Apple plant Chip-Revolution: Intel und Samsung als neue Partner
07.05.2026 - 05:12:56 | boerse-global.deDer iPhone-Konzern will seine Abhängigkeit von TSMC reduzieren und verhandelt mit Intel und Samsung über die Produktion von M-Serie und iPhone-Prozessoren in den USA. Grund sind massive Lieferengpässe, die bereits die aktuellen Mac-Modelle betreffen.
Seit 2016 fertigt der taiwanesische Chipriese TSMC exklusiv die hauseigenen Prozessoren für Apple. Doch diese Ära könnte bald enden. Wie aus Branchenkreisen verlautet, führt Apple-Chef Tim Cook bereits Gespräche mit Intel und Samsung über die Produktion von Chips in US-Werken. Der Schritt ist eine Reaktion auf die angespannte Versorgungslage: Ein globaler Speicherchip-Mangel zwingt Apple zu drastischen Einschnitten bei seinen High-End-Geräten.
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Lieferkrise trifft Mac Studio und Mac Mini hart
Die Folgen der Chip-Knappheit sind für Kunden bereits spürbar. Anfang Mai strich Apple mehrere High-End-Speicherkonfigurationen aus dem Sortiment. Beim Mac Studio mit M3 Ultra-Chip, der einst bis zu 512 GB Arbeitsspeicher bot, ist nun bei 96 GB Schluss. Nachdem die 512-GB-Option bereits im März gestrichen wurde, fielen diese Woche auch die 256-GB- und 128-GB-Varianten weg.
Auch der Mac Mini bleibt nicht verschont. Seit dem 5. Mai sind die 32-GB- und 64-GB-Konfigurationen für die M4- und M4-Pro-Modelle Geschichte. Das Basismodell kommt maximal auf 24 GB, die Pro-Version auf 48 GB. Zudem stieg der Einstiegspreis von 599 auf 799 Euro – die 256-GB-SSD entfiel, neuer Standard sind 512 GB Speicher und 16 GB RAM.
Tim Cook selbst räumte ein, dass die Nachfrage nach lokaler KI-Verarbeitung die Prognosen weit übertroffen habe. „Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Hochleistungskomponenten wird noch Monate anhalten“, so der Apple-Chef. Die Lieferzeiten für den Mac Studio liegen bereits bei neun bis zehn Wochen – in manchen Regionen warten Profi-Anwender bis zu fünf Monate auf spezielle Konfigurationen.
Zweigleisig fahren: Verhandlungen mit Intel und Samsung
Um künftige Engpässe zu vermeiden, setzt Apple auf eine Diversifizierungsstrategie. Konkrete Gespräche mit Intel und Samsung drehen sich um die Nutzung von Samsungs neuer 2-Nanometer-Fabrik in Taylor, Texas, sowie Intels wachsendem Foundry-Geschäft unter Führung von Lip-Bu Tan.
Sollte der Plan aufgehen, wäre das das Ende einer Ära. Zwar bleibt TSMC vorerst Hauptpartner, doch für „einfachere“ M-Serie-Chips und Prozessoren der Standard-iPhone-Modelle sucht Apple Alternativen. Branchenkenner wie Jeff Pu und Ming-Chi Kuo rechnen damit, dass Intels 18A-Prozess bereits Mitte 2027 oder 2028 für Einstiegs-M-Chips zum Einsatz kommen könnte.
Bloomberg zufolge hat Apple bereits Samsungs texanische Anlagen besichtigt. Doch die Verhandlungen stecken noch in den Kinderschuhen – Bestellungen wurden noch nicht aufgegeben. Die größte Hürde: Weder Intel noch Samsung können bislang die Ausbeute und Produktionsskala von TSMC erreichen. Apples Hardware-Chef Johny Srouji prüft derzeit, ob sich die Chip-Designs überhaupt auf fremde Fertigungsprozesse übertragen lassen.
Geopolitische Zwänge und KI-Boom treiben den Wandel
Der Drang zur Diversifizierung hat zwei Gesichter: wirtschaftliche Notwendigkeit und geopolitische Vernunft. Cook zeigte sich besorgt über die Konzentration der Produktion: „60 Prozent der Fertigung in einer einzigen Region zu halten, ist strategisch nicht klug.“ Die Verlagerung nach Intel-Werken in Ohio und Samsung-Standorte in Texas soll das Risiko mindern, das mit der angespannten Lage um Taiwan verbunden ist. Zudem könnte eine Partnerschaft mit Intel das Verhältnis zur US-Regierung verbessern.
Die gesamte Halbleiterbranche steckt in einer beispiellosen Krise. Marktforscher von IDC sprechen von einem „Ausnahmezustand“. High-Bandwidth-Speicher und Standard-DRAM werden zunehmend für KI-Server abgezweigt – Konsumentenelektronik-Hersteller kämpfen um die Reste. Samsung und SK Hynix haben ihre Produktion längst auf KI-Hardware umgestellt, was die Preise für Arbeitsspeicher in die Höhe treibt und die Verfügbarkeit einschränkt.
Selbst Apples Marktmacht bietet hier nur begrenzten Schutz. Cook rechnet mit spürbaren Auswirkungen auf die Quartalszahlen im Juni. Um die Versorgung für die kommende M5-Generation zu sichern, soll Apple bereits Speicherkomponenten horten – die neuen Macs werden noch stärker auf lokale KI-Verarbeitung setzen.
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Technische Risiken und strategische Fallstricke
Der Wechsel zu einem zweiten Chip-Lieferanten birgt erhebliche technische Risiken. TSMCs integrierte Fertigungs- und Verpackungsprozesse sind das Rückgrat der Leistungssprünge bei Apple Silicon. Kritiker bezweifeln, dass Samsung oder Intel die nötige Skalierung für Apples Flaggschiff-Geräte bieten können.
Es gibt historische Präzedenzfälle: Als Apple einst mehrere Zulieferer für iPhone-Chips nutzte, sorgten minimale Leistungsunterschiede für öffentliche Kritik. Daher dürfte Apple die Produktion außerhalb von TSMC zunächst auf günstigere Geräte wie das MacBook Air oder Standard-iPhones beschränken, bevor „Pro“- oder „Ultra“-Hardware in Frage kommt.
Trotz aller Bedenken ist ein „Plan B“ überfällig. Zwar erhält Apple bereits 2026 rund 100 Millionen Chips aus TSMCs Arizona-Fabrik, doch die Konzernführung hält das allein für unzureichend, um die Lieferkette in einem zunehmend volatilen Markt abzusichern.
Ausblick: Wann kommen die ersten Apple-Chips aus US-Produktion?
Für die zweite Jahreshälfte 2026 zeichnet sich keine Entspannung ab. Die erwartete Vorstellung des M5 Mac Mini und der M5 Pro Modelle – Branchenkreisen zufolge zur WWDC im Juni – dürfte unter ähnlichen Lieferproblemen leiden wie die aktuelle M4-Generation.
Das „goldene Zeitalter“ von Apple Silicon, geprägt durch die exklusive Partnerschaft mit TSMC, geht zu Ende. Die Zukunft gehört der vorsichtigen Diversifizierung. Sollten die Gespräche mit Intel und Samsung Früchte tragen, könnten die ersten Apple-Geräte mit Chips aus diesen Fabriken im Frühjahr oder Sommer 2027 auf den Markt kommen. Bis dahin müssen Profi-Anwender, die auf High-End-Konfigurationen für Videobearbeitung und 3D-Rendering angewiesen sind, mit langen Wartezeiten und begrenzten Beständen rechnen – Apple priorisiert die Versorgung für die nächste Generation KI-fokussierter Geräte.
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