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Apple Watch: Studie mit 437 Patienten findet fast viermal mehr Vorhofflimmern

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Hochrisiko-Schlaganfallpatienten erfasste das Smartwatch-Screening fast viermal so viele Fälle wie das konventionelle EKG.
Ein steriler, leerer Untersuchungsraum in einer medizinischen Klinik mit einem Patientenbett und medizinischen Geräten. Illustration mit AI erstellt.

Eine klinische Untersuchung des Amsterdam UMC zeigt deutliche Unterschiede bei der Erkennung von Herzrhythmusstörungen durch Verbrauchertechnologie im Vergleich zu herkömmlichen Diagnosemitteln.

In einer über sechs Monate angelegten Studie mit 437 Hochrisiko-Schlaganfallpatienten, deren Altersmedian bei 75 Jahren lag, verglich das Forschungsteam ein Screening mittels Apple Watch mit einem konventionellen Klebe-EKG. Während die eine Hälfte der Teilnehmenden die Smartwatch rund 12 Stunden täglich am Handgelenk trug, kam bei der anderen Hälfte das medizinische Klebe-EKG zum Einsatz.

Das Screening mit der Smartwatch erwies sich dabei als deutlich sensitiver: Nach Angaben des Amsterdam UMC erkannte das Apple-Watch-Verfahren fast viermal so viele Fälle von Vorhofflimmern wie die konventionelle Kontrollmethode. In der Smartwatch-Gruppe führten die Messungen zu 21 Diagnosen und anschließenden Behandlungen, wobei 57 Prozent dieser Fälle völlig asymptomatisch verliefen.

In der Kontrollgruppe wurden im selben Zeitraum lediglich 5 Diagnosen gestellt, die ausnahmslos symptomatische Patienten betrafen. Der Kardiologe Michiel Winter betonte, dass optische Sensoren (PPG) und mobile EKG-Funktionen eine wirksame Früherkennung ermöglichten, wodurch sich sowohl das Schlaganfallrisiko als auch die Folgekosten für das Gesundheitssystem senken ließen.

Hohe Dunkelziffer bei Vorhofflimmern

Die Relevanz einer frühzeitigen Diagnose unterstreichen Zahlen der Deutschen Herzstiftung. Demnach leben in Deutschland über 1,6 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern, von denen nahezu die Hälfte keinerlei Symptome verspürt.

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Gleichzeitig gehen 20 bis 30 Prozent aller ischämischen Schlaganfälle auf diese Rhythmusstörung zurück. Die Herzstiftung empfiehlt daher Personen über 65 Jahren mit Bluthochdruck oder koronarer Herzkrankheit sowie allen Menschen über 75 Jahren, täglich den eigenen Puls zu prüfen.

Als normale Ruheherzfrequenz gelten 60 bis 80 Schläge pro Minute. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die häufigste Todesursache dar; für die USA wird prognostiziert, dass bis 2030 rund 23,6 Millionen Menschen von Herzrhythmusstörungen betroffen sein werden.

Grenzen digitaler Messungen und Risiken der Selbstüberwachung

Trotz der Erfolge mahnen Fachleute zur Vorsicht beim Einsatz von Endgeräten. Prof. Radke und Prof. Veltmann erläuterten, dass Wearables mit Einkanal-EKG und PPG-Technologie Vorhofflimmern zwar mit einer Treffsicherheit von über 90 Prozent erfassen können, einen Arztbesuch jedoch keinesfalls ersetzen. Fehlalarme seien keine Seltenheit, und lebensbedrohliche Ereignisse wie ein Herzinfarkt könnten von den Geräten nicht registriert werden.

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Gegenüber einem klinischen 12-Kanal-EKG im Krankenhaus liefern Smartwatches nur eine begrenzte Datenbasis und eine geringere Genauigkeit. Die Messung hängt zudem von einer fehlerfreien Trageposition ab und bleibt anfällig für Signalstörungen.

Ein Smartwatch-Alarm sollte daher ausschließlich als Frühwarnsignal verstanden werden, das einer fachärztlichen Abklärung bedarf, da die verbindliche Diagnose weiterhin durch medizinisches Personal gestellt werden muss.

Zudem warnen Fachleute davor, dass eine ununterbrochene Selbstüberwachung psychischen Stress sowie Angstzustände hervorrufen und dadurch Rhythmusstörungen im Einzelfall sogar verstärken kann.

Der technologische Grundstein für das Erkennen über mobile Algorithmen wurde bereits Jahre zuvor gelegt. Bei der Konferenz der Heart Rhythm Society im Jahr 2017 hatten Cardiogram und das UCSF Cardiology Health eHeart Project ein System vorgestellt, das per Deep Learning trainiert worden war.

Auf Basis von Daten von 6.158 Cardiogram-Nutzern erkannte der Algorithmus Vorhofflimmern laut Softwareentwickler Avesh Singh mit einer Genauigkeit von 97 Prozent.

Bereits damals hatte Dr. Gregory M. Marcus von der University of California in San Francisco hervorgehoben, dass methodisch strenge Studien unter Einbindung von Klinikern notwendig seien, um den tatsächlichen Nutzen für die Patientenversorgung nachzuweisen.

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