Arteriosklerose, Studie

Arteriosklerose: Studie belegt Autoimmun-Merkmale in Nature

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 18:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Studien beleuchten Entzündungsmechanismen bei Myositis, Arteriosklerose, Adipositas und weiteren chronischen Erkrankungen.

Systemische Entzündung: Neue Forschung zu Muskeln, Gefäßen und Stoffwechsel
Ein heller, steriler Laborflur in einem medizinischen Forschungszentrum mit sanftem Tageslicht und neutraler Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Mehrere aktuelle Publikationen und Fachveranstaltungen rücken einen gemeinsamen Nenner vieler chronischer Erkrankungen in den Fokus: systemische Entzündungsprozesse, die Muskelfunktion, Stoffwechsel und Immunsystem gleichermaßen beeinträchtigen. Von Muskelentzündungen über Arteriosklerose bis zu Adipositas und Darmerkrankungen zeichnen aktuelle Studien ein zunehmend differenziertes Bild zentraler Regulationsmechanismen.

Myositis-Forschung im Fokus internationaler Kongresse

An der Justus-Liebig-Universität Gießen beginnt am 17.09.2026 um 16 Uhr im Medizinischen Lehrzentrum der internationale Myositis-Kongress JIMI, geleitet von Prof. Dr. Anne Schänzer vom Institut für Neuropathologie. Am selben Tag findet ein Meeting für junge Forschende statt.

Der Kongress läuft bis zum 18. September und wird von der DFG, der DGM e.V., der Von Behring-Röntgen-Stiftung sowie der World Muscle Society gefördert. JIMI wurde 2016 in Paris initiiert und hat sich seither als Plattform für den Austausch zu entzündlichen Muskelerkrankungen etabliert.

Neue Therapieansätze bei Autoimmunerkrankungen

Auf der Pressekonferenz zum Deutschen Rheumatologiekongress 2026 in Leipzig, der vom 9. bis 12. September stattfand, berichtete Prof. Ina Kötter über frühe Studienergebnisse zu CAR-T-Zellen (CD19) und T-Zell-Engagern bei refraktärem systemischem Lupus erythematodes, systemischer Sklerose und idiopathischen Myopathien.

Diese Ansätze hätten in einzelnen Fällen anhaltende Remissionen erzielt. Kötter warnte jedoch vor vorschnellen Erwartungen und plädierte dafür, den Einsatz zunächst erfahrenen Zentren vorzubehalten. Kongresspräsident der Veranstaltung in Leipzig ist Prof. Ulf Wagner.

Arteriosklerose als Autoimmunerkrankung

Eine im September 2026 in Nature Cardiovascular Research veröffentlichte Studie von Forschenden der LMU München und der Sun-Yat-Sen-Universität liefert Hinweise darauf, dass Arteriosklerose Merkmale einer Autoimmunerkrankung aufweist. Demnach bilden B-Zellen in tertiären lymphoiden Organen der Gefäßaußenwand (ATLOs) hochaffine Autoantikörper gegen Histon 2B.

Der Transfer dieser Antikörper beschleunigte in Mausmodellen die Arteriosklerose. Eine klinische Bestätigung an 495 Personen im Alter von 30 bis 70 Jahren in Guangzhou zeigte, dass Anti-Histon-2B-Titer positiv mit der Aortenverkalkung korrelierten.

Gewichtsverlust und Entzündungsmarker nach bariatrischer Chirurgie

Eine Leipziger Studie von Krasselt und Kollegen, veröffentlicht im International Journal of Obesity, untersuchte 111 adipöse Probanden im Alter von 33 bis 56 Jahren mit einem durchschnittlichen BMI von 48,4 kg/m², von denen 49,5 Prozent an Typ-2-Diabetes litten.

Nach bariatrischer Operation – 70 Roux-en-Y-Eingriffe, 36 Schlauchmagen-Operationen und 5 Omega-Loop-Verfahren – nahmen die Teilnehmenden innerhalb von 12 Monaten im Mittel 44,5 kg ab.

Anzeige

Wer sich mit chronischen Beschwerden und Entzündungsprozessen befasst, sollte auch die zugrunde liegenden Blutwerte genau im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, welche Laborwerte wirklich wichtig sind und wie man Vitalstoffmängel frühzeitig erkennt. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck hier anfordern

Parallel gingen intermediäre Monozyten, myeloide Suppressorzellen (M-MDSC), CD16, HbA1c und Blutfettwerte Richtung Normalwerte zurück. In Deutschland sind laut Starker und Kollegen (Journal of Health Monitoring, 2025) 19,7 Prozent der Erwachsenen von Adipositas betroffen.

Eine niederländische Vergleichsstudie aus dem Jahr 2022 von van der Valk zeigte hingegen, dass ein Lebensstilprogramm mit geringerer Gewichtsabnahme nicht ausreichte, um Entzündungen zu normalisieren – ein Hinweis darauf, dass das Ausmaß des Gewichtsverlusts entscheidend sein könnte.

Um diese Zusammenhänge gezielt zu prüfen, ist eine randomisierte kontrollierte Studie mit 200 Menschen mit Adipositas und Insulinresistenz geplant, die Colchicin und eine IL-1-Blockade testen soll.

Molekulare Spuren der Adipositas bleiben bestehen

Eine Mäusestudie der Showa Medical University, veröffentlicht in Science Translational Medicine, fand heraus, dass 51,9 Prozent der während einer Adipositas veränderten Spleißmuster auch nach einer Gewichtsabnahme bestehen blieben.

Etwa ein Viertel davon war abhängig vom Spleißfaktor CWC22. Gestörte Efferocytose und ein Mangel an Inosin bremsten dabei die Lipolyse. Beim Menschen zeigte sich eine verminderte CWC22-Kernlokalisierung bei Adipositas; wie lange dieser Effekt nach einer Gewichtsabnahme anhält, ist bislang offen.

Anzeige

Chronische Schmerzen und Erschöpfung sind oft die Folge von stillen Entzündungen im Körper, die durch die richtige Lebensweise beeinflusst werden können. Erfahren Sie in diesem Gratis-Ratgeber, wie 12 natürliche Lebensmittel helfen können, Entzündungsprozesse sanft zu lindern. Gratis-Ratgeber: Entzündungshemmende Ernährung sichern

Ergänzend dazu untersuchte eine Studie von Prof. Elke Roeb an der JLU Gießen, veröffentlicht in Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology, den Botenstoff IL-13. Bei starkem Übergewicht stieg IL-13 im Blut nach Gewichtsabnahme deutlich an.

In Mäusen mit IL-13-Mangel fand sich mehr Leberfett und eine gestörte Fettsäureverbrennung, vermittelt über den Signalweg IL-13R?1/JNK/FOSL2. FOSL2 zeigte sich in Lebergewebe von Fettleberpatienten verstärkt.

Weitere Ansätze bei Multipler Sklerose und Pankreatitis

Eine Studie unter Beteiligung des Universitätsklinikums Bonn sowie Forschungseinrichtungen in Basel, Toronto und Yale, veröffentlicht in Science Translational Medicine unter Leitung von Prof. Anne-Katrin Pröbstel, zeigte, dass eine B-Zell-Depletionstherapie bei Multipler Sklerose die Wanderung schützender, aus dem Darm stammender regulatorischer IgA-B-Zellen ins Blut und Zentralnervensystem fördert. Höhere Konzentrationen B-Zell-regulierender Faktoren korrelierten dabei mit besseren Behandlungsergebnissen.

An der Universitätsmedizin Greifswald untersuchte PD Dr. Matthias Sendler in einem Tiermodell, veröffentlicht in Advanced Science, die Wirkung der IL-1-Rezeptorblockade Anakinra bei Pankreatitis.

Die Behandlung verringerte entzündungsbedingte Gewebeschäden bei akuter Pankreatitis und verlangsamte die Vernarbung bei chronischer Pankreatitis. IL-1? aus absterbenden Zellen aktiviert dabei Fibroblasten. Klinische Studien zu optimalem Zeitpunkt und Dosierung stehen laut Sendler noch aus.

Förderung für Grundlagenforschung zu Darmerkrankungen

Daniel Kotlarz, tätig bei Helmholtz Munich und W2-Professor am LMU Klinikum, erhält aus dem Programm „Rise up!“ der Boehringer Ingelheim Stiftung rund 600.000 Euro über drei Jahre. Mit dem Geld soll er gestörte Zelltodwege bei monogenetischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen im Kindesalter untersuchen, unter Einsatz von Darmorganoiden und Multi-omics-Methoden.

Insgesamt verdeutlichen die verschiedenen Forschungsansätze, dass systemische Entzündungen weit über klassisch rheumatologische oder muskuläre Krankheitsbilder hinaus wirken – von Gefäßerkrankungen über Stoffwechselstörungen bis zu neurologischen und gastroenterologischen Leiden.

Gemeinsame molekulare Mechanismen könnten künftig neue, krankheitsübergreifende Therapieansätze eröffnen, auch wenn viele der beschriebenen Befunde bislang aus Tiermodellen oder frühen klinischen Studien stammen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70082648 |