Apothekenreform: Ältere erhalten Impfungen und Blutabnahmen vor Ort
12.06.2026 - 20:23:25 | boerse-global.de
Apotheken dürfen künftig mehr medizinische Leistungen anbieten – etwa Impfungen und Blutabnahmen. Gleichzeitig steigt der Kassenabschlag, was die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschärft.
Neue Aufgaben für die Apotheken vor Ort
Die Reform zielt vor allem auf die Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Apotheken von über 20.000 auf rund 16.600 gesunken.
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Apotheker dürfen künftig Totimpfstoffe wie Tetanus oder FSME verabreichen – und zwar an Personen ab 18 Jahren. Auch venöse Blutentnahmen sind jetzt erlaubt. Das Angebot an Schnelltests wird ausgeweitet: Künftig sind Tests auf Adeno-, Influenza-, Noro-, RSV- und Rotaviren möglich.
Ein weiterer Punkt: In dringenden Fällen dürfen Apotheker verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept abgeben. Das gilt für Patienten mit einer nachgewiesenen Dauermedikation von mehr als drei Quartalen. Die kleinste Packungsgröße gibt es dann gegen Selbstzahlung plus fünf Euro Gebühr.
Die Reform bringt auch neue Präventionsangebote. Einmal jährlich können Apotheken Beratungen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zulasten der Krankenkassen abrechnen. Zudem ist künftig Job-Sharing in der Apothekenleitung möglich – und sogar die probeweise Leitung durch pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA).
Mehr Geld pro Packung, höherer Abschlag
Das Fixum pro verschreibungspflichtigem Medikament steigt in zwei Stufen auf 9,50 Euro bis Januar 2027. Doch parallel dazu erhöht sich der Apothekenabschlag von 1,77 auf 2,07 Euro. Diese Maßnahme wurde bereits Ende April beschlossen.
Die Kombination sorgt für heftige Diskussionen. ABDA-Präsident Thomas Preis kritisierte die widersprüchlichen Signale der Politik. Einerseits würden die Kompetenzen gestärkt, andererseits entziehe das Spargesetz den Betrieben Liquidität.
Eine Petition zur wirtschaftlichen Stärkung der Apotheken haben über 315.000 Bürger unterzeichnet. Der Linken-Politiker Gürpinar warnte vor einem Nullsummenspiel für die Apotheken. Staatssekretär Kippels (CDU) verteidigte die Maßnahmen: Die Stabilisierung der GKV-Finanzen sei notwendig, der höhere Abschlag sei verhältnismäßig geringfügig.
18,8 Milliarden Euro Loch in der GKV
Hintergrund der Sparvorgaben ist ein massives Defizit in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) warnte: Ohne Reformen drohe 2027 eine Finanzlücke von 18,8 Milliarden Euro. Bis 2030 könnte sie auf 44 Milliarden Euro anwachsen.
Das Sparpaket soll bis Mitte Juli verabschiedet werden. Es sieht Ausgabenbremsen für Kliniken, Praxen und die Pharmaindustrie vor. Geplant sind auch höhere Zuzahlungen für Versicherte und Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
Die Pharmabranche kritisiert, dass sie etwa zwölf Prozent des Sparvolumens tragen soll – obwohl patentgeschützte Arzneimittel nur einen kleinen Teil der Gesamtausgaben ausmachen. Branchenvertreter warnen: Das könnte Innovationen bremsen und Investitionen ins Ausland treiben.
Auch der Großhandel steht unter Druck
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Der Pharmagroßhandel sieht sich ebenfalls in der Klemme. Die Großhandelsvergütung wurde seit 14 Jahren nicht angepasst. Laut Verband Phagro können rund 65 Prozent der jährlich 500 Millionen abgegebenen Packungen nicht mehr kostendeckend gehandelt werden.
Der Verband fordert eine Erhöhung des Festzuschlags um mindestens 30 Cent pro Packung. Nur so sei die flächendeckende Versorgung gesichert.
Ob die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen die finanziellen Belastungen ausgleichen können, bleibt offen. Detailverhandlungen – etwa über die Aufhebung des Skontoverbots – stehen noch aus und werden voraussichtlich im Juli fortgesetzt.
