Arbeitszeitgesetz, Koalition

Arbeitszeitgesetz: Koalition ringt um 13-Stunden-Tag bis 1. Juli

15.06.2026 - 21:20:07 | boerse-global.de

Koalition ringt um Abkehr vom Acht-Stunden-Tag. Gewerkschaften protestieren gegen geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Arbeitszeitreform 2026: Streit um Wochenhöchstgrenze eskaliert
Arbeitszeitgesetz - Eine moderne, abstrakte Uhr mit Zahnrädern und digitalen Elementen, die Flexibilität und Regulierung der Arbeitszeit symbolisiert. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mitte Juni 2026 zeichnet sich ein grundlegender Systemwechsel ab: weg vom starren Acht-Stunden-Tag, hin zu flexibleren Modellen. Doch die Fronten zwischen Regierung, Opposition und Gewerkschaften sind verhärtet.

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Bis zu 13 Stunden Arbeit am Tag?

Die Pläne sehen eine Abkehr von der täglichen Höchstarbeitszeit vor. Statt maximal acht oder zehn Stunden pro Tag soll künftig eine wöchentliche Obergrenze gelten. Ein bekannter Vorschlag erlaubt bis zu 13 Stunden Arbeit am Tag – solange die Wochenarbeitszeit 40 Stunden nicht überschreitet.

Ein zentraler Baustein: die verpflichtende digitale Zeiterfassung. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese signalisierte Mitte Juni eine Einigung mit der Union. Allerdings betonte er: Unbezahlte Überstunden müssten ausgeschlossen sein. Arbeitsministerin Bärbel Bas soll einen Vorschlag erarbeiten, der auch die EU-Arbeitszeitrichtlinie einhält – inklusive elf Stunden Ruhezeit zwischen Schichten.

Koalition uneins über Tempo und Umfang

Trotz der Annäherung klaffen die Positionen auseinander. Unionsfraktionschef Jens Spahn forderte Mitte Juni ein klares Bekenntnis der SPD zur Reform. Aus Sicht der Union ist der Wechsel zu einer Wochenhöchstarbeitszeit von bis zu 48 Stunden überfällig. Unions-Vize Günter Krings mahnte ebenfalls, die Koalitionsvereinbarungen einzuhalten.

In der SPD ist die Skepsis größer. Bas stellte klar: Eine Aufweichung des Acht-Stunden-Tags dürfe nicht gegen den Willen der Beschäftigten erfolgen. Intern gibt es Bestrebungen, den Flexibilisierungsspielraum zu begrenzen.

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Opposition und Gewerkschaften laufen Sturm

Die Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek lehnte die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags entschieden ab. Sie warnte vor negativen gesundheitlichen Folgen. Die AfD sieht gar keinen Reformbedarf. Die Grünen zeigen sich offen für punktuelle Änderungen – der Acht-Stunden-Tag müsse aber Standard bleiben.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ruft für den 27. Juni zu einer Großdemonstration in Berlin auf. Bereits am 20. Juni ist in Kassel ein Protest gegen „Sozialstaatsabbau“ geplant. Die Gewerkschaften fürchten eine höhere Arbeitsbelastung und weniger Freizeit.

Wirtschaft: Flexibilität ja, Bürokratie nein

Auch aus Teilen der Wirtschaft kommt Kritik – allerdings aus anderen Gründen. Mittelstandsvertreter befürchten, dass die verpflichtende digitale Zeiterfassung zu viel Bürokratie verursacht. Die zeitliche Flexibilität würde dadurch wieder zunichtegemacht.

Der entscheidende Termin naht: Am 1. Juli 2026 tagt der Koalitionsausschuss. Dort soll der Streit beigelegt und der Weg für den Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bas freigemacht werden. Ob das gelingt, ist offen.

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