäßverkalkungen. Ein wissenschaftliches Team um Andreas Habenicht von der Universität München und Changjun Yin von der Sun-Yat-sen-Universität kommt in einer im Fachjournal Nature Cardiovascular Research veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass Atherosklerose zentrale Definitionskriterien einer Autoimmunerkrankung erfüllt. Die Ergebnisse könnten den Blick auf die weit verbreitete Gefäßveränderung grundlegend verändern und neue Ansätze für Diagnose und Therapie eröffnen.
Mechanismen im Tiermodell identifiziert
Im Zentrum der Untersuchungen standen immunologische Prozesse, die den Gefäßumbau vorantreiben. Die Forschenden stellten fest, dass hochaffine autoreaktive Antikörper nach einem adoptiven Transfer auf Mäuse das Fortschreiten der Atherosklerose beschleunigten. Unter diesen Antikörpern spielte ein spezifischer Autoantikörper gegen Histone 2B eine wesentliche Rolle bei der Verstärkung der pathologischen Prozesse.
Um diesen Mechanismus genauer zu überprüfen, analysierte das Team auch die Auswirkungen einer gezielten Immunisierung im Tiermodell. Dabei zeigte sich, dass eine Vakzinierung gegen Histone 2B die Erkrankung bei den Tieren verschlimmerte. Diese Beobachtungen stützen die These, dass Fehlsteuerungen des erworbenen Immunsystems und Angriffe auf körpereigene Strukturen maßgeblich an der Gefäßschädigung beteiligt sind.
Bestätigung durch klinische Patientendaten
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Die im Labor gewonnenen Erkenntnisse blieben nicht auf das Tiermodell beschränkt. Um die Relevanz für den Menschen zu überprüfen, wurden die experimentellen Daten in einem klinischen Versuch mit 495 chinesischen Patienten evaluiert. Die Einbeziehung dieser klinischen Kohorte ermöglichte es, die immunologischen Auffälligkeiten und die Rolle der identifizierten Autoantikörper im Zusammenhang mit humanen Gefäßerkrankungen nachzuvollziehen.
Die Befunde liefern damit Belege dafür, dass die Gefäßveränderungen bei Atherosklerose nicht allein als passive Ablagerung von Fetten und Cholesterin verstanden werden können. Vielmehr deuten die Daten auf einen aktiven autoimmunen Prozess hin, der die Gefäßwände chronisch schädigt.
Perspektiven für Diagnostik und Therapie
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Aus den Studienergebnissen ergeben sich nach Einschätzung der Wissenschaftler weitreichende Konsequenzen für die künftige Kardiologie. Andreas Habenicht betonte, dass die Daten die Atherosklerose klar als Autoimmunerkrankung charakterisieren. Dies habe erhebliche Auswirkungen auf das Verständnis und die Ausrichtung weiterer Forschungsarbeiten sowie künftiger Behandlungsstrategien.
Zudem erklärte Habenicht, dass die Identifizierung dieser Mechanismen den Weg für neue Formen der Diagnostik ebnen könnte. Denkbar seien künftig Immuntherapien, die gezielt in die Prozesse eingreifen, bevor es zu schwerwiegenden vaskulären Ereignissen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt. Durch ein besseres Verständnis der autoimmunen Komponenten ließen sich Risikopatienten früher erkennen und zielgerichteter behandeln.
