Antibiotika, Zucker

Antibiotika und Zucker: Studie zeigt 24 Prozent weniger Darmvielfalt

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 18:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei Blutkrebspatienten ging mehr Zuckerkonsum während der Breitbandantibiotika-Behandlung mit geringerer Bakterienvielfalt einher.

Zuckerreiche Kost verstärkt Antibiotika-Schäden am Darmmikrobiom
Nahaufnahme von Bakterienkulturen in einer Petrischale zur Veranschaulichung der mikrobiellen Vielfalt im Darm. Illustration mit AI erstellt.

Eine im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung unter Beteiligung von City of Hope zeigt, dass eine zuckerreiche Ernährung die negativen Auswirkungen von Breitbandantibiotika auf das Darmmikrobiom erheblich verstärken kann.

Während Antibiotika gezielt zur Bekämpfung von Infektionen eingesetzt werden, greifen sie häufig auch die nützliche Darmflora an. Der Konsum von Süßigkeiten und stark gezuckerten Lebensmitteln scheint diesen Verlust an mikrobieller Vielfalt weiter zu beschleunigen.

Zusammenspiel von Breitbandantibiotika und Zuckerkonsum

Den Ergebnissen der wissenschaftlichen Arbeit zufolge sank die sogenannte Alpha-Diversität – das Maß für die Vielfalt der vorhandenen Bakterienarten im Darm – bei Krebspatienten um rund 24 Prozent pro 100 Gramm zusätzlich verzehrter Süßigkeiten beziehungsweise zuckerreicher Lebensmittel (berechnet nach Trockengewicht). Ein vergleichbarer Effekt trat auf, wenn Patienten in den 48 Stunden vor oder während der Behandlung größere Mengen Zucker zu sich nahmen.

Bemerkenswert ist dabei die Wechselwirkung: Ein isolierter Konsum von Süßigkeiten ohne gleichzeitige Antibiotikagabe führte in den Daten nicht zu einem Rückgang der bakteriellen Vielfalt. Erst das Zusammentreffen von zuckerhaltiger Nahrung und Breitbandantibiotika löste die deutliche Reduktion der mikrobiellen Gemeinschaft aus.

Datenbasis aus der Krebsbehandlung und Ergebnisse im Mausmodell

Die Untersuchung stützt sich auf einen umfangreichen Datensatz von 173 hospitalisierten Blutkrebspatienten, die sich einer allogenen Stammzelltransplantation unterziehen mussten. Insgesamt erfassten die Forscher 9.419 Mahlzeiten mit über 40.000 erfassten Lebensmittelpositionen sowie mehr als 1.000 Stuhlproben.

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Alle beobachteten Patienten erhielten im Rahmen ihrer Behandlung Antibiotika; bei rund 80 Prozent (138 Personen) war zeitweise die Gabe von Breitbandantibiotika erforderlich. Die Auswertung zeigte zudem, dass das Sterberisiko mit jedem weiteren Tag der Antibiotikagabe um 12 Prozent zunahm.

Zur Überprüfung der biologischen Mechanismen führten die Wissenschaftler ergänzende Versuche im Tiermodell durch. Bei Mäusen, die gleichzeitig das Antibiotikum Biapenem und Saccharose erhielten, kam es zu einer explosionsartigen Vermehrung von Enterokokken (Enterococcus faecium).

Die bakterielle Last lag an Tag drei um das 16,3-Fache und an Tag sechs um das 33,4-Fache über den Vergleichswerten. Bei keimfreien Tieren, die lediglich mit einem einzigen Enterokokken-Stamm besiedelt waren, blieb ein solcher Effekt durch Zucker hingegen aus.

Risiken durch Enterokokken und offene Fragen zur Übertragbarkeit

Eine Überwucherung durch Enterokokken birgt im klinischen Umfeld erhebliche Gefahren, da sie das Risiko für schwerwiegende Blutstrominfektionen und lebensbedrohliche Komplikationen steigern kann. Dennoch warnen beteiligte Wissenschaftler vor voreiligen Schlüssen für die breite Bevölkerung.

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Marcel van den Brink von City of Hope betonte, dass eine generelle Empfehlung zum vollständigen Verzicht auf Zucker für alle Patienten unter Antibiotikatherapie derzeit noch verfrüht sei.

Die Daten stammten von schwerkranken Krebspatienten; inwieweit sich die Befunde direkt auf unkomplizierte Infektionen im Alltag übertragen lassen, sei noch Gegenstand weiterer Forschungen. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Relevanz der Ernährung für den Genesungsverlauf.

Jonas Schluter von NYU Langone wies darauf hin, dass eine bewusste Modifizierung der Ernährung – insbesondere eine Reduktion zuckerreicher Lebensmittel während und nach der Medikamentengabe – den Schutz des Mikrobioms unterstützen könnte.

Fachleute empfehlen in diesem Zusammenhang häufig den Verzehr von Ballaststoffen, fermentierten Lebensmitteln und Proteinen während einer Antibiotikatherapie, um das mikrobielle Gleichgewicht im Darm zu stabilisieren.

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