Arthrose, Studie

Arthrose: Studie mit 100 Betroffenen prüft Chondroitin über zwölf Wochen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen mögliche Linderung durch einzelne Ansätze, belegen aber weder Knorpelaufbau noch eine Heilung der Arthrose.
Ein ruhiger Waldpfad mit moosbewachsenen Steinen und Sonnenlicht, das durch das Blätterdach fällt, als Sinnbild für Mobilität. Illustration mit AI erstellt.

Gelenkschmerzen und Arthrose gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparats. Wie das Robert Koch-Institut erfasste, waren 2025 in Deutschland 16,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von Arthrose betroffen, der weltweit häufigsten Gelenkerkrankung.

Die Suche nach wirksamen Behandlungsstrategien reicht von etablierten Schmerzmedikamenten über diätetische und pflanzliche Ansätze bis hin zu nichtmedikamentösen Verfahren.

In einem Vortrag beim Homöopathischen Verein Merklingen thematisierte Apotheker Hans-Peter Eppler von der Alten Apotheke Laichingen ganzheitliche Ansätze, die Bewegung, Ernährung sowie pflanzliche und homöopathische Mittel kombinieren, um Betroffenen Alternativen und Ergänzungen zu rein symptomatischen Therapien aufzuzeigen.

Grenzen und Nebenwirkungen klassischer Arzneimittel

Die konventionelle Schmerztherapie stützt sich häufig auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac. Diese Präparate hemmen Entzündungsbotenstoffe, sind jedoch mit Risiken verbunden. Eppler verwies darauf, dass Nierenfunktionsstörungen, ein Anstieg des Blutdrucks sowie ein erhöhtes Infarktrisiko zu den möglichen Nebenwirkungen zählen.

Anzeige

Wer nach Wegen sucht, Gelenkbeschwerden ohne starke Medikamente zu lindern, kann auf bewährte Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin setzen. Dieser kostenlose Guide zeigt Ihnen 101 gezielte Druckpunkte, mit denen Sie Schmerzen in wenigen Minuten selbst aktiv entgegenwirken können. 101 Druckpunkte gegen Arthrose kostenlos entdecken

Cortison wiederum zeichne sich durch einen schnellen Wirkungseintritt aus, verursache allerdings Gewichtszunahme und führe zu Immunschwäche. Das bei chronischen Verläufen eingesetzte Methotrexat verlangsame zwar das Fortschreiten, senke jedoch die körpereigene Abwehr. Bei schweren Hüft- oder Kniedefekten könne letztlich oft nur noch ein operativer Gelenkersatz Abhilfe schaffen.

Knorpelbausteine und Nährstoffe in der Diskussion

Als ergänzende Maßnahmen bei Arthrose werden häufig Substanzen wie Kollagen, Chondroitin und Glucosamin diskutiert. Eppler führte aus, dass diese Stoffe, die unter anderem aus Rinder-, Schweine- und Haifischknorpel gewonnen werden, die Degeneration hemmen und im Anfangsstadium den Knorpelaufbau fördern können.

Untersuchungen zeichnen dabei ein differenziertes Bild zur Wirksamkeit. Dr. Ingo Froböse und Wolfgang Feil wiesen darauf hin, dass Kollagenhydrolysat in Studien meist in Dosierungen von 5 bis 10 Gramm untersucht wird, während undenaturiertes Typ-II-Kollagen in Mengen von etwa 40 Milligramm täglich analysiert wird.

Feil empfiehlt eine Kombination beider Kollagentypen ergänzt um 300 Milligramm Vitamin C täglich. Beide Experten betonten, dass Studien zwar auf eine Schmerzreduktion und verbesserte Gelenkfunktion bei Kniearthrose hindeuten, die therapeutische Wirkung jedoch nicht wissenschaftlich bewiesen sei.

Ein verlässlicher Knorpelwiederaufbau oder das Stoppen der Erkrankung durch einen einzelnen Nährstoff sei nicht nachgewiesen; Effekte stellten sich erst nach Wochen bis Monaten ein.

Eine randomisierte Doppelblind-Studie von Baek und Park am Woosuk University Korean Medicine Hospital in Südkorea untersuchte 100 Erwachsene im Alter von 45 bis 74 Jahren mit Knie-Arthrose des Schweregrads KL-II.

Die Gabe von 1200 Milligramm Chondroitinsulfat täglich über zwölf Wochen führte im Vergleich zu Placebo zu signifikanten Verbesserungen: Der K-WOMAC-Gesamtwert sank um -19,26 Punkte gegenüber -2,10 Punkten in der Kontrollgruppe, der Schmerzscore auf der visuellen Analogskala verringerte sich um -18,82 Millimeter im Vergleich zu -3,04 Millimetern, und die Zeit für eine 20-Meter-Gehstrecke verbesserte sich um -1,40 Sekunden gegenüber einer Verschlechterung von +0,23 Sekunden bei Placebo.

Unerwünschte Ereignisse traten nicht auf, Aussagen zum Knorpelerhalt ließen sich daraus jedoch nicht ableiten. Eine weitere Untersuchung der Universität Nottingham mit 136 Teilnehmenden prüfte die Gabe von Inulin über sechs Wochen bei Knie-Arthrose. Gegenüber einem Maltodextrin-Placebo ergab sich eine mittlere Schmerzscore-Differenz von -1,11, jedoch ohne Hinweise auf Knorpelreparatur und bei möglichen Nebenwirkungen wie Blähungen und Verdauungsbeschwerden.

Anzeige

Neben der gezielten Nährstoffzufuhr spielt die Reaktivierung der Selbstheilungskräfte eine entscheidende Rolle für die Mobilität im Alltag. Erfahren Sie in diesem bebilderten PDF-Ratgeber, wie Sie den sogenannten 3-Finger-Trick anwenden, um Gelenkbeschwerden ohne Hilfsmittel und Nebenwirkungen zu lindern. Kostenlosen Arthrose-Druckpunkt-Guide jetzt anfordern

Pflanzliche Mittel und Ernährungsimpulse

Pflanzliche Präparate spielen in ganzheitlichen Konzepten eine zentrale Rolle. Laut Eppler zeigt die Phytotherapie mit Teufelskralle, Weihrauch, Weidenrinde, Brennnessel und Kurkuma in evidenzbasierten Studien entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkungen, wenngleich die Dosierung in frei verkäuflichen Fertigpräparaten oft zu gering ausfalle. Im Bereich der Homöopathie nannte er Mittel wie Apis mellifica bei stechenden Schmerzen, Formica rufa sowie Blauen Eisenhut.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt die Sekundärwurzel der Teufelskralle als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Gelenkschmerzen, mit vorgegebenen Mindestgehalten an Harpagosid.

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit auf Basis von zwei Studien mit 315 Teilnehmenden zeigte bei 50 bis 100 Milligramm Harpagosid täglich eine kurzfristige Linderung von Rückenschmerzen, stufte die Evidenzqualität jedoch als niedrig ein.

Für äußerliche Anwendungen existieren Präparate wie das Atrogel Arnika-Gel, das Arnika-Extrakt enthält; spezifische Wirksamkeitsstudien für das Gel selbst liegen allerdings nicht vor.

Auch Gewürze und Vitamine können eine begleitende Funktion übernehmen. Dr. Martin Rinio von der Gelenk-Klinik Gundelfingen verwies auf Kreuzkümmel, Kurkuma, Ingwer und Chili. Kreuzkümmel wirke durch Inhaltsstoffe wie Eisen, Kalzium und Kalium entzündungshemmend, Curcumin zeige Hinweise auf Beschwerdelinderung, und Capsaicin aus Chili eigne sich primär als Creme zur äußerlichen Anwendung.

Ergänzend unterstütze Vitamin C die Kollagenbildung, Vitamin E diene als Antioxidans und Vitamin D fördere den Knochen- und Knorpelstoffwechsel. Nach einigen Wochen könnten diese Maßnahmen dazu beitragen, den Bedarf an Schmerzmitteln zu reduzieren, wenngleich Naturmittel die Arthrose weder heilen noch rückgängig machen können.

Nichtmedikamentöse Therapien und chronobiologische Aspekte

Ergänzend zu pharmakologischen und diätetischen Ansätzen belegen systematische Auswertungen den Nutzen von Verhaltens- und Bewegungstherapien. Forschende um Prof. Manuela L. Ferreira vom George Institute for Global Health werteten 20 Arbeiten aus den Jahren 2005 bis 2026 mit insgesamt 14.884 Teilnehmenden aus. Dabei erzielten sechs nichtmedikamentöse Methoden bei Rückenschmerzen bessere Resultate bei geringeren Kosten im Vergleich zur Standardversorgung: Yoga, Akupunktur, kognitive Verhaltenstherapie, Schulungen zum eigenständigen Umgang, Programme zum Abbau von Bewegungsängsten und achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung.

Zudem rückt die zeitliche Steuerung von Behandlungen in den Fokus der Forschung. Eine Übersichtsarbeit in Nature Reviews Rheumatology zeigte auf, dass circadiane Rhythmen Prozesse wie den Gewebestoffwechsel, den Transport von Immunzellen und die Zytokinproduktion beeinflussen.

Während rheumatoide Arthritis etablierte tägliche Schwankungen aufweist, zeigen sich bei Arthrose variablere Muster. Die Chronotherapie, welche die Verabreichung von Wirkstoffen an biologische Rhythmen anpasst, bietet therapeutisches Potenzial, gilt im klinischen Alltag jedoch bislang als noch zu wenig erforscht.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70458769 |