Antibiotika und Zucker: Bei Mäusen steigt die Enterokokkenlast bis zum 33-Fachen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zusammensetzung der Ernährung während medizinischer Behandlungen rückt zunehmend in den Fokus der Mikrobiomforschung. Eine am 30. September 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung von NYU Langone, City of Hope und Memorial Sloan Kettering liefert neue Hinweise darauf, dass ein hoher Zuckerkonsum parallel zu einer Antibiotikagabe das bakterielle Gleichgewicht im Darm zusätzlich schwächen kann.
Für die Erhebung wurden 9.419 Mahlzeiten von 173 hospitalisierten Krebspatienten dokumentiert, wobei bei 158 Personen entsprechende Stuhlproben analysiert wurden. Rund 80 % der beobachteten Patienten erhielten zeitweise Breitbandantibiotika.
Deutlicher Rückgang der bakteriellen Vielfalt
Die Auswertungen der Forschungsgruppe von NYU Langone, City of Hope und Memorial Sloan Kettering verdeutlichen einen Zusammenhang zwischen der Zuckerzufuhr und dem Zustand der Darmflora unter Medikation.
Laut Modellschätzungen sank die Mikrobiomvielfalt je zusätzliche 100 g Trockengewicht aus Süßigkeiten und zuckerreichen Lebensmitteln um rund 24 %. Eine zweite Analyse ergab, dass die Alpha-Diversität je zusätzliche 100 g Zucker in den 48 Stunden vor der Behandlung um weitere 21 % zurückging.
Ergänzende Auswertungen der Studie an den 173 Patienten vor Stammzelltransplantationen zeigten zudem, dass jede Zunahme um 3,5 Unzen zuckerreicher Nahrung während der Therapie mit einer um 24 % geringeren Bakterienvielfalt einherging.
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Überdies war bei Patienten mit einem überdurchschnittlich hohen Konsum von Zucker das Sterberisiko nach der Transplantation laut dem Untersuchungsbericht um 12 % höher.
Zudem berichtete das Magazin New Scientist über die Nature-Publikation, wonach eine zusätzliche 100-g-Portion zuckerhaltiger Nahrung in den 48 Stunden vor einer Stuhlprobe im Schnitt einen um 24 % stärkeren Diversitätsverlust nach sich zog.
Auch Berichte der Publikation Arts in Spe heben hervor, dass eine zuckerreiche Ernährung während einer Antibiotikabehandlung die negativen Folgen für den Magen-Darm-Trakt verstärken könnte.
Vermehrung von Problemkeimen im Modellversuch
Neben dem Verlust nützlicher Bakterien beobachteten die Teams von NYU Langone, City of Hope und Memorial Sloan Kettering eine Zunahme potenziell problematischer Keime. Eine zuckerreiche Kost in Kombination mit Antibiotika stand demnach mit einem vermehrten Vorkommen von Enterococcus faecium in Verbindung.
Begleitende Versuche an Mäusen untermauerten diesen Effekt: Nach der Gabe des Antibiotikums Biapenem zusammen mit Saccharose lag die Enterokokkenlast am dritten Tag um das 16,3-Fache und am sechsten Tag um das 33,4-Fache höher als bei einer alleinigen Antibiotikagabe.
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Die Auswertung zu den 173 Patienten vor Stammzelltransplantationen verwies ebenfalls darauf, dass Enterococcus bei zuckerreich ernährten Mäusen bis zum sechsten Tag um bis zu das 33-Fache anstieg.
Grenzen der Übertragbarkeit und weiterer Forschungsbedarf
Trotz der deutlichen Labor- und Beobachtungsbefunde mahnen die beteiligten Institutionen zur Zurückhaltung bei Verallgemeinerungen. NYU Langone, City of Hope und Memorial Sloan Kettering betonen, dass die Beobachtungsstudie keinen Beweis dafür liefert, dass ein Verzicht auf Zucker Infektionen verlässlich verhindert. Die Resultate aus der Kohorte schwer kranker Krebspatienten lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Antibiotikapatienten übertragen.
Eine Reduzierung des Zuckerkonsums während und nach der Medikamenteneinnahme könnte zwar helfen, Schäden einzugrenzen, belastende klinische Studien zur Wirksamkeit stehen jedoch noch aus. Die vorliegenden Daten begründen daher derzeit noch keine verbindlichen Ernährungsempfehlungen für die breite Allgemeinbevölkerung.
