Antibiotika und Zucker: Studie findet 24 Prozent weniger Mikrobiomvielfalt
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 14:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zusammensetzung der Ernährung während einer Antibiotikatherapie steht zunehmend im Fokus mikrobiologischer Untersuchungen. Eine am 30. September 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Untersuchung des Memorial Sloan Kettering Cancer Center analysierte die Wechselwirkungen zwischen Nährstoffzufuhr, Antibiotika und der bakteriellen Vielfalt im Darm. Die Daten veranschaulichen, dass zuckerreiche Nahrungsmittel unter bestimmten Bedingungen das mikrobielle Gleichgewicht zusätzlich belasten können.
Mikrobiomvielfalt bei Krebspatienten unter Beobachtung
Für die Untersuchung am Memorial Sloan Kettering Cancer Center begleiteten die Forschenden 173 Blutkrebspatienten nach einer Stammzelltransplantation über einen Zeitraum von fünf Jahren. Im Rahmen der Studie wurden 9.419 Mahlzeiten sowie 1.009 Stuhlproben dokumentiert.
Bei 158 Patienten stellten die Wissenschaftler die Ernährungsdaten direkt den Verläufen des Mikrobioms gegenüber. Alle Probanden erhielten während des Behandlungsverlaufs Antibiotika, wobei 80 % zeitweise mit Breitbandantibiotika therapiert wurden.
Die Auswertungen zeigten deutliche Zusammenhänge: Während der Gabe von Breitbandantibiotika sank die Vielfalt des Mikrobioms laut Modellrechnung um rund 24 % je 100 g zusätzlicher Süßigkeiten und zuckerreicher Lebensmittel, berechnet auf Basis des Trockengewichts und nicht reinen Zuckers.
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Eine alternative statistische Analyse bezifferte den Rückgang auf 20,6 % weniger Vielfalt je 100 g zusätzlichem Zucker bei einem 95%-Intervall von 7,7 bis 38,1 %. Überdies war ein überdurchschnittlicher Zuckerkonsum innerhalb der untersuchten Patientengruppe mit einer um 12 % höheren Sterbewahrscheinlichkeit assoziiert.
Zunahme von Enterokokken im Tiermodell
Neben dem Verlust an mikrobieller Diversität ging ein erhöhter Konsum von Süßem mit einer Zunahme des Keims Enterococcus faecium einher. Ergänzende Versuche an Mäusen stützen diese Beobachtung. Eine zuckerreiche Ernährung nach einer Gabe von Breitbandantibiotika verstärkte das Wachstum von Enterokokken, während Zucker allein ohne vorangegangene Antibiotikabehandlung diesen Effekt nicht hervorrief.
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Im Tierversuch lag die Enterokokkenlast nach einer Kombination aus dem Antibiotikum Biapenem und Saccharose gegenüber der alleinigen Gabe von Biapenem am dritten Tag um das 16,3-Fache höher. Am sechsten Tag erreichte der Wert das 33,4-Fache. Die Gabe von Saccharose allein führte hingegen kaum zu Veränderungen der Bakterienlast.
Begrenzte Verallgemeinerbarkeit der Daten
Auf Basis dieser Resultate empfehlen die Autoren der Untersuchung, den Konsum von Zucker während einer Antibiotikabehandlung zu begrenzen. Gleichzeitig betonen Fachkreise die methodischen Grenzen der Untersuchung: Da es sich um Beobachtungsdaten bei einer Gruppe schwer kranker Patienten handelt, lässt sich daraus keine allgemeine Empfehlung zum strikten Zuckerverzicht für die breite Bevölkerung ableiten.
Weder die exakten biologischen Mechanismen noch der konkrete klinische Nutzen einer Ernährungsumstellung bei gesunden Personen sind bisher abschließend geklärt. Ebenso wenig belegt die Studie, dass eine zuckerarme Kost bakterielle Infektionen zuverlässig verhindert oder allen Patienten unter Antibiotikaeinfluss gleichermaßen hilft. Um belastbare therapeutische Richtlinien zu formulieren, sind gezielte klinische Folgestudien erforderlich.
