Apple Watch: Blutzucker-Projekt unter neuer Leitung zur Produktreife
26.05.2026 - 22:30:26 | boerse-global.deApple hat die Führung seines seit 15 Jahren laufenden Projekts zur nicht-invasiven Blutzuckermessung neu aufgestellt. Der Wechsel signalisiert den Übergang von der Forschung zur Produktentwicklung.
Am heutigen Dienstag wurde bekannt, dass Zongjian Chen die Verantwortung für das ehrgeizige Gesundheitsprojekt übernommen hat. Er folgt auf Tim Millet, Apples Vizepräsident für Plattformarchitektur. Der Führungswechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der iPhone-Konzern mit erheblichen Abgängen in der Führungsebene kämpft und seine Gesundheitsstrategie neu ausrichtet.
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Der lange Weg zur „Nadel-freien" Messung
Die Technologie hinter dem Projekt gilt als komplex: Ein System aus Silizium-Photonik und Lasern soll Lichtwellen durch die Haut schicken, um den Glukosegehalt in der interstitiellen Flüssigkeit zu messen. Für Millionen Diabetiker weltweit wäre dies eine Revolution – sie müssten sich nicht länger in den Finger stechen oder invasive Sensoren tragen.
Chen, ein erfahrener Manager in Apples Advanced Technologies Group, gilt intern als jemand, der komplexe technische Ziele zuverlässig erreicht. Branchenbeobachter sehen in seiner Ernennung ein klares Signal: Apple want die Technologie nun zur Marktreife bringen.
Doch der Weg dorthin ist noch weit. Zwar scheint die grundlegende Sensorik weitgehend ausgereift, doch die Miniaturisierung und Integration in die kompakte Apple Watch bleibt eine enorme Herausforderung. Insider rechnen nicht vor mehreren Jahren mit einer Markteinführung.
watchOS 27: Stabilität statt Revolution
Während Apple am Blutzucker-Projekt für die ferne Zukunft arbeitet, fällt die nahe Software-Roadmap überraschend konservativ aus. Das kommende watchOS 27, das bereits morgen vorgestellt werden könnte, setzt laut Berichten auf Stabilität und Leistungsverbesserungen statt auf große neue Funktionen.
Besonders schmerzhaft: Eine mit Spannung erwartete KI-Funktion mit dem Codenamen „Project Mulberry" wurde zurückgestuft. Der KI-Gesundheitscoach, der Nutzer personalisierte Tipps auf Basis ihrer Gesundheitsdaten geben soll, kommt später im Update-Zyklus von iOS 27 und watchOS 27.
Die Verzögerung ist kein Zufall. Konkurrenten wie Oura und Whoop haben mit ihren KI-gestützten Erholungs- und Coaching-Funktionen bereits die Nase vorn. Apple will offenbar kein halbgares Produkt auf den Markt bringen – zumal die aktuelle Health-App von vielen Nutzern als überladen und zu klinisch empfunden wird.
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Führungsvakuum bei Apple Health
Die Neuorganisation des Blutzucker-Projekts fällt in eine Zeit massiver Veränderungen in der Führungsetage. Gleich mehrere Schlüsselfiguren der Gesundheits- und Fitnessabteilung haben Apple in den vergangenen Wochen verlassen: Die Marketingchefs Stan Ng und Eric Charles sind ebenso gegangen wie Jay Blahnik, der Vizepräsident für Fitness-Technologien und Vater von Apple Fitness+.
Noch gravierender: CEO Tim Cook wird voraussichtlich im September 2026 seinen Posten räumen. Sein Nachfolger soll John Ternus werden. Auch Jeff Williams, Chief Operating Officer und Architekt der Gesundheitsstrategie der Apple Watch, ist in den Ruhestand getreten.
Der Aderlass an institutionellem Wissen könnte dazu führen, dass die Apple Watch in eine Phase inkrementeller Updates eintritt – statt der mutigen Hardware-Sprünge vergangener Jahre. Einige der Abgeworbenen sind bereits zur Konkurrenz gewechselt: Ex-Apple-Ingenieure arbeiten inzwischen für Oura, den Hersteller des Oura Rings.
Ein Vermächtnis aus der Jobs-Ära
Die Jagd nach der nicht-invasiven Blutzuckermessung ist kein neues Projekt bei Apple. Steve Jobs persönlich gab einst den Startschuss. Über 15 Jahre betrieb der Konzern eine geheime medizinische Forschungseinrichtung, um verschiedene Sensorkonfigurationen zu testen.
Lange Zeit arbeitete das Team wie ein Startup unter falschem Namen, um die Geheimhaltung zu wahren. Ziel war es, ein gerätetaugliches System zu entwickeln, das ursprünglich die Größe eines Tischgeräts hatte und auf die Größe eines Mikrochips schrumpfen musste.
Die aktuelle Strategie: Die Apple Watch soll nicht nur Fitness-Tracker sein, sondern ein präventives Gesundheitswerkzeug. Durch die Überwachung des Glukosespiegels in der interstitiellen Flüssigkeit will Apple eine „Nadel-freie" Lösung bieten, die Prädiabetiker vor gefährlichen Entwicklungen warnen könnte.
Ausblick: Was 2026 bringt
Für die Apple Watch Series 12, die im Herbst erwartet wird, zeichnen sich nur kleine Änderungen ab. Der Fokus liegt auf interner Effizienz, nicht auf neuen Sensoren. Die Apple Watch Ultra 4 hingegen könnte ein umfangreicheres Redesign erhalten – mit größerem Display und robusterem Titan-Gehäuse.
Eine Blutdruckmessung für die Ultra 4 ist im Gespräch, aber noch nicht genehmigt. Die nicht-invasive Blutzuckermessung wird definitiv nicht 2026 kommen. Stattdessen setzt Apple auf Software-Stabilität unter watchOS 27 und den schrittweisen Rollout der KI-Funktionen.
Der Erfolg der Gesundheitsabteilung unter John Ternus und dem neuen Blutzucker-Chef Zongjian Chen wird sich daran messen lassen, ob sie die jahrelange Laborarbeit endlich an die Handgelenke der Verbraucher bringen können. Der Führungswechsel zeigt: Apple forscht nicht länger nur an der Wissenschaft des Blutzuckers – das Unternehmen baut aktiv an dem Produkt, das sie eines Tages beherbergen soll.
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