Arthrose-Präparate, Studien

Arthrose-Präparate: 39 Studien mit 4.599 Patienten zeigen große Unterschiede

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Einige Präparate können Beschwerden lindern, doch die Studienlage ist oft schwach; eine Heilung oder Veränderung der Krankheit ist nicht belegt.
Nahaufnahme von natürlichen Zutaten wie Kurkumawurzeln, Ingwerstücken und Boswellia-Harz auf einer steinernen Oberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Berichte über die Behandlung von Gelenkschmerzen und Gelenksteifigkeit beleuchten verstärkt den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln. Viele Betroffene greifen auf frei verkäufliche Präparate zurück, um Arthrosebeschwerden zu lindern. Fachanalysen zeigen jedoch, dass sich die wissenschaftliche Beweislage je nach eingesetztem Inhaltsstoff und Dosierung gravierend unterscheidet.

Pflanzliche Extrakte und Knorpelbausteine in Meta-Analysen

Im Jahr 2025 untersuchte eine im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Meta-Analyse auf Basis von 39 randomisierten kontrollierten Studien mit 4.599 Knie-Arthrose-Patienten verschiedene Wirkstoffe. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass Boswellia Schmerzen sowie Steifheit verbessern kann. Für Substanzen wie Curcumin, Kollagen, Ingwer und Krillöl ließ sich eine teilweise symptomatische Wirksamkeit feststellen.

Eine weitere Analyse aus dem Jahr 2025 ordnete den Boswellia-Extrakt Aflapin auf den ersten Platz hinsichtlich der Schmerzreduktion ein, während Eierschalenmembran bei der Linderung von Steifheit am besten abschnitt.

In einer dritten Untersuchung erzielte Passionsfruchtschalen-Extrakt bei Schmerz und Funktionsfähigkeit den ersten Platz; auch Methylsulfonylmethan (MSM) und Kollagen schnitten gut ab. Dennoch bewerteten die Forscher die Qualität der Gesamtevidenz dieser Ansätze als niedrig.

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In einer vierten Untersuchung erzielte Passionsfruchtschalen-Extrakt bei Schmerz und Funktionsfähigkeit den ersten Platz; auch Methylsulfonylmethan (MSM) und Kollagen schnitten gut ab. Dennoch bewerteten die Forscher die Qualität der Gesamtevidenz dieser Ansätze als niedrig.

Auch eine separate Curcumin-Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit 17 Studien ermittelte zwar eine Schmerzlinderung im Vergleich zu Placebo anhand des WOMAC-Index, stufte die Gewissheit der Ergebnisse aber ebenfalls als niedrig ein.

Medizinischen Einschätzungen zufolge ist bislang für kein Nahrungsergänzungsmittel ein krankheitsmodifizierender Effekt wissenschaftlich nachgewiesen. Arthrose lässt sich mit diesen Mitteln folglich nicht heilen.

Fachgesellschaften bewerten Glucosamin und Chondroitin skeptisch

Über die Wirksamkeit von Glucosamin und Chondroitinsulfat gehen die fachlichen Einschätzungen auseinander. Die American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) hielt 2021 den Einsatz bei leichter bis mittlerer Knie-Arthrose für denkbar, verwies jedoch auf eine begrenzte und widersprüchliche Evidenz.

Eine deutliche Gegenposition bezogen das American College of Rheumatology und die Arthritis Foundation (ACR/AF) bereits 2019: Sie sprachen sich mit einer starken Ablehnung gegen Glucosamin bei Knie-, Hüft- und Handarthrose sowie gegen Chondroitin bei Knie- und Hüftarthrose aus. Die französische Gesundheitsbehörde HAS stufte den klinischen Nutzen beider Stoffe ebenfalls als schwach und fraglich ein.

Demgegenüber stehen verkaufsfördernde Darstellungen in Herstellerblogs, wonach Glucosamin Knorpelgewebe regeneriere oder Enzyme hemme; belastbare Zahlen zur Wirksamkeit werden dabei oft nicht vorgelegt.

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Bei Chondroitinsulfat verweisen Anbieter teils auf typische Tagesmengen von 1200 Milligramm und eine synergistische Kombination mit Glucosamin, weisen jedoch vereinzelt auf uneindeutige Studienlagen sowie Risiken bei bestehenden Schalentier-Allergien hin.

Die Rolle von Mikronährstoffen und Vitaminen

Neben Knorpelsubstanzen rücken immer wieder Vitamine und Spurenelemente in den Fokus. Eine 1986 in der Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie veröffentlichte, placebokontrollierte Studie ergab, dass die Gabe von 400 Internationalen Einheiten (I.E.) Vitamin E täglich über sechs Wochen bei aktiver Arthrose deutlich häufiger zu einer Schmerzreduktion führte.

Zu Selen zeigte eine Untersuchung der University of North Carolina aus dem Jahr 2005 an 940 Probanden, dass die höchsten Selenspiegel mit einem um 40 Prozent geringeren Risiko für Knie-Arthrose einhergingen, während höhere Werte das Risiko um bis zu 20 Prozent senkten.

Fachleuten zufolge kann der tägliche Zinkbedarf bei Arthrose von üblichen 10 bis 15 Milligramm auf 20 bis 30 Milligramm ansteigen. Während Vitamin C und E als Antioxidantien wirken und Vitamin D für die Knochen- und Muskelfunktion relevant bleibt, fehlt für andere Methoden jede wissenschaftliche Bestätigung: Der Nutzen von Kupferarmbändern und Bor-Präparaten gilt als nicht belegt.

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