Arbeitszeit, Stunden

Arbeitszeit: Fünf Stunden Mehrarbeit pro Woche schädigen die Gesundheit

Veröffentlicht: 03.06.2026 um 08:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien belegen: Längere Arbeitszeiten als vereinbart erhöhen Gesundheitsrisiken und Produktivitätsverluste massiv.

Arbeitszeit: Fünf Stunden Mehrarbeit pro Woche schädigen die Gesundheit Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de
Arbeitszeit: Fünf Stunden Mehrarbeit pro Woche schädigen die Gesundheit Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Wer regelmäßig länger arbeitet als vereinbart, riskiert Burnout, Rückenleiden und Schlafstörungen. Die Forschung schlägt Alarm.

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Überlange Schichten: Unfallrisiko steigt exponentiell

Ein Dossier der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vom heutigen Mittwoch belegt die Gefahren langer Arbeitszeiten. Wochenarbeitszeiten zwischen 40 und 48 Stunden sowie Einsätze über 48 Stunden erhöhen das Risiko für Rückenbeschwerden, Schlafstörungen und Erschöpfung signifikant. Besonders kritisch: Ab der neunten Arbeitsstunde steigt das Unfallrisiko exponentiell an.

Die Realität sieht anders aus als der Vertrag. Während Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 38,5 Stunden vereinbaren, arbeiten sie tatsächlich 43,5 Stunden. Dabei schreiben der Europäische Gerichtshof (Mai 2019) und das Bundesarbeitsgericht (September 2022) eine verpflichtende Arbeitszeiterfassung vor.

Flexibilisierung: Segen oder Fluch?

Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), warnte Anfang der Woche vor einer zu weitgehenden Flexibilisierung der täglichen Arbeitszeit. „Eine Ausweitung kann nicht nur die Gesundheit und Produktivität beeinträchtigen, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschweren“, so der Forscher. In sicherheitsrelevanten Bereichen wie der IT-Sicherheit oder bei Fluglotsen seien strikte Schutzregelungen essenziell.

Schlafmangel kostet Milliarden

Das Forschungszentrum Jülich stellte gestern das Konzept „One Sleep Health“ vor. Weltweit leidet schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung unter Schlafproblemen. Die wirtschaftlichen Schäden durch Produktivitätsverluste belaufen sich in fünf führenden Industrieländern auf bis zu 680 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Schlafmangel steht zudem in direktem Zusammenhang mit Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Leiden.

Ein weiteres Phänomen: die sogenannte „Leisure Sickness“. Untersuchungen der IU Internationalen Hochschule zeigen, dass rund 72 Prozent der Beschäftigten bereits erlebt haben, unmittelbar zu Beginn eines Urlaubs krank zu werden. Der Organismus schafft es nach langanhaltenden Stressphasen nicht, kurzfristig in den Entspannungsmodus zu wechseln.

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IT-Branche unter Druck

Besonders stark betroffen ist die IT-Wirtschaft. Laut der Golem Health-Studie 2026 bewerten nur 25 Prozent der IT-Fachkräfte ihre psychische Gesundheit als gut. Hauptursachen: hoher Termindruck, mangelnde Wertschätzung und unklare Zielvorgaben.

Wirksame Präventionsstrategien gehen über betriebliche Maßnahmen hinaus. Dazu zählen ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, bewusste Pausen, „Digital Detox“-Phasen sowie Achtsamkeitstraining. Die hohe Fluktuation verschärft den Druck zusätzlich: Mit einer Entlassungsquote von 27 Prozent gehört der IT-Sektor zu den Bereichen mit der höchsten Personalfluktuation – neben der Beratung und der Immobilienwirtschaft.

Wellness-Druck bei jungen Menschen

Paradoxerweise führt der trend zur aktiven Gesundheitsvorsorge bei jungen Menschen zu neuem Stress. Eine Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) zeigt: Mehr als 50 Prozent der 16- bis 24-Jährigen fühlen sich durch das Streben nach einem gesunden Lebensstil unter Zeitdruck. Obwohl die weltweite Wellness-Ökonomie 2024 ein Volumen von rund 6,8 Billionen US-Dollar erreichte, berichten viele junge Erwachsene von anhaltender Müdigkeit – trotz ausreichender Schlafdauer.

Die Kommerzialisierung von Gesundheitsthemen konterkariert die angestrebte Erholungswirkung. Während 84 Prozent der Befragten Nahrungsergänzungsmittel nutzen, empfinden 74 Prozent viele Beauty- und Anti-Aging-Trends lediglich als geschäftliche Strategie ohne echten gesundheitlichen Mehrwert. Fachleute empfehlen eine Rückbesinnung auf grundlegende Methoden: soziale Interaktion, Naturerlebnisse und bewusste Sinnreflexion.

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