Arbeitsstress, Arbeitnehmer

Arbeitsstress: Jeder sechste Arbeitnehmer kündigt wegen des Chefs

19.06.2026 - 03:51:49 | boerse-global.de

Eine YouGov-Umfrage zeigt: Schlechte Führung veranlasst viele Beschäftigte zur Kündigung. Experten fordern mehr Vertrauen und Wertschätzung.

Chef als Kündigungsgrund: Jeder sechste Arbeitnehmer geht
Arbeitsstress - Führungskräfte und Mitarbeitende in einem modernen Büro, die ein offenes Gespräch führen, um psychische Gesundheit zu fördern. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage. Führungskräfte entscheiden zunehmend über den Verbleib von Mitarbeitern im Unternehmen.

Die psychische Belastung in der deutschen Wirtschaft steigt. Der TK-Stressreport 2025 zeigt: 66 Prozent der Befragten fühlen sich häufig oder zeitweise gestresst. Auch das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit bestätigt einen Anstieg von Stresssymptomen, depressiven Verstimmungen und Angstsymptomen.

Mittelstand und IT-Sektor besonders betroffen

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Das Creditsafe Stress-Ranking vom Juni 2026 sieht den Mittelstand unter Druck. Hohe Kosten, volatile Nachfragen und knappe Margen belasten die Betriebe. Auch im IT-Sektor steigt die psychische Belastung bei Fachkräften.

Experten betonen: Arbeit unter guten Bedingungen kann stabilisieren. Fehlen die Strukturen, droht der Burnout.

30,5 Milliarden Euro Einsparpotenzial

Eine Studie des BSI und des Centre of Economics & Business Research vom 17. Juni 2026 beziffert das Einsparungspotenzial durch vertrauensbasiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) auf 30,5 Milliarden Euro. Offene Gesundheitsgespräche senken nicht nur Fehlzeiten und Präsentismus, sondern auch die Kündigungswahrscheinlichkeit.

Doch die Praxis sieht anders aus. Beim Round Table zum Thema BGM Mitte Juni 2026 beobachteten Fachleute eine Spaltung des Marktes. Während einige Unternehmen strategische Programme verfolgen, bleiben andere bei Einzelmaßnahmen. Das Angebot und der tatsächliche Bedarf der Belegschaften klaffen oft auseinander.

Schlechte Führung kostet Mitarbeiter

Die YouGov-Umfrage Mitte Juni 2026 unter mehr als 1.000 Befragten zeigt: Jeder sechste Arbeitnehmer hat bereits wegen des Vorgesetzten gekündigt. Jeder Vierte hat es zumindest erwogen. Hauptgründe: mangelnde Wertschätzung und Defizite in der Kommunikation.

Professor Armin Trost von der HFU sieht die Ursache in einem fehlenden grundlegenden Führungsverständnis. „Gute Führung muss Klarheit schaffen, Mikromanagement vermeiden und auf Vertrauen basieren“, so der Psychologe. Auch die GenoAkademie unterstrich am 18. Juni 2026: Führung bestimmt entscheidend über Wohlbefinden und psychische Widerstandsfähigkeit der Mitarbeitenden.

Diversität und Vereinbarkeit als neue Standards

Moderne Personalarbeit berücksichtigt zunehmend individuelle Bedürfnisse. Schauspieler Philipp Hochmair thematisierte Mitte Juni 2026 den Umgang mit ADHS und Legasthenie im Berufsleben. Sein Plädoyer: Leistung nicht an schneller Verfügbarkeit messen, sondern an Ergebnissen innerhalb passender Strukturen.

Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gewinnt an Bedeutung. Das Universitätsklinikum Essen trat am 17. Juni 2026 als erste Uniklinik dem Landesprogramm bei. Mit Wunschdienstplänen und speziellen Entlastungsmodellen reagiert die Klinik auf die demografisch bedingte Zunahme von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung.

Parallel dazu wurden Mitte Juni 2026 in Berlin 250 Organisationen mit dem Zertifikat „audit berufundfamilie“ ausgezeichnet. Das Netzwerk umfasst inzwischen über 900 Organisationen, von deren Maßnahmen rund zwei Millionen Beschäftigte profitieren.

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Systematische Erfassung psychischer Belastungen

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat eine repräsentative Betriebsbefragung durchgeführt. Der am 17. Juni 2026 vorgestellte BAuA-KMU-Survey umfasst Daten von 3.094 Unternehmen. Ziel: Aufschluss über den aktuellen Stand der Arbeitsschutzorganisation und die spezifischen Unterstützungsbedarfe bei psychischen Belastungen. Ein Datensatz für die wissenschaftliche Nutzung wird für das erste Quartal 2027 erwartet.

Zur weiteren Sensibilisierung gibt es gezielte Qualifizierungsangebote. Die IHK Magdeburg bietet eine vierteilige Veranstaltungsreihe für Ausbildungsverantwortliche an. Ende Juni 2026 befasst sich ein Online-Modul intensiv mit Gesprächsführung und Prävention bei psychischen Belastungen von Auszubildenden.

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