Assistenztechnik für Senioren: KI-Brillen und Hörimplantate im Durchbruch
12.06.2026 - 18:54:23 | boerse-global.de
KI-gesteuerte Brillen, personalisierte Netzwerktechnik und intelligente Hörimplantate – die Assistenztechnologie für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen macht einen Sprung nach vorn.
Smarte Brillen für den Alltag
Die Polytechnische Universität Hongkong (PolyU) hat am 10. Juni „AI-Care“ vorgestellt – ein System aus Smart Glasses und App. Es erkennt Objekte und führt Nutzer akustisch durch den Alltag. In einer Testphase mit 17 Teilnehmern im ersten Quartal 2026 zeigte sich eine hohe Zufriedenheit. Fünf Millionen Hongkong-Dollar aus dem Innovation and Technology Fund flossen in das Projekt. Ziel ist die breite Kommerzialisierung.
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Parallel dazu sind seit Ende April die Rokid Glasses in Deutschland erhältlich. Die 49 Gramm leichte AR-Brille integriert KI-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini und übersetzt in Echtzeit in 89 Sprachen. Die Technik hat sich verbessert – Displayhelligkeit und Gewicht stimmen. Doch zwei Probleme bleiben: Bei direkter Sonneneinstrahlung leidet die Lesbarkeit. Und viele Menschen sehen die integrierte Kamera kritisch.
Bessere Sprachqualität im Netz
Im Bereich Hörunterstützung geht der Trend zur Personalisierung. Die Mobilfunkbetreiber O2 (Virgin Media O2) und der Technologiepartner Mavenir testen eine Technologie, die Sprachqualität für Schwerhörige direkt im Netz optimiert. Ein automatisierter Hörtest erstellt ein individuelles Profil. Rund 90 Prozent der Teilnehmer berichteten von einer verbesserten Verständlichkeit durch die Echtzeit-Anpassung. Das Projekt befindet sich noch im „Proof-of-Concept“-Stadium.
Auch bei der Hardware gibt es Fortschritte. Der Hersteller MED-EL hat die CE-Kennzeichnung und FDA-Zulassung für einen neuen Single-Unit-Audioprozessor erhalten. Das Gerät vereint Spule, Steuerung und Energieversorgung in einer Einheit und ist mit bestehenden Implantaten kompatibel. Ebenfalls neu auf dem deutschen Markt: die OpenDots-Modelle von Shokz mit offenem Ohr-Design.
Barrierefreiheit: Licht und Schatten
Die Verfügbarkeit barrierefreier Medieninhalte in Deutschland zeigt ein gemischtes Bild. Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF erreichen bei Untertiteln Quoten von über 96 Prozent. Private Anbieter wie RTL liegen mit rund 26,6 Prozent weit zurück. Bei der Audiodeskription verzeichnet das ZDF eine Quote von etwa 32 Prozent. Die App „Greta“ hilft mit rund 120.000 Nutzern beim Zugang zu Filminhalten.
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Auch die Infrastruktur wird angepasst. Im EU-Projekt „Danova next“ (läuft noch bis zum 30. Juni) wurden im Hafen von Kotor Induktionsanlagen für Hörgeschädigte und spezialisierte Mobilitätshilfen installiert. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster richtet am 14. Juni einen Sehbehindertentag aus – mit kontrastarmen Räumen und taktilen Kunstgesprächen.
Ein Forschungsprojekt hat zudem eine Software entwickelt, die schwerstmehrfachbehinderten Menschen ermöglicht, Musikinstrumente über EEG-Kopfhörer und Hirnströme zu steuern.
Die Branche setzt zunehmend auf modulare und softwarebasierte Lösungen. Das Ziel: mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – unabhängig von körperlichen Einschränkungen.
